Der Simpl: Kunst, Karikatur, Kritik — 2

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TROCKEN, TROCKEN

H JALMAR

DAS TROCKENSTE EJPULVER

DER ÄLLERTRÜCKENSTE SÄUGLING

DER GANZ, UND GAR TROCKENE STIRNHÖHLENKATARRH

Ein Hähnchen, das geschachtelt ist,
Das nennt man Schachtelhälmchen,
Und Hjalmar Schacht? — gespachtelt ist
Man ein gerissenes Schelmchen?

Er schachtelte die Rentenmark,
Der Schöpfer (Schröpfer) schuf sie,
Und Deutschland wurde groß und stark,
Wie dieses auch ersuff sie.

Der Kopf auf dem Chamäleon-Rumpf
Ersann (nicht an der Strippe)
Ein neues Spiel; der „Schein" ist Trumpf,
(Für sich und seine Sippe?)

Von seinem Insel-Rittergut
Bekannt als kühner Segler
Schwimmt sich das edle Ritterblut
Frei als — Finanzenregler?

Und wenn der große Plan dann steigt
Des Währungs-Schatzbeflissenen,
t>ind wir, wie nun Figura zeigt,
In dubio die Beschi.. enen?

Willi Stoltze

SIJU PL-BRIEFKASTEN

Trink, Brüderlein trink . . . Bei der eigenartigen
Trunksucht Ihres neunjährigen Söhnchens kann es
sich nur um eine Art von Atavismus handeln, denn
das derzeit im Handel befindliche Bier enthält keiner-
lei Spuren von Alkohol oder gutem Geschmack. Es
scheint also mehr die dem Vater abgesehene Gebärde
des Maßkrughebens, als der Genuß am Getränk zu
sein, was den durch eine altmünchner Ahnenreihe
belasteten Knaben zu solchem Tun verleitet. Immer-
hin werden Sie gut tun, die in Limburg versammel-
ten Seelsorger, Wissenschaftler und Jugenderziehcr,
die dort zur Erzielung eines „rauschgiftfreien Jugend-
lebens" zusammentraten, um Rat zu bitten.

Ist diese Bezeichnung nicht irreführend? Wir können
wirklich nicht einsehen, warum die anomale Er-
nährungsweise Ihnen die Bezeichnung „Normalver-
braucher" als bitteren Hohn erscheinen läßt! Unsere
Großeltern freilich hätten Menschen, die von solch
abnorm geringen Mengen Nahrungsmitteln zu leben
versucht hätten, als verrückt bezeichnet. Nehmen
Sie es als Beweis unseres humanen Fortschrittes, daß
wir diese Leute für normal halten und es ihnen
sogar durch Aushändigung besonderer Lebensmittel-
karten bestätigen.

Junger Gstunzldichtcr. Sehr verständlich, daß Sie
sich durch die hinreißenden Strophen der „Agnes
Bernauerin" in miUelhochbairischer Mundart ange-
regt fühlen und nunmehr Ihren Schnadahüpfeln auch
diesen klobig-erotisch-urwüchsig-bajuwarischen An-
strich geben wollen. Zu diesem Zweck nehmen Sie
am besten, das berühmte „Bayerische Wörterbuch"
von Schindler und schreiben daraus ab, was unter
möglichst saftigen Ausdrücken und Silben verzeichnet
steht. Sie werden dann sofort ganze Strophen bzw.
Refrains druck- und singfertig vorfinden. Geben Sie
aber acht, daß Sie nicht die gleichen erwischen, die
In der ..Bernauerin" schon verwendet wurden!

Kann dies strafmildernd sein? Wir können Ihnen
nachfühlen, daß es Ihnen schmerzlich ist, auf Ihre
lohnende Tätigkeit als Einbruchsdieb in den Ausweich-
lagern verschiedenster Firmen zu verzichten. Ihr purer
Appetit auf Orangenmarmelade sichert Ihnen jedoch
nicht den strafmildernden Begriff des Mundraubes zu,
besonders da es sich um drei Fässer handelte. Eher
können Sie Ihr Herzleiden und Ihre Kreislaufstörun-
gen, die ständig durch Anregungsmittel behoben wer-
den müssen, als Entschuldigung für Ihren Kaffeedieb-
stahl anführen. Ob Ihnen allerdings das Gericht zur
Behebung Ihres Leidens gleich die von Ihnen mit-
genommenen neun Zentner Bohnenkaffee zugesteht,
erscheint bei der Engherzigkeit unserer Richter als
fraglich.

Wo finde ich sie? Ihre Lage als Theaterdirektor ist
allerdings schwierig: einerseits wirft Ihnen die Kritik
geringe Experimentierfreudigkeit vor, andererseits
überlassen Ihnen die Autoren einfach keines der an-
geblich in Mengen vorhandenen, zeitgemäßen und
unserem Lebensgefühl so ungemein entsprechenden,
teils erzieherisch-tendenziösen, teils erzieherisch-ten-
denzlosen Stücke. Da gibt es nur einen Weg: nehmen
Sie mit Hilfe echter oder der beliebten falschen
Kriminalbeamten Haussuchungen bei Dramatikern und
anderen verkannten Genies vor, brechen Sie die bis
zum Platzen gefüllten Schubladen auf und reißen Sie
mit Gewalt die benötigten Dramen der Zeit an sich.
Geben Sie aber acht und nehmen Sie mehr die oben-
aufliegenden, damit Sie nicht in jene Schicht vor-
dringen, die mehr der Zeit vor 1945 entsprachen und
damals schon unserem Lebensgefühl Ausdruck zu
geben versuchten!

Warum keine Birnen? Typische Frage eines Groß-
städters! Sie haben wohl noch nichts gehört von der
Knappheit an Futtermitteln, oder? Also denken Sie
selber drüber nach und Sie werden rasch darauf
kommen, wo die Birnen geblieben sind, soweit sie
nicht für den eigenen Haushalt gedörrt oder ein-
gekocht wurden. Sie wurden dem Vieh verfüttert, das
in seiner Eigenschaft als Erzeuger von Fett, Fleisch,
Käse usw. wohl mehr beanspruchen darf als Sie und
Ihre Kinder, die lediglich Verbraucher sind!

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Trocken, Trocken ... "
Weitere Titel/Paralleltitel
Der Simpl: Kunst - Karikatur - Kritik
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-11-5 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Bilek, Franziska
Entstehungsdatum
um 1947
Entstehungsdatum (normiert)
1942 - 1952
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Der Simpl, 2.1947, Nr. 18, S. 222. Universitätsbibliothek Heidelberg
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