Schmidt, Richard
Fakire und Fakirtum im alten und modernen Indien: Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen — Berlin, 1908

Page: 108
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zunehmen, worüber Meyrink (im „März" I, p. 171) folgende
Zusammenstellung gibt:

„Ich fragte den Fakir, ob er einen besonderen Platz ein-
nehmen wolle. Er antwortete, es sei gleichgültig, und ich ging
hierauf mit ihm auf die Terrasse meines Hauses, die heller war
als das Zimmer und zu scharfer Beobachtung besser geeignet.

Auf meine Frage, ob er (der Fakir) etwas Näheres über die
Kraft wisse, die sich in ihm offenbare und die Phänomene er-
zeuge, und ob er sich dabei gewisser Veränderungen im Gehirn
oder Muskeln bewußt sei, antwortete er: ,Es ist keine gewöhn-
liche Naturkraft, die dann wirkt, — ich bin nur das Instrument,
ich rufe die . . . an, und dadurch kommt diese Kraft in Tätigkeit.'
[Hierdurch dokumentiert Govinda-Swami, daß er kein hoch-
stehender Yogi ist.]

Ich habe eine Menge Fakire ausgefragt und immer dieselbe
Antwort erhalten. — Ich forderte nun Govinda-Swami auf, zu
beginnen. Er streckte seine Hände gegen eine ungeheure Bronze-
vase aus, die mit Wasser gefüllt und viele Zentner schwer war,
und innerhalb fünf Minuten begann diese sich zu bewegen und
sich dem Fakir in langsamem, regelmäßigem Tempo zu nähern.
— Wie die Entfernung kleiner wurde, gab sie laute metallische
Klänge von sich, wie wenn jemand mit einem Eisenstab daran
schlüge, und manchmal wurde das Geräusch so dicht und stark
wie das Aufbrassein eines Herdfeuers.

Ich verlangte das Stillstehen, Weitergehen und abermalige
Stillstehen der Vase, und es geschah, wie ich befahl. Dann
forderte ich, daß die Metalltöne nach genau zehn Sekunden
wieder erklingen sollten, und überzeugte mich nach der
Taschenuhr von der Präzision des Phänomens, — meinem
Wunsch, daß die Schläge sich nach dem Takte einer Musikdose,
die ich zu diesem Zwecke aufzog, richten sollten, wurde eben-
falls Folge geleistet, kurz, ich unterließ nichts, um die Über-
zeugung zu gewinnen, daß Govinda-Swami vollkommen Herr
über die Äußerungen der sonderbaren Kraft war. — Dreimal
erhob sich die enorm schwere Vase einige Zoll über den Boden
und fiel lautlos wieder zurück, — und das Wasser darin
schwankte niemals, so sehr das Gefäß auch schaukelte. Alles in
hellem Tageslicht!
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