Seyler, Gustav A. [Bearb.]; Siebmacher, Johann [Begr.]
J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 1,5,2): Klöster — Nürnberg, 1882

Seite: 21
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BISTHÜMER UND KLÖSTER, n. reihe: klöster.

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von Scuzzenriet. Das Kloster wurde von Weissenau aus
bevölkert und mit einem Propst versehen. Auf dem Con-
cil zu Basel 1441 erhielt der damalige Propst Conrad
Rauher die Würde eines Abts, von welcher Zeit an 24
Aebte zu Schussenried gewesen sind. Im J. 1803 wurde
die Abtei zu den Entschädigungen des Grafen von Stern-
berg gezogen.

W a p p e n.

Das Wappen des Klosters ist das der Stifter: ein
gekrönter r. Löwe im s. Feld.

Augustus Arzet, erwählt 1656, f 1. Juli 1666.

Quadrirt: 1. und 4. der Löwe; 2. in S. ein schwarzer
Prälatenhut; 3. von ^ UQd G. gespalten mit einem
Hirschgeweih verwechselter Tinktur. Auf dem Schild
ruht die Inful, daneben stecken Krummstab und Schwert
(Taf. 85).

Innocenz Schmid, erwählt 27. Octob. 1710, f
25. Sept. 1719.

Quadrirt: 1. und 4. der Löwe; 2. und 3. in R ein
s. Straussenvogel, im Schnabel ein Hufeisen haltend.
Inful, Krummstab und Schwert wie vorhin (Taf. 35).

Nicolaus Closs, erwählt 1756, f 5. Sept. 1775.

Quadrirt: 1. und 4. der Löwe; 2. und 3. quergetheilt
von R. und G. mit drei (1,2) Ringen verwechselter Tink-
tur. Inful, Krummstab n. Schwert wie vorhin (Taf. 35).

Weingarten, Reichsabtei.

Heinrich I. aus dem Stamme der Welfen stiftete im

J. 910 in Altorf ein Nonnenkloster; dessen Sohn WelfII,
versetzte 1047 die Nonnen nach Altmünster und räumte
den dortigen Mönchen das Stift zu Altorf ein. Nachdem
dieses Kloster 1047 abgebrannt war, widmete Welf III.,
Herzog in Kärnthen und Markgraf zu Verona sein Schloss
auf dem nahe gelegenen St. Martinsberg zu einem neuen
Kloster, liess innerhalb zweier Jahre eine herrliche Kirche
bauen, die den Heiligen Martin und Oswald geweiht
wurde und legte stattliche Güter dazu. Diese Stiftung
erhielt den Namen Weingarten. Da Welf III keine
Erben hatte, beredeten ihn die Mönche, das Kloster zu
seinem Haupterben einzusetzen (1055). Indessen stiess
sein Neffe Welf IV. dieses Testament um, erwies sich
aber gleichwohl dem Kloster sehr wohlthätig, begabte
dasselbe mit Gütern, Zehnten, Jurisdictionen etc. Ferner
gestattete er dem Kloster, einen Schirmvogt nach Be-
lieben zu wählen.

Das Stift wurde 1043 von K. Heinrich III., 1073 von

K. Heinrich IV. u. s w. in des. Reichs Schutz genommen.
K. Ferdinand III. bestätigt 1639, dass das Kloster Wein-
garten, mit aller seiner Zugehör dem H. R. Reiche ohne
Mittel zugethan und der Prälat desselben von alten Zei-
ten her für einen unbezweifelten Reichsstand erkannt,
auch der Reichsmatrikel neben andern Fürsten und Stän-
den mit seinem gewissen Anschlag einverleibt worden.

Von dem Johanniterorden erkaufte das Kloster 1611
das Comthurhaus in der Stadt Feldkirch mit allen dazu
gehörigen Zinsen etc. auf dem Land für 62,000 Gulden.
Ferner erwarb das Kloster 1613 die Herrschaft Blumen-
egg von Graf Rudolf v. Sultz um 150,000 Gulden. We-
gen dieser Herrschaft schrieb sich der Abt liberi irnpe-
rialis Dominii in Blumenegg Dynasta. Die Würde eines
S. R. I. deputatus perpetuus erhielt der Prälat schon im
J. 1555 — Die Einkünfte der Abtei wurden auf 97,000
Gulden gerechnet. Sie wurde im J- 1802 zu den Ent-
schädigungen des Fürsten von Nassau-Diez gezogen, kam
aber 1806 unter württembergische Hoheit.

Wappen.

Das Wappen der Abtei ist bei Schrot richtig angegeben:
I. 5. II.

