Schuchhardt, Carl
Schliemann's Ausgrabungen in Troja, Tiryus, Mykenae, Orchomenos, Ithaka und im Lichte der heutigen Wissenschaft — Leipzig, 1891

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Schliemarm's Leben.

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Hissarlik kaum der damalige Vorort des Landes gewesen sein
dürfte und man daher, ehe nicht weitere Grabungen stattgefun-
den hätten, als Troja immer noch das mit so scharfsinnigen und
vielseitigen Gründen vertheidigte Bunarbaschi gelten lassen müsse.

Die folgenden vier Jahre waren für Schliemann sehr be-
wegte. Sie zeigen uns recht die nimmer rastende Unter-
nehmungslust des Mannes; kaum erweist sich ein Vorhaben für
den Augenblick als unansführbar, so streiten schon zwei neue
um die erste Berücksichtigung. Schliemann war im Februar

1874 eben mit einer Versuchsgrabung in Mykenä beschäftigt,
als die türkische Regierung, die bei der Theilung der letzten
trojanischen Funde doch zu kurz gekommen zu sein glaubte, in
Athen einen Proceß gegen ihn einleitete. Er mußte dorthin
zurückkehren und wurde ein Jahr lang mit den Verhandlungen
aufgehalten, die schließlich mit seiner Verurtheilung zu einer
Entschädigungssumme von 10000 Frs. endeten. Statt dieser
10000 Frs. sandte Schliemann dem Ministerium in Konstan-
tinopel 50000 Frs. zur Versügung für das kaiserliche Museum
und hoffte, dadurch die Gekränkten wieder so weit für sich zu
gewinnen, daß sie ihm eine baldige Fortsetzung der trojanischen
Grabungen gestatten würden. Aber er hat von da an einen
schweren Stand in der Türkei gehabt. Trotzdem er sich noch

1875 selbst nach Konstantinopel begab, auch leidlich freundlich
aufgenommen wurde und über die Fürsprache sehr einflußreicher
Freuude verfügte, zogen sich doch die Verhandlungen über einen
neuen Ferman sehr in die Länge; und als er denselben endlich
im April 1876 bekam und dann ungeduldig, die Arbeiten, auf
welche jetzt ganz Europa die Augen richtete, fortzusetzen, nach
Troja aufbrach, ging er doch nur neuen Enttäuschungen ent-
gegen. Der Gouverneur der Troas, Jbrahim-Pascha, hielt ihn
zunächst zwei Monate lang in der Dardanellenstadt fest mit dem
Einwande, daß die Bestätigung des Fermans noch fehle. Dann
erlaubte er ihm zwar,anzufangen, schickte aber einen Commissar
mit nach Hissarlik, der Schliemann nach Kräften das Leben sauer
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