Schreyer, Lothar
Erinnerungen an Sturm und Bauhaus: was ist des Menschen Bild — München, 1956

Seite: 265
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FRUCHT UND NEUE SAAT

Immer wieder überprüfe ich seit dem Ende des STURM
und des Bauhauses: Was ist erreicht? Was hat das sich
verwandelnde Lehen mit dem Erreichten gemacht? Wo
sind die Erben? Was schenken sie dem Menschen und der
Kunst? Wo sind die »Neuen«? Was ist ihre Hoffnung,
ihre neue Hoffnung?
Wir wissen, daß der STURM und das Bauhaus nicht weg-
zudenken sind von der Kunstwende des 20. Jahrhunderts,
daß unter den Namen der entscheidenden Künstlergene-
ration aller Länder sich die Namen der STURM-Künstler
und der Künstler des Bauhauses in der ersten Reihe be-
finden. Weder die Geschichte des Expressionismus noch
des Futurismus und Kubismus, des Konstruktivismus, der
abstrakten Kunst, des Surrealismus oder wie die Strö-
mungen auch genannt werden, kann ohne unser Werk
geschrieben werden. Unsere Namen erweisen, daß die
Kunstwende international gewesen war und ist, daß
sie gleichzeitig in allen Ländern aufbrach, daß durch sie
leibhaftig ein Tor geöffnet wurde in ein neues Leben,
ein neues Erkennen der Lebenskräfte, daß eine leib-
haftige Verwandlung des Menschen begann, das »Men-
schenbild« sich tiefer und umfassender zu entschleiern
begann, daß sich das Gesicht der Gesellschaft und das
Leben der Gemeinschaft verwandelte, schon äußerlich
beherrschend sichtbar im neuen Menschenhaus, in der
neuen Stadt. Wir wissen, daß wir der Mitwelt und Nach-
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