Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

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Erstes Kapitel.

genug erworben zu haben glaubte, um von nun an ganz seinem
Lieblingsstudium, der Alterthumswissenschaft, zu leben. Schon
die letzten zwei Jahre, von der Beendigung des Krimkrieges an,
hatte er sich mit der altgriechischen Sprache beschäftigt, was er
früher nicht zu thun gewagt hatte aus Furcht, der Zauber der
melodischen Laute Homer's könnte ihn ganz einnehmen und von
seinem Handelsberuf, der doch noch nicht abgeschlossen werden
durfte, abziehen. Jetzt unternahm er zunächst eine große Reise
durch Schweden, Dänemark, Deutschland, Jtalien, Aegypten, und
war eben in Athen und im Begriff, sich mit dem Boden Jthakas
vertraut zu machen, als ein Proceß ihn nach Petersburg zurück-
rief und dort auch für mehrere Jahre fesselte. Er nahm des-
halb seine Handelsbeziehungen in jener Stadt zeitweilig wie-
der auf und trieb die Geschäfte in größerm Umfange als je
zuvor, nicht blos in Jndigo, sondern nun auch in Baumwolle
und in Thee. Allein vom Mai bis October 1860 importirte er
für 10 Millionen Mark Waaren. Als endlich im December 1863
der Proceß zu Schliemann's Gunsten entschieden wurde, liqui-
dirte er endgültig sein Geschäft, zu dem er dann auch nicht
mehr zurückgekehrt ist.

Jm Frühliug 1864 trat Schliemann eine Weltreise an, deren
Hauptstationen Karthago, Jndien, China, Japan, San-Francisco,
Neuyork, Paris bildeten. Auf der funfzigtägigen Ueberfahrt von
Japan nach Amerika entstand das erste Buch „Im Eliins 6t Is
ckuxon", das im folgenden Jahre in Paris erschien. Jn dieser
Stadt ließ Schliemann sich dann dauernd nieder, hauptsächlich
mit dem Studium der Archäologie beschäftigt. Jm Sommer
1868 besuchte er zum ersten mal die classischen Stätten, welche
später die Quellen seines Weltruhms werden sollten, und ver-
öffentlichte darüber 1869 deutsch und französisch eine Reise-
beschreibung unter dem Titel „Jthaka, der Peloponnes und
Troja". Jn diesem Buche hat er bereits die beiden Haupt-
gesichtspunkte ausgesprochen, welche ihn bei den spätern Aus-
grabungen leiteten und zu seinem merkwürdigen Erfolge führten:
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