Der Simpl: Kunst, Karikatur, Kritik — 3.1948

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K. J. Büsch: DER PILZJÄGER :

MANIFEST DER GESUNDHEIT

Der Weltgesundheitsrat, — eine im Getriebe der
Nachkriegszeit bisher zu wenig beachtete Organi-
sation, — ist soeben mit einigen aufsehenerregenden
Forschungsergebnissen an die Oeffentlichkeit ge-
treten. Auf Grund dieser Ergebnisse, die auf der,
diesjährigen Tagung in Lake Sanity, Happyland,
eingehend besprochen wurden, hat der Weltgesund-
heitsrat die Forderung nach Uebertragung von dik-
tatorischen Vollmachten erhoben, die ihn praktisch,
zu einer Art autoritärer Wcltregierung machen
würden. -

Der Rat, in dem u. a. auch Amerikaner und Russen
brüderlich zusammenarbeiten, hat soeben folgendes
Manifest herausgegeben:

I.

,,Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft müssen
Kriege als durchaus gesundheitsschädlich bezeichnet
werden. Ihre Führung verringert die Lebensdauer
der an ihnen Beteiligten, begünstigt die Entstehung
von Seuchen aller Art und schafft Zustände, die
einer modernen Hygiene Hohn sprechen. Erfahrung
lehrt, daß die Sterblichkeitsziffer in kriegführenden
Ländern steigt. Eine besonders verwerfliche Form
des Kampfes ist der Bombenkrieg. Abgesehen von
der- Zumutung an den Flieger, seine Nachtruhe auf-
zuopfern und riskante Luftangriffe auf feindliche
Städte auszuführen, stellt es einen Raubbau an der
Gesundheit dp> Zivilisten in jenen Städten dar, wenn
sie gezwungen werden, mitten in der Nacht aufzu-
stehen und schlecht ventilierte Luftschutzräume auf-
zusuchen. In einer Unzahl von Fällen hat der
Aufenthalt in Kellern nachgewiesenermaßen zu
Rheumatismus, Darmkatarrh und ähnlichen Erkäl-
tungserscheinungen geführt. Selbst bei Bombereien
im Hochsommer wirkt die feuchte, moderige Luft in
den Unterständen nachteilig, ganz zu schweigen von
dem nach solchen Angriffen entstehenden Phosphor-

gestank, dem Aschenregen und dem durch die Zer-
schmetterung von Gebäuden erzeugten, feinen.Ziegel-
staub, der sich oft tagelang in den Atmungsorganen
festsetzt und schwere Reizungen der Schleimhäute
im Gefolge hat.

Im Namen der Gesundheit fordern wir: Kriege, so-
wie jedweder Unfug ähnlicher Art, sind unter allen
Umständen zu unterlassen!"

II.

-„Neben dem eigentlichen Krieg ist als gleichfalls
gesundheitsschädigend der sog. .kalte Krieg' abzu-
lehnen. Diese seit einiger Zeit in erstaunlichem Um-
fange auftretende Unart ruft in weiten Kreisen der
Menschheit nervöse Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und
Unlustgefühle hervor. Der vorübergehende Nerven-
kitzel, den dieser Sport manchem bereiten mag, wird
durch später eintretenden Katzenjammer reichlich
wieder aufgewogen. Die schädlichen Folgen des
Nervenkrieges sind mit den Verwüstungen zu ver-
gleichen, die der Genuß von Reiz- und Rauschgiften
im Körper verursacht.

Im Namen der Gesundheit fordern wir daher: Dem
kalten Krieg die kalte Schulter! Schluß mit jeder Art
von Nervenkrieg!"

III.

,,Der Gesundheit im höchsten Grade abträglich ist
die noch heute in vielen Ländern verbreitete Unsitte
der Unterernährung. Wie viele Funktionsstörungen,
Magenleiden und sonstige chronische Uebel ergeben
sich nicht aus der Angewohnheit, wenig oder gar
nichts zu essen! Unregelmäßiger Stuhlgang stellt sich
ein, wo oben nicht genug hineingeschoben wird,
Darmträgheit tritt auf, wo der Darm keine Arbeit
zu leisten hat. — Hier hat der Weltgesundheitsrat
ein Wort mitzureden!

Im Namen der Gesundheit fordert er: Auskömmliche
und schmackhafte Nahrung für jedes Einzelindi-
viduum unserer Erde, großzügige Bereitstellung von

Gesundheitskuchen für jedermann, Abschaffung jeg-
licher Not!"

>< IV.
„Die tadelnswerte Gepflogenheit mancher Regie-
rungen, einen Großteil der von ihnen regierten Be-
völkerung — zusätzlich zu den unter III aufge-
führten Mißständen — ohne ausreichenden Wohn-
raum und gute Kleidung zu lassen, ist für die
Entstehung und Ausbreitung einer Reihe von Krank-
heiten verantwortlich. Unter Kleidung ist selbstver-
ständlich auch Wäsche, Bettwäsche, Schuhwerk —
kurzum alles zu verstehen, was zu des Leibes
Wohlbefinden und Notdurft gehört. Mangel ist in
jeder Hinsicht ungesund. Ei bewirkt allgemeines
Mattigkeitsgefühl, Lebensüberdruß und Neigung zu
dumpfem Hinbrüten, nicht selten begleitet von Stö-
rungen des Blutkreislaufes und unreinem Teint.
Im Namen der Gesundheit fordern wir: Anständige
Lebensbedingungen für jeden Erdenbürger!"
*

Die obigen vier Grundforderungen stellen lediglich
die Basis dar, auf welcher die Gesundheit der Men-
schen aufgebaut werden wird. Weitere Forschungs-
ergebnisse werden von dem Weltgesundheitsrat der
Oeffentlichkeit übergeben, sobald die diesbezüglichen
Experimente als abgeschlossen gelten können.
Orandum est ut sit mens sana in corpore sano! An
der Forderung nach Gesundheit muß die Welt ge-
nesen! Stimmt ein in den Ruf:

Alle Macht dem Weltgesundheitsrat!
Gegeben zu Lake Sanity, Happyland, den . . . August 1948.

Für den Weltgesundheitsrat:
i. A.:

Dr. William Goodgrub (USA)
Sir Archibald Downwith-Illness, M.P.M.D.
(Großbritannien)
Prof. Anti Streptokowski (UdSSR)
Dr. Bernard de Moreau-Microbes (Frankreich)

Walter F. Kloeck

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Pilzjäger"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Der Simpl: Kunst - Karikatur - Kritik
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-11-5 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Blisch, Kurt Jan
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Der Simpl, 3.1948, Nr. 16, S. 182.
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