Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

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Erstes Kapitel.

Nach dieser dritten Campagne legte Schliemann die bisherigen
Ergebnisse seiner Grabnngen nieder in dem Werke „Trojanische
Alterthümer", das mit einem Atlas von 218 Tafeln 1874 bei
F. A. Brockhans in Leipzig deutsch nnd gleichzeitig anch in einer
französischen Uebersetzung von Rangabe erschien. Das Buch bot
vieles, was die alteingewurzelte Troja-Bunarbaschi-Theorie wan-
kend machen konnte. Die Fulle von Topfwaaren und Schmuck-
sachen mit ihren eigenthümlichen Formen deutete darauf, daß
auf Hissarlik eine sehr alte und nicht unbedeutende Ansiedelung
bestanden haben mußte. Auch die Stadtmauern hätten, wenn
sie auch nur zum geringen Theile freigelegt waren, eigentlich
schon damals Vertrauen erwecken können. Aber sie wurden,
zumal bei den mangelhaften Abbildnngen, nicht gewürdigt und
den unansehnlichen Mauern und Häuschen im Jnnern der Burg
gleichgeachtet; waren sie doch in derselben Art, aus kleinen
Bruchsteinen mit Lehm, gebaut, die man bis dahin nur aus
heruntergekommenen Zeitaltern kannte und keineswegs der fest-
umschirmten, hochgemauerten Poseidonsfeste zutrauen mochte.
Vollends schadete dem Eindruck des Buches die allzu große
Glaubensseligkeit, in der Schliemann seinen Goldfund den
„Schatz des Priamos", das größte- bis dahin erkennbare Ge-
bäude den „Palast des Priamos" und die freigelegte Thoranlage
das „Skäische Thor" taufte. Diese drei Benennungen genügten
für die meisten, um alle Behauptungen des Buches in das Reich
der Phantasie zu verweisen. Die Gelehrten hielten es großen-
theils geradezu unter ihrer Würde, sich mit diesen „Schrullen"
zu beschäftigen. Desto lebhafter ergriffen Zeitungen und Witz-
blätter den willkommenen Stoff, und an dem zweifelhaften
Leumund, den sich damals die junge Wissenschaft des Spatens
erwarb, hat nachher die ganze Archäologie schwer zu tragen
gehabt. Die Meinung der Ruhigdenkenden ging nach alledem
durchweg dahin, daß, wenn auch eine uralke Ansiedelung auf
Hissarlik zweifellos sei, doch die Reste derselben der von Homer
geschilderten glänzenden Zeitperiode wenig eutsprächen, daß
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