Schreyer, Lothar
Erinnerungen an Sturm und Bauhaus: was ist des Menschen Bild — München, 1956

Seite: 131
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GELMERODA

Im STURM, mehrere Jahre vor dem Bauhaus, hin ich
Lyonei Feininger zum erstenmal begegnet. Es war mit-
ten im Krieg. Lyonei Feininger, der amerikanische
Staatsbürger, lebte in einem Internierungslager in der
Nähe von Berlin. Herwarth Waiden, der unwahrschein-
liche Beziehungen zum Auswärtigen Amt hatte, die ihm
gestatteten, die »feindlichen Ausländer«, Italiener, Fran-
zosen, Russen, Amerikaner, ungehindert auszustellen und
zu propagieren, konnte auch einen regelmäßigen Urlaub
für Lyonei Feininger nach Berlin erwirken. Während
eines solchen Urlaubs traf ich Lyonei Feininger zum Tee
bei Nell und Herwarth Waiden.
Es waren noch Rudolf Blümner, die beiden Dichter
Theodor Däubler und Adolf Knoblauch zugegen. Adolf
Knoblauch zeigte sich zum erstenmal in der Uniform
eines Landsturmmannes. Wahrscheinlich hatte er aus
der Kleiderkammer die schäbigste Uniform erhalten, die
aufzutreiben war. Trotzdem war er kindlich stolz auf
seine Würde, und daß er, nun schon im weißen Haar,
noch Soldat werden durfte. Er schwärmte — durchaus
echt — von Kameradschaft und Heldentum, aber doch
eigentlich wie ein zwölfjähriger Bub, der »Räuber und
Soldaten« spielt. Er zitierte nordische Heldenlieder, die
er übersetzt hatte, zu Ehren der Schwedin Nell Waiden.
Er pries ebenso Theodor Däubler, den Dichter des
»Nordlicht«, der schwitzend dasaß, tieftraurig, von
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