Siebmacher, Johann [Begr.]; Grass, Carl August von [Bearb.]
J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 2,6): Der Adel in Baden: nebst Anhang, die Standes-Erhebungen des fürstlichen Hauses Fürstenberg enthaltend — Nürnberg, 1878

Seite: 10
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DER ADEL IN BADEN.

Die Grafen gehören zn den stimmfähigen und
wählbaren Grundherrn unterhalb der Murg.

Wappen: In S. ein auffliegender, gekrönter j^J;

Rabe, (zuweilen ungekrönt).

Kleinod: Gekrönter Helm mit 2 Hörnern, das

rechte :jji, das linke s., oder umgekehrt.

Decken: ££ s.

Heimiis, CJrafen. (Taf. 7.)

Alter Adel aus Frankreich, welcher schon im

14. Jahrhundert daselbst vorkommt und in der 2. Hälfte

des 16. Jahrhunderts sich im Herzogthum Lothringen, das
damals noch zum deutschen Reich gehörte, ansässig
machte, 1629 vom Kaiser Ferdinand in den Reichs-
freiherrnstand und 1726 von Leopold, dem letzten
Herzog zu Lothringen, in den Grafenstand erhoben
wurde. Von hier verbreitete sich das Geschlecht nach
Oesterreich und kam in Dienste des Markgrafen von
Baden-Baden. ,

Im heutigen Grossherzogthum seit 1774 mitHeck-
lingen Amts Kenzingen begütert, gehören die Grafen
dem grundherrlichen, stimmfähigen und wählbaren
Adel unterhalb der Murg an.

Wappen: In R. auf b. Meereswogen, rechts-

segelnd, ein Kriegsschiff (Kreuzfahrerschiff) mit 3 Ma-
sten, jeder mit s. Wimpel und s. Segel, letztere mit
einem r., meist doppeltem Kreuze belegt.

Kleinod: gekrönter Helm, aus welchem ein ge-
harnischter Ritter hervorwächst, der in der Rechten
ein g. Schwert über die Schulter hält und in der
Linken ein g. Schild mit r. Kreuz belegt, trägt.

Decken: r. s.

Schildhalter: 2 geharnischte Ritter mit r.

Kreuz auf den s. Mänteln.

Wahlspruch: Deo duce.

Hornstein, Frhrn. (Taf. 7.)

Schwäbischer Uradel, dessen gleichnamige Stamm-
burg an der Lauchart im Fürstenthum Sigmaringen
gelegen ist und der von je her, vermöge seiner Be-
sitzungen, den schwäbischen Reichsrittercantonen ein-
verleibt war. 1201 findet sich der Name urkundlich
zuerst, als der Ort Daugendorf im würtemberg’schen
Amt Rieslingen im Besitz der Familie war. 1227
kommen Ritter v. H. als Mitstifter des Klosters Wet-
tingen in Aarau vor.

Unter den vielen Linien des Hauses, die sich auf
ihren reichen Gütern ausbreiteten, blühen in der Ge-
genwart nur noch die Hauptlinien zu Grieningen und
zu Göffingen, die letztere Herrschaft wurde aber zu
Ende des IS. Jahrhunderts an den Fürsten von Taxis
verkauft. Stammvater beider Linien ist Bruno II.
Herr zu Grieningen 1465. Nur die erstgenannte
Hauptlinie, welche sich in die Linien zu Grieningen
und Hohenstoffeln theilte, gehört ihren ritterschaft-
lichen Besitzungen wegen dem Grossherzogthum Baden
an und zerfällt hier in die Aeste zu Biethingen und
Binningen.

Den Reichsfreiherrnstand erlangte die Hauptlinie
Grieningen unter dem 13. August 1653, in der Person
des kaiserlichen Truchsess und Vorschneiders Baltha-
sar Ferdinand v. H. zu Grieningen und Hohenstoffeln,
eigentlich nur eine Ausfertigung der ihm schon vom
Kaiser Ferdinand I. 1636 verliehenen Standeserhöhung.

Grundherrliche Besitzungen in Baden.

1. Speziallinie H.-Grieningen in Biethingen: im

Amt Blumenfeld, Homboll, Schloss und Hof der Pfarr-
gemeinde Weiterdingen, sowie Biethingen mit Schloss.

