Beck, Paul A. [Hrsg.]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

Seite: 122
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errichtet werden mußte. Hinsichtlich der
Grundsteinlegung aber dürfte dem ersten
Berichterstatter eine Verwechslung be-
gegnet sein. — Stendels läßt die Predigt
des Weingartnermönches, sicherlich irr-
tümlich, erst am 25. Oktober 1625 ge-
halten werden. — ?. Romuald") be-
merkt aber ausdrücklich, im Jahre 1625
habe nur die Weihe des Bauplatzes und
die Aufrichtung des Kreuzes (durch Abt
Christoph von Weissenau) stattgefunden,
während die Grundsteinlegung ein volles
Jahr später, nämlich am 5. Oktober 1626
von Bischof Johann von Prasperg, dem
damaligen Ordinarius von Konstanz, per-
sönlich vollzogen wurde. Neue Differenzen,
die er aber nicht näher bezeichnet, hätten
nämlich die Grundsteinlegung im Jahre
1625 verhindert. Auch die Schweizerische
Kapuzinerchronik 3) und Franz Petrus ^)
stimmen mit ?. Romuald vollständig
überein. — Wir müssen in dieser Be-
ziehung gewiß den drei letzteren Auktoren
Glauben schenken, denn fürs erste kann
ihnen keine Verwechslung begegnet sein,
da Bischof Johann von Prasperg schon
1628 starb und also, wenn Abt Christoph
von Weißenau die Kreuzaufrichtung vor-
nahm, für ihn keine andere Handlung
hinsichtlich des Ravensburger Klosters
mehr übrig blieb, als eben die Grund-
steinlegung. Fürs zweite aber beweisen
die noch folgenden Akten, daß mit dem
Baue des Klosters tatsächlich erst im
Frühjahr 1627 begonnen wurde, was
undenkbar wäre, wenn schon im Oktober
1625 der Grundstein gelegt worden wäre.
Fürs dritte aber läßt auch der Brief des
Kapuzinerkapitels an Truchseß Heinrich
vom 9. September 1626 erkennen, daß
bis dahin eine Grundsteinlegung noch nicht
stattgefunden hatte. Wir führen diesen
Brief wörtlich an, da er typisch ist für
die Art und Weise, wie damals der Bau
eines Kapuzinerklosters in die Wege ge-
leitet wurdet)
„Hoch Wolgeborner Freyherr und
Edler, Hoch-Wolgelehrter Herr und Ewer
Gnaden vnd Gunsten sehen Jeder Zeit
Vnnsere Vnderthenige Vnnd Guetlwillige
Dienst Zuuor u. Ewer Gnaden Vnd
Gunsten Gnediges Vnd Günstiges schreiben
haben Wür Vnderthenig vnd Zuerecht
empfangen, Vnd darauß Verstanden, wie

daß C. G. vnd G. Vnnß Gnedig Vnnd
Günstig anmahnen, daß Wür an dem
paw deß angenommen Closters Zue
Raueuspurg einmahl ein Anfang machen
wöllen, Vnnd wür thuen Vnnß wegen
der Gnedigen Vnnd Günstigen Wolmei-
nung Vnnd molmutiou gegen Vnnserm
Orden und Religion, Vnnd Zue der-
selben mehreren befürderung E. G. Vnd
G. ganz Vnderthenig Vnnd dienstlich be-
danckhen. Wür wöllen auch uit Buder-
lassen E. G. vnd G. gnädigen Vnd gün-
stigen Begeren demüettig Zue willfahren,
Vnd Allso aufs den zuekhünftigen Frieling
Vätter vnd Brüeder, die sich aufs das
pawen verstehn dahin Verordnen, aufs
das ein glünkhlicher Anfang deß paws
gemacht werde. Allein daß Zuuor ein
Hauß nit weit von der Kürchen gelegen,
für Ihr I1o8pitium befielt werde, damit
Sye dem paw Vnnd Ihrer Andacht zue-
mahl khönnen füeglich abwarten. So
wollen Wür auch nit Vnderlassen aufs
die zuekhünftige Fasten ein Prediger
dahin Verordnen, doch mit dem Vorbe-
halt, das der Vil Ehrwürdig Herr Dechant
allda Zuuor solches Von Vnnß begere,
dann ohn der Pfarrherren Vnd Seel-
sorger Bewilligung, wür niehmahlen an
kheinem orth zue Predigen, Vnnß Vnder-
fangen. Hiemit Thuen Wür Vnnß E. G.
vnnd G. Vnderthenig vnd freündtlich, die-
selbige aber vnnd Vnnß sambtlich inn schuz
Bund schirm deß hohen Gottes gantz de-
müettig Vnd trewlich beuehlen. Dutum Du-
ooruuo 9. 8optombris ^imo Ollrwti 1626.
k. (lolumbunus Drovmoiulm.
k. Nultbiu8 LuAi6N8i8 Dillmitor.
k. Hn6r6U8 u 8urso Dillmitor.
k. ^.poilmurm 8i8mariuA6U8i8 Dillmitor.
k. ^muckou8 DriburZorwis Dillmitor.«
Es besteht wohl kein Zweifel, daß
man diesem Verlangen in allen Punkten
willfahrte. So konnte Bischof Johann
am 5. Oktober wirklich den Grundstein
des Klosters legen und er tat es nach
?. Romuald 3) persönlich, um den Akt
ff Steudel: Chronik der Stadt Ravensburg,
S. 12.
2) Hist. krov. Lut. Lust. S. 163.
ff (Leonies. krov. llsivstieas S. 105.
ff Lnsvia Lcel. S. 701.
ff Stadtarch. Rav., Sch. 55, L. e. F. 1975a
S. 31.
ff llist. krov. Lut. Lust. S. 163.
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