Schmidt, Richard
Fakire und Fakirtum im alten und modernen Indien: Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen — Berlin, 1908

Page: 111
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— III —

seinem Zuge dahin begleiteten, haben uns Nachrichten über die
Büßer gegeben; aber auch die Missionare und andere Männer,
die sich in neuerer Zeit in Indien aufgehalten haben, sind selten
in ihren Reisebeschreibungen an den „Heiligen" mit Still-
schweigen vorübergegangen. Im folgenden gebe ich nun eine
Auswahl solcher Berichte; sie enthalten zum Teil recht interes-
sante Nachrichten und geben zugleich einen guten Maßstab ab
für die Schärfe des Blickes des einzelnen Reisenden.

1. Taverniers Berieht (ed. Genf 1681, p. 21).

Den folgenden Tag hatte ich eine andere Kurzweil, da mir
eine Troppen Mahometischer Fakirs und Derwichs begegnet,
deren zehlte ich 57. Ihr Haubt oder Vorgesetzter, wäre des
Chagehan-guir Oberstallmeister, dessen Hof derselbe damalen,
als sein Groß-Sohn Sultan Boulaki auf Befehl seines Oheims
Chagehan, wie anderswo gemeldet werden solle, stranguliert
worden, quittiert. Andere vier waren nach dem Vorgesetzten,
die vornehmsten dieser Truppen, und auch am Hof des Cha-gehan
gewesen. Die gantze Kleidung dieser fünff Dervichs bestünde
in 3. oder 4. Ehlen Leinwat Pomerantzenfarb, davon dieselben
Gürtel gemacht, deren Ende einer Seits hinab zwischen den
Schenkeln durch, und auf der andern Seiten wiedrum hinauf bis
under den Gürtel gieng, und also vor und hinden, was die Scham
erfordert, bedeckte. Ein jeder hatte auch ein Tigerhaut auf der
Achsel, under dem Kinn gebunden: vor ihnen her wurden 8.
schöne gesattelte und gezäumte Pferde geführet, drey derselben
hatten güldene Zaum, und die Sättel mit güldenen Spangen
besetzt, die fünff übrigen aber silberne Zäume, und die Sättel
mit silbern Spangen, jeder von einer Leoparts-Haut bedeckt.
Die andern Dervichs hatten für ihre gantze Kleidung allein ein
Seil, so denselben an statt eines Gürtels diente, daran ein Stück-
lein Leinwat gebunden war, um ihnen, wie den andern, die
Schamglieder zu bedecken. Das Haar ihres Haubts wäre in
Form wie Zöpffe aufgebunden, und giengen um selbiges herum,
so auf Manier eines Türkischen Bundsschiene. Allesamt waren
wol bewaffnet, mehrentheils mit Bogen und Pfeilen, etliche mit
Musqueten, andere mit Springstöcken, und einer Gattung
Waffen, deren wir in Europa keine haben: das ist ein scharffes
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