„Ein gelber Löw im blawen feldt mit rotben hertzlen“.
— Auf einem Siegel mit der Umschrift; „Sigillum Nota-
riatus Pontificii“ erscheint dieser Schild mit einem Prä-
latenhut (3 Quasten) geschmückt (Taf. 86).

Das Wappen des Stifts Weingarten sind zwei ins
Andreaskreuz gelegte Hacken im b. Feld, daneben im
Schilde die Inschrift „ST. W.“ Der Schild ist mit einer
neunperligen Krone bedeckt. Schildhalter zwei Löwen
'Taf. 36). — Wir finden dieses Wappenbild auf einer
Medaille des Abtes Gerwicus Blarer vom J. 1529. Da-
gegen ist dasselbe in keinem mir bekannten Falle in den
Wappenschild eines jeweiligen Abtes aufgenommen
worden.

An zweiter Stelle führen die Aebte in ihren Wappen
wegen der Abtei: Im g. Schilde auf gr. Dreiberg einen
Weinstock. Ein redendes Wappen.

Gerwicus Blarer von Giersberg 1520 — 1567.

Quadrirter Schild mit Mittelschild: Der Weinstock.
1. und 4. der Löwe in mit Herzen bestreuten Felde; 2.
und 3. das Wappen Blarer, ein r. Hahn im s. Felde.
Hinter dem Schilde steht der Krummstab, von welchem
nach beiden Seiten Tücher abfliegen (Taf. 36)

Dominicus Schnitzer, erwählt 1745.

Einmal gespalten und zweimal quergetheilt mit Mit-
telschild ; der letztere ist gespalten, vorn in R. ein Mann,
welcher in der rechten Hand ein Schwert hält, die linke
in die Hüfte stemmt. Hinten in B. eine Taube mit Oel-
zweig. 1. und 6. der Löwe in von Herzen bestreutem
Felde. 2. gespalten: vorn in G. ein linksgewendeter r.
Löwe, hinten in G. ein rechtsgewendeter ££ Löwe. 3. in
G. der Weinstock. 4. in B. auf einem Berg stehend ein
Männlein, welcher die Monstranz sich über den Kopf hält,
daneben links ein Boot (so nach einer Münze). 5. in S.
drei oben gezinnte tt- Querbalken. Auf dem Schild fliegt
ein mit der Inful bedeckter Engelskopf, daneben rechts
steckt der Krummstab, links das Schwert (Taf. 36).

Abtei Beinwil zu itöariastein.

In jener Zeit, als Kaiser Heinrich IV. und Papst
Gregor VII. mit einander im Kampfe waren, stifteten die
vier Klostervögte von Grandval, Udelhard von Pfirdt,
Notker von Froburg, Ulrich von Egisheim und Dachs-
burg und Burkhard von Hasenburg die Benedictiner-Abtei
Beinwil im alten Huzonswalde. Zur Bevölkerung des
neuen Klosters sandte Wilhelm der Heilige, Abt von
Hirschau, 1085 acht Mönche, welchen er einen gewissen
Esso zum Abte gab. Unter der Schirmvogtei der Stifter,
welche später an das Grafenhaus von Thierstein, 1519
an die Stadt Solothurn überging, nahm das Kloster einen
raschen Aufschwung; im 12. und 13. Jahrh. erstreckten
sich seine Besitzungen über das ganze Birstbal, über den
Sundgau bis hinüber ins badische Land. Um die Mitte
des 15. Jahrh. hatte es den Höhepunkt erreicht, von dem
es in raschen Schritten abwärts ging. Namentlich der
Bauernkrieg versetzte der Lebenskraft des Stiftes einen
schweren Schlag, an dem es zwei Jahrhunderte lang la-
borirte. Das öfter verlassene Kloster wurde von Einsie-
deln und Rheinau wieder bevölkert, aber bis 1633 nur
von Administratoren verwaltet. In dem genannten Jahre
wählten 7 Mönche einen Abt in der Person Fintan Kie-
fer’s, der das Kloster zu neuer Blüthe brachte und 1636
die Wallfahrt Mariastein übernahm, wohin der Convent
1648 übersiedelte. Unter den Stürmen der französischen
Revolution wurde Abt Hieronymus Brunner 1792 von dem
fliehenden Bischof von Basel zu dessen Stellvertreter er-
nannt, nach wenigen Jahren aber, 1798, das Kloster von
Napoleon verschenkt, die Klostergüter um Spottpreise
verschleudert. Abt Hieronymus, „der Engel der Schwei-
zeräbte“, war der Neubegründer des Klosters, dessen Wie-
deraufleben er jedoch nicht mehr erlebte. Sein Werk
wurde von Abt Placidus Ackermann (erwählt 1804) fort-

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