Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

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Erstes Kapitel.

öchliemann's Leben.

^ie Art, wie Schliemann gegraben und geforscht hat, hängt
so eng zusammen mit der Persönlichkeit des Mannes, daß man
mehr als bei irgendeinem andern sein Werden verfolgt haben
muß, um sein Handeln richtig zu verstehen. Seiner Ab-
stammung aus einem mecklenburgischen Pfarrhause verdankte er
zwei echt niedersächsische Eigenschaften: einen gesunden Jdealis-
mus, aus dem sich bei ihm der rastlose Trieb nach Bildung
und Wissen entwickelte, und die Zähigkeit des Willens, mit
der er das immer höher aufrückende Ziel verfolgte, mit der
er Mittel auf Mittel fand, um die in immer wechselnden Ge-
stalten auftretenden Hindernisse zu überwinden. So war er
schließlich der vielgewandte Mann geworden, der für den Ferner-
stehenden schwer zu beurtheilen war, weil schwärmerische Be-
geisterung und kluge Berechnung bei ihm dicht nebeneinander
lagen. Jn dem so seltenen, ja einzigen Zusammentreffen dieser
Eigenschaften liegt das Geheimniß von Schliemann's Erfolgen.
Sein unerschütterlicher Glaube an die Thatsächlichkeit der home-
rischen Schilderungen führte die großen Entdeckungen herbei,
und die glatte Abwickelung des geschäftlichen Theils der Sache,
die Pünktlichkeit, mit der nach jeder größern Unternehmung
auch ein größeres Buch über dieselbe erschien, mußte gerade
in unserer Zeit, wo wir, je umfassender die Unternehmungen
werden, desto längere Jahre auf die Vorlegung des zu Tage

Schuchhardt, Schliemann's Ausgrabungen. 1
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