Schuba, Ludwig
Die Quadriviums-Handschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek — Wiesbaden, 1992

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AUSGEWÄHLTE TEXTE IM WORTLAUT

Die 20 Bände, welche nur im Inventar des Jahres 1581 zu finden sind, dürften, wenigstens
zum größten Teil, aus den Privatbibliotheken der Vorgänger und auch des Nachfolgers
Ottheinrichs in die Palatina der Heilig-Geistkirche aufgenommen worden sein. Die Ver-
einigung der Handschriften und Drucke aus den vier genannten Büchersammlungen zu
einer großen Bibliothek wurde von Pfalzgraf Ottheinrich eingeleitet und fand mit dem
Inventar vom Jahr 1581 einen gewissen Abschluß, bevor sie mit den Bücherschätzen Ul-
rich Fuggers eine der berühmtesten Bibliotheken des Abendlandes wurde.
Es bleiben 29 Handschriften, die in keinem Inventar erfaßt sind. Von ihnen sind wahr-
scheinlich einige nach 1581 für die Bibliothek in der Heilig-Geistkirche erworben wor-
den; es kämen dafür cpl 1390 und cpl 1435 in Betracht vielleicht auch die sechs Hand-
schriften von Johannes Virdung, die nirgends nachzuweisen sind. Acht Kodices sind in
der Standortliste der Universitätsbibliothek oder dem Dionysianum zugewiesen, unter
ihnen die ccpl 1346, 1351 1363 und 1446. Für die übrigen ist die Notiz eines Schreibers in
cpl 809, f. 151v zu beachten. Sie enthält eine gewisse Erklärung dafür, daß in den Ver-
zeichnissen, die für die Bücher der verstorbenen Kurfürsten Ludwig VI. und Frie-
drich IV. angelegt wurden, Drucke und Handschriften mathematischen Inhalts fehlen:
der Hofprediger, Kirchenrat und Mathematiker Bartholomaeus Pitiscus hatte sie ausge-
liehen. Sie konnten noch nicht zurückgegeben werden und blieben dem Schreiber nicht
zugänglich, weil die Urkunde mit dem Verzeichnis der Bücher nicht aufzufinden war.
Die in den Beschreibungen enthaltenen Hinweise auf die Standorte der einzelnen Hand-
schriften gehen bei den in den Inventaren des 16.Jahrhunderts nicht festgestellten Kodi-
zes davon aus, daß zu den von Bartholomaeus Pitiscus entliehenen Büchern außer den ei-
gentlich mathematischen und astronomischen auch astrologische Handschriften, ein-
schließlich der Nativitätshoroskope gehörten, die neun Jahre nach dem Tode des Pitiscus
(1613) von Leone Allacci für den Transport nach Rom beschlagnahmt worden sind.

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