Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 27.1909

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Baptist geweiht. Weil nämlich durch die
Hinrichtung dieses Heiligen im Schloß
eines jüdischen Fürsten die Würde und
die Ehre eines jeden Landesherrn und
Fürsten sehr schwer verletzt und besudelt
wurde, so hat man als Sühne dafür den
Hauskapellen den Weihetitel des hl. Jo-
hannes des Täufers gegeben. Aus diesem
Grunde ist auch die Laterankirche in Rom
diesem Heiligen geweiht.
Da die Trierer Gelehrten nachgewiesen
haben, daß das Kloster St. Maximin
auf der Stelle steht, wo die Kaiser des
Konstantinischen Hauses einen Palast be-
saßen oder bauten, so kann es keine Frage
sein, daß die Schloßkapelle dort dem hl.
Johannes dem Täufer geweiht war.
Zu vergleichen auch die Inschrift auf dem
zu Monza gezeigten Diptychon: Vs äorÜ8
v(s)i ollerit Ilisoäslsuäu rsZ(ina) Zlorio-
sissimu 8oo loimnni Oaptlislas) in base-
linu, (junin 1p8u kunck(avit) in Nockieia
props pal(atmm) 8nnin. Stimmen von
Maria Laach, Jahrg. 1901 S. 504.
Welche Schloßkirchen wurden in
unserem Lande Pfarrkirchen mit dem
Kirchenpatron Johannes? Kann vielleicht
der Titel cksoollatio 8. 1ounni8 die Frage
lösen helfen? Im Dekanat Horb wird
Felldorf in Betracht kommen, dessen Kirche
früher Schloßkapelle war. Die Sigma-
ringer ursprüngliche Schloßkirche jetzt
Pfarrkirche soll Johannes den Evangelisten
zum Patron gehabt haben.
Wie St. Johannes Patron von Kirchen
und Kapellen ist, so wurde er später auch
Patron von Ländern und Städten, welche
teilweise (Breslau; bei uns Künzelsau,
Schwaigern bis ins 16. Jahrhundert) in
ihrem Wappen das Haupt desselben
führen. Ferner ist der Täufer Patron
der Kürschner und Schneider, weil er sich
sein Kleid aus Fellen machte und der
Maurer, weil er die ersten Steine zum
Bau der Kirche herbeitrug, indem er seine
Jünger zu Christus führte. (Menzel.)
Die Freimaurer, welche von den unter
dem Patronat des St. Johannes stehenden
alten englischen Maurergilden ihren Ur-
sprung ableiten, machen noch jetzt aus dem
St. Johannistag viel Wesens. In früheren
Zeiten galt Johannes auch als Patron
der Sänger und Musiker, was damit zu-
sammenhängt, daß die Anfangssilben der

7 ersten Zeilen des lateinischen Hymnus
auf den Täufer (vt qusant laxis u. s. w.)
zu Benennungen der 7 Töne in der Ton-
leiter gewählt wurden (ut—rs-mi—la
— 8ol—In—8u—). Ferner kommt der
Heilige in Betracht als Hüter und Patron
der Ehe, als Patron gegen Hagel (warum?),
als Patron bei Krankheiten der Fallsucht
und der Lämmer und auch als Schutz-
patron des Weinstocks (Christus der
Weinstock).
Eine große Verehrerin des hl. Johannes
des Täufers war ehedem die hl. Othilia,
weil sie bei ihrer Taufe das Augenlicht
empfangen hatte. Kapelle auf Hohenburg-
Othilienberg im Elsaß. Darauf ist es
wohl zurückzuführen, daß Johannes in
den Vogesen vielfach als Helfer gegen
Augenübel verehrt wird.
Wie ist es aber zu erklären, daß auch
in der Nähe des Blaubergs bei Wolmar
am Feste des hl. Johannes die Augen-
kranken Zusammenkünfte halten? In einigen
lettischen Segens- und Glaubensformeln
erscheint Johannes als Patron der Geistes-
kranken, in andern trifft man ihn mit
Petrus als Helfer wider Verhexung des
des Viehs (Zusammenhang mit dem
Lamm?).
Die Reliquien des Heiligen werden
ausführlich besprochen in dem Buch: „Jo-
hannes der Täufer von Dr. Theodor
Jnnitzer, Wien 1908."
Über Johannes der Täufer in der
Liturgie handelt ein Aufsatz im vastor
Kouu8 vom 1. Juni 1904. Früher 3
Messen wie an Weihnachten. Kirchenlieder
und Hymnen auf den Heiligen von Abt
Notker von St. Gallen an. Dichtung des
Heinz von Konstanz. Epos der Gräfin
Coudenhove u. s. w.
Auffallend das Nebeneinander von
Johannes dem Täufer und dem Erz-
martyrer Stephanus. Benennungen von
Kräutern und Früchten nach Johannes.
Johannes und die Tiere. „Auf sein
Wort verläßt der Löwe willig seine Beute
wieder, Legt sich seiner Kraft vergessend
zu des Knaben Füßen nieder".
Dargestellt wird der Heilige (sehr häufig
in der griechischen und russischen Kirche)
meistens nach den Angaben der Evange-
listen; als Engel, der dem Herrn die
Wege bereiten soll, hat er Flügel. Die
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