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Schauerte, Thomas; Dürer, Albrecht; Altdorfer, Albrecht; Maximilian [Honoree]; Dürer, Albrecht [Contr.]; Altdorfer, Albrecht [Contr.]
Die Ehrenpforte für Kaiser Maximilian I.: Dürer und Altdorfer im Dienst des Herrschers — München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2001

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https://doi.org/10.11588/diglit.62901#0220

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2l6

VI. Katalog

Auf der linken - also der heraldisch rechten und da-
mit höherwertigen - Seite befinden sich die Wappen der
habsburgischen Stammlande, während rechts die bur-
gundischen und spanischen Besitzungen angezeigt wer-
den. Dabei scheinen die drei untersten Reihen der rech-
ten Seite nachträgliche Ergänzungen zu sein, denn die
Suite der burgundischen Herrschaften wird von sechs
spanischenWappen (Nr. 100-105) unterbrochen.
Der Katalog beginnt auf der linken Seite mit dem
linken oberen Wappen. Die Gruppierung von je drei
Wappen wurde durch Absatz gekennzeichnet. Die Be-
zeichnungen »links« und »rechts« werden fortan im
heraldisch korrekten Sinne verwendet, also entgegen
der herkömmlichen Lesart.
Rechte Seite
Der Habsburgische Hausbesitz
1. Hungern - Ungarn
Königskrone. Siebenfach geteilt, Rot-Silber im Wechsel.
(Eines der »Sieben christlichen Königreiche«)57.
Die krön Hungern fürt er gar kunigelich / erobert
von seinem vatter / die Erberkayt was in seinem
Vatter kunig Laßlaw des mechtigen künigs der
Zeit der kristenheyt von dem Edlisten plut von
Österreich / Bayd geboren / Darumb furt kunig
Max / disen Schild gar
Anspruchstitel seit Erbschaftsvertrag von 1469, der 1526
in Kraft tritt. Seit 1506/07 ist Maximilian gubernator.
2. Portugall - Portugal
Königskrone. Fünf blaue Schildchen mit fünf goldenen
Kugeln kreuzförmig innerhalb roten Schildrandes mit
zwölf goldenen Türmen. (Eines der »Sieben christlichen
Königreiche«, s. o.).

Das ist ein künigreich Zu Ennde der Cnstenheit /
darynn sind begriffen / ettwan manichs künig
Reich vnd Furstennthumb / der haydenschafft die
der weit vnbekannt sind gewesen / der Schild wir-
det dadurch nit zerprochen / mit dem Sig / den der
Schild / von hundert Jaren biß auf den heutigen
tag / wider die vnglaubigen jegerlichen [?] [unle-
serlich] ... lannd vnd lewt erworben hat / das
Schild furt er nachdem sein mutter / ain Erbtoch-
ter nach ablaybigkeit Irs bruders kynnd natürlich
gewest ist durch vbergab des letztten künigs / des
Vatters der ytzig kunig ist / Darumb furt kunig
Max / disen Schild gar.
Anspruchstitel, der von Maximilians Mutter Eleonore
von Portugal herrührt und die Bestrebungen zur Verei-
nigung mit den spanischen Kronen zum Ausdruck
bringt.
3. Engellandt - England
Königskrone. Geviert; 1 und 4 in Blau drei goldene Li-
lien, 2 und 3 in Rot drei schreitende, zur Mitte gewen-
dete58, goldene Löwen. (Eines der »Sieben christlichen
Königreiche«, s.o.).
Den Schild furt Er / nachdem vnd Er / von dem
allten kunigelichen geblut von Enngellannd ge-
nannt von lannckastren / von sein mutter des ku-
nigs ... [unleserlich] genannt Tochter von Portigal
der altmutter eine von lanckastren gewesen ist /
Sohchen Schild erobert hat / Vnd wiewol in mitt-
ler Zeit / annder geblüts gleich oder nit / dauon nit
zu disputiren geburd / vm gefallen sind / So stet
doch in demselben Schild / auch pillicheit die Edle
Cron / von Frannckreich / auch durch weiplichen
stanndt / des Edeln geblüts vnd geslechts von
lanckastren / Darumb furt kunig Max / disen
Schild gar

Croatien, Constantinopel, Engellannd, Portigal, Wassen,
Beheim, Österreich, Burgund], Lotterick, Brabannt, Steyer,
Kerenden, Crayn, Lymburg, Lutzemburg, Gelldern, Ell-
sass, Fürst Zu Swaben, Pfaltzgraff Zu Habspurg, Henigew,
Flanndern, Tyrol, Görtz, Arthoys, Holland, Seelannd,
Phirt, Kiburg, Namur, Ziltpben, Frießlannd, Wynndische
Marek, Mechel, Porttenaw, Salins, Friaul, Eremberg, Zili,
Orttemburg, Dockennburg, Graffschafft Alost.
56 Der Textbeginn »Das Reich« s. beim Doppeladler-Wappen
des Stammbaumes (A 3).
57 Vgl. Nr. 2-6; ferner in Teil IV: >Heraldik<.
58 Nach heraldischer Gepflogenheit sind diese Figuren sonst

stets nach rechts gewendet, doch weist die Ehrenpforte die
Eigentümlichkeit auf, daß die Figuren auf beiden Seiten der
Wappenreihen zur Mitte gewendet sind. Nur wenn von die-
ser Übung - aus Gründen, die im übrigen nicht recht er-
sichtlich sind - abgewichen wird, findet sich im beschrei-
benden Text eine Angabe zur Richtung.
59 Vgl. dazu Lhotsky, Alphons, Die »Lauerpfeif« als Ge-
schichtsdenkmal, in: ders., Aufsätze und Vorträge, 4 Bde.,
München 1971, Bd. 2, S. 323-327.
60 Nach Coreth, Wappenbuch 1949, S. 298, gluck und fiteren
hier irrig zusammengeschrieben.
 
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