2. Speziallinie H. - Hohenstoffeln in Binningen:
1843. Weiterdingen, Hohenstoffeln, drei Schlösser und
Hof der Pfarrgemeinde Binningen. Gegen Ende des

15. Jahrhunderts von Balthasar v. H. mit seiner Ge-
mahlin Marie Kleopha von Stoffeln zum Theil erhei-
rathet, die ganze Herrschaft kam erst 1629 an das

Geschlecht. Binningen, Seeweiler, Lochmühle, Heilig-
grab und Seehof zur Gemeinde Weiterdingen gehörend,
dann ebenfalls zu Binningen gehörend: Hofstorzein
und Hofwiesen, Amts Blumenfeld.

Stimmfähige und wählbare Grundherrn oberhalb
der Murg.

Stammwappen. In B. auf g. Dreiberg, der
meist ‘im Schildesfuss schwebt, eine halbkreisförmig
nach Links gebogene s. Hirschstange, die Enden
auswärts.

Kleinod: Dieselbe Stange, aber über ft Drei-

berg.

Decken: b. s.

Die Zürcher Wappenrolle tingirt beide Dreiberge
auf dem Helm und im Schilde g.

Vermehrtes Wappen: Von G. und S. geviert,
nebst gekröntem Mittelschild, das Stammwappen ent-
haltend. I u. IV: Hirschgeweih mit Krone, da-

zwischen ein jTOhr. II u. III: 3 r. rechts gewendete
Bärentatzen übereinander. Angeerbtes Wappen derer
von Stoffeln.

Kleinod: 3 Helme. I Von G. und ^ schräg-

getheilter geschlossener Flug. II Hornstein zum
Stammwappen, dahinter zwei gekreuzte Banner, das
rechte r. an b. Lanze, meist mit g. Flammen besäet
und den g. Buchstaben F. III. (Ferdinand III.) be-
zeichnet , das linke s. an s. Lanze mit r. Kreuz,
Georgiritterfahne. III wachsend eine r. Bärentaze.
(Stoffeln).

D ecken: I g. II b. s. III r. s.

Hagemeck, €4rai‘eiä. (Taf. 8.)

Uradel aus dem Eisass, dessen Stammschloss Ka-
geneck bei Colmar in Ruinen liegt, hat sich auch im
Breisgau ansässig gemacht. Hans begleitete 1414 den
Markgrafen Bernhard von Baden auf das Concil nach
Costnitz. Johann Friedrich, aus der Breisgauer Linie,
erhielt vom Kaiser Leopold I. 1671 den Reichsfreiherrn-
stand und Friedrich Fridolin Freiherr v. K. durch
Kaiser Joseph II. 1771 die Grafenwürde für sich und
sein Haus.

Grundherrliche Besitzungen (18431: Bleichheim,

Amts Kenzingen, sowie Munzingen, Stegen und Unter-
ibenthal, Landamts Freiburg.

Stimmfähige und wählbare Grundherrn sind 1869
die Grafen im Bezirk oberhalb der Murg.

1. Wappen: In R. ein s. Schrägbalken meist

von der rechten nach der linken Seite ziehend.

Kleinod: wachsend, ein r. gekleideter, mit dem
s. Balken belegter, bärtiger Mannesrumpf, der eine
r., s. aufgeschlagene, Zipfelmütze trägt.

Decken: r. s.

Gräfliches Wappen: wie das Stammwappen.

Kleinod: 2 gekrönte Helme: I zum Stamm-

wappen. II 3 Straussfedern, eine s. zwischen 2 r.

Decken: beiderseits r. s.

Schildhalter: 2 geharnischte Ritter mit r.

Feldbinden, auf dem Helm 4 Straussfedern s. r. s. b.
In der freien Hand trägt der Ritter rechts an s. Lanze
eine b. Fahne mit 3 g. Lerchen (2. 1.) belegt, der
Ritter links aber eine g. Fahne mit ££ Doppeladler,
welcher auf der Brust ein b. Schildlein trägt, welches
3 g. Becher (2. 1.) enthält.

Wahlspruch: in valore virtus.

Weitere Wappenvarianten finden sich beim Adel
im Eisass Taf. 14.)

Kettner. (Taf. 8.)

Eine dem Grossherzogthum angehörende Adels-
familie, welche am 25. Oktober 1792 _ von dem Kur-
fürsten Karl Theodor von der Pfalz in den Reichs-
adelstand erhoben wurde. Johann Franz j- 27. Januar
1839 zu Karlsruhe als Landoberjägermeister.
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