Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

Seite: 10
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Erstes Kapitel.

mußten 80 Arbeiter angestellt werden; für dieselben waren aber
nebst Spitzhauen nur hölzerne Schaufeln zur Verfügung, und nur
acht Schubkarren wirkten bei der Fortschaffung des Schuttes nrit,
alles übrige mußte in Körben an den Abhang getragen werden.
Dazu waren Schliemann und feine Frau auf ein elendes Quartier
in dem benachbarten Dorfe Tschiblak angewiesen, in welchem es
kaum Häuser gibt, die sich über den Charakter von Ställen er-
heben. Als somit bei Einbruch des Winters am 24. November
die Arbeiten geschlossen werden mußten, hatte man als Ergebniß
derselben, in der obern Trümmerschicht, nur ein hellenistisches
Gebäude aufzuweisen, das nach dem Ausweis mehrerer dabei
gefundener Jnschriften wahrscheinlich das Buleuterion, das
Rathhaus von Neu-Jlion, gewesen war, und weiter unten bis
zu einer Tiefe von 10 m verschiedene Hausmauern aus rohen
Ziegeln mit zahlreichen steinernen Werkzeugen.

Durch diese ersten Erfahrungen gewitzigt ließ Schliemann
sich während des Winters eine große Anzahl englischer Schub-
karren, Spitzhauen und Spaten kommen und fing nun im März
1872 die Sache weit ernstlicher an. Zunächst hatte er sich die
Mitwirkung eines Jngenieurs gesichert; ferner engagirte er drei
Aufseher, welche die verschiedenen Gruppen der Arbeiter, deren
Zahl immer 100—150 betrug, anleiteten, und schließlich wurde
yun auch für ein ordentliches Unterkommen gesorgt, indem aus
der Burg selbst ein hölzernes Haus mit drei Zimmern und da-
neben ein Magazin und eine Küche gebaut wurden. Die Gra-
bungen wurden in der Weise fortgeführt, daß man in der Rich-
tung von Norden nach Süden eine Plattform von der großen
Breite von 233 Fuß in den Hügel hineintrieb; da sich aber
herausstellte, daß diese noch lange nicht den Urboden erreichte,
wurde in ihr noch ein breiter Graben angelegt. Alle Mauern
der obern Schichten, die diesen Strich durchquerten, wurden
rücksichtslos weggeschlagen, damit das Unterste, Letzte, welches
das wahre Troja sein mußte, zu Tage gelegt werden konnte.
Die Grabungen wurden bis weit in den heißen Sommer hinein
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