Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

Seite: 9
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Schliemann's Leben.

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betreffs Mykenä glaubte er aus der Beschreibung des Periegeten
Pausanias (II, 16, 4), unsers antiken Baedeker, schließen zu
miissen, daß die Gräber der Atriden nicht außerhalb, sondern
innerhalb des Burgringes gelegen hätten, und Troja, welches
die hervorragendsten Gelehrten und Reisenden damals, wenn sie
seine jemalige Existenz überhaupt zugaben, tief im Lande aus der
Höhe des Balidagh bei Bunarbaschi gelegen glaubten, nahm er
an der Stelle des neuen historischen Jlion auf dem jetzt Hissarlik
genannten Hügel in der Nähe des Meeres an. Mit diesem Buche
und einer griechisch geschriebenen Abhandlung erwarb Schliemann
gleich darauf in Rostock die Doctorwürde. Dann ging er wieder
auf Reisen und brachte das Jahr 1869 fast ganz in den Ver-
einigten Staaten zu.

Jm folgenden Jahre äber begann er das Hauptwerk seines
Lebens, die Ausgrabung von Troja. Jm April 1870 wurde
der erste Spatenstich auf Hissarlik gethan. Es war nur eine
Versuchsgrabung, welche feststellen sollte, wie tief die wegzuräu-
mende Schuttanhäufung auf dem Hügel sei. Als erst in 16 Fuß
Tiefe die erste alte Mauer zu Tage kam, war es klar, daß sehr
umfassende Arbeiten nothwendig sein würden, um die alte Stadt
aufzudecken, und für solche mußte vorher von der türkischen Re-
gierung die Erlaubniß eingeholt werden, die bei den damaligen
unruhigen Weltverhältnissen sich natürlich sehr verzögerte. Erst im
September 1871 traf sie ein und am 27. desselben Monats begab
sich Schliemann mit seiner jungen Frau Sophie, einer Griechin,
mit der er sich zwei Jahre zuvor in Athen verheirathet hatte, nach
den Dardanellen. Da, wie gewöhnlich in solchen Dingen, noch
allerhand Schwierigkeiten bei den Localbehörden zu überwinden
waren, konnten die Grabungen erst am 11. October ihren An-
fang nehmen, und auch dann brachten sie für diesmal nur
wenig Frucht, da die Vorbereitungen sich als unzureichend er-
wiesen gegenüber den von Woche zu Woche steigenden Anforde-
rungen. Ilm in dem gewaltigen Graben, der am Nordrande
des Hügels geschlagen war, einigermaßen vorwärts zu kommen.
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