Imkamp, Wilhelm ; Schlichtenmaier, Bert [Editor]; Schlichtenmaier, Harry [Editor]; Schlichtenmaier, Kuno [Editor]; Galerie Schlichtenmaier [Editor]
Wilhelm Imkamp: 1906-1990, Gemälde : 27. Oktober bis 14. Dezember 1996 — Grafenau: Edition Schlichtenmaier GmbH, 1996

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Vorwort

„Kunst von beglückender Vollkom-
menheit“ - so resümierte Prof. Werner
Sumowski das Lebenswerk Wilhelm
Imkamps. Seine Lehrer am Bauhaus, das
er von 1926 bis 1929 besucht hat, erweck-
ten lang nachwirkende Bildvorstellungen
und schufen die Grundlage für seinen
unverwechselbaren Stil. Der Formenfin-
der Wassily Kandinsky vermittelte ihm
„die Dogmen vom Ausdruck der farbi-
gen Form“, den gefühlsbetonten Einsatz
der Farbe. Lyonei Feininger, der in sei-
nen Bildern dem Kubismus eine gleich-
mäßig ordnende, aus durchlässigen Ele-
menten bestehende Komposition gab,
„beeindruckte ihn durch seine Transpa-
renz“, Paul Klee schließlich „weckte in
ihm den Sinn für bildnerische Poesie“.
Der Durchbruch vom Angelernten zu
eigenständigem Schaffen gelang während
des anschließenden Studiums in Paris
und führte 1932/33 zu ersten Erfolgen in
den Ausstellungen im Kunstmuseum
Duisburg und im Museum Folkwang
Essen („Bilder und Zeichen“). Die von
Otto Ritschi organisierte Ausstellung
stellte den Künstler in einer Reihe nam-
hafter zeitgenössischer abstrakter Maler
vor. Ihre Präsentation an weiteren Orten
wurde durch den Druck der Nationalso-
zialisten verhindert.
Nach 1945 stellten sich neue Perspek-
tiven ein. 1946 begann die Freundschaft
mit dem Kunsthistoriker Richard Ha-
mann, später ergaben sich Kontakte zu
Leopold Reidemeister, in deren Folge
Imkamps Werke auf zahlreichen Aus-
stellungen zu sehen waren. Der Künstler
hatte einen festen Platz in der Gegen-
wartskunst gefunden und seine Arbeiten
waren rasch in mehr als 30 Museen zu

finden. Etwa 30 Einzelausstellungen
allein in Deutschland konnte Imkamp
in den fünfziger und sechziger Jahren
für sich verbuchen, so im Suermondt-
Museum Aachen, in der Kunsthalle Bre-
men, im Museum am Ostwall in Dort-
mund, im Landesmuseum Hannover,
in den Museen in Krefeld, Wuppertal,
Duisburg, Münster, Oldenburg, Augs-
burg, Düsseldorf sowie den Kunstver-
einen Köln und Stuttgart. Nach seiner
Übersiedlung nach Stuttgart im Jahr
1948 wurde Imkamp Mitglied der Grup-
pe „ZEN 49“, der u. a. Willi Baumeister,
Julius Bissier, Rolf Cavael, Gerhard Fietz,
Rupprecht Geiger, Karl Otto Götz, Hans
und Karl Hartung, Norbert Kricke, Bri-
gitte Meier-Denninghofif, Emil Schuma-
cher, K. R. H. Sonderborg, Otto Ritschi,
Fred Thieler und Fritz Winter ange-
hörten.
Kunst ist für Imkamp bildnerisches
Ausdrucksmittel für inneres subjektives
Erleben. Die im Bild gefundenen Farb-
und Formklänge kommen intuitiv und
werden nicht auf verstandesmäßigem
Weg gefunden. Die Gestaltung wird
zum Spiegelbild persönlicher seelischer
Empfindsamkeit. Der Maler schuf sich
eine Welt der Träume, Empfindungen
und inneren Harmonien, die sich ihm
im Spiel von Farben und Formen kon-
kretisiert. Am Beginn der Bildgenese
steht der farbige Einfall, die Verlockung
durch Farbe. Wachsam werden Form-
und Farbzufälle, auch die Struktur des
Malgrundes, genutzt. Aus einigen bun-
ten Flecken, dem „Farbgemuschel“, kri-
stallisiert sich dann während des Arbeits-
prozesses ein Bild mit festen Formen
und klarem Aufbau. Farben bilden in

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