Der Simpl: Kunst, Karikatur, Kritik — 3.1948

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DR. SOUNDSOS RUCKTRITT

Durch den Rücktritt ,Dr. Soundsos verliert die
„Weltliga zur Förderung des Unwesentlichen",
selbständige Sektion Süddeutschland, einen ihrer
hervorragendsten Hanswursten. Die Nachricht
wurde bei allen Freunden von Unwesentlichkeiten
mit Bestürzung aufgenommen, denn die Reihen der
alten Hanswursten großen Formats beginnen sich
in unseren Tagen bedenklich zu lichten.
Selten hat es einer wie Dr. Soundso verstanden,
den Sinn für das Nebensächliche, dabei aber Er-
habene und Schöne zu wecken, die aufregenden
Monate nach dem Einmarsch der Amerikaner
durch Schmus zu überbrücken und die erhitzten
Gemüter zu besänftigen, so daß alles zunächst in
einer liberalen, später konservativen Reaktion ver-
sanden konnte. Erst der nächsten Generation wird
es vorbehalten bleiben, voll und ganz zu er-
messen, was das internationale Hanswurstentum
Dr. Soundso zu verdanken hat. Wenn sich der
nunmehr Soundsovieljährige aus Gesundheitsrück-
sichten vom politischen Leben zurückzieht, so be-
deutet dies keineswegs, daß er sein Lebenswerk
als vollendet ansieht. Auch von seinem stillen
Landsitz bei Soundso, wo er sich ganz der Sich-
tung und Auswertung seiner gesammelten Erfah-
rungen zu widmen beabsichtigt, wird seine Stimme
das Weltgewissen erreichen.

Dr*- Soundso wurde im Jahre soundsoviel als

K. Strauß

jüngster Sohn des Ministerialrates Soundso zu
Irgendwo geboren. Frühzeitig schon regte sich in
dem überdurchschriittlich Begabten der Drang nach
Selbstverständlichkeiten. Begeistert (ur alles Wich-
tigtuerische, Landläufige und Althergebrachte be-
schloß er in vorgerücktem Jünglingsalter sein
Leben dem Kampfe für die Binsenwahrheit zu
weihen. Nach erfolgreich bestandenem Abitur
studierte er an der Universität Weißnichtwo Jura
und Germanistik, promovierte neunzehnhundert-
soundsoviel zum Doktor der Rechten und ließ sich
als Anwalt in Posenhofen v. d. Spiegel (Obb.)
nieder. Seine Freizeit verwandte er zu ausge-
dehnten Forschungen auf dem Gebiete des
Schmarrns und des Gesabberes, in welchen Stu-
dien ihm G. Wasch und O. Faselhengst als Vor-
bilder richtungweisend waren. Aus jener frucht-
baren Periode intensivsten Schaffens stammen
seine beiden meistgelesenen Werke, „Der Klügere
gibt nach" (Wteimar, 1928) und „Ueber die Linie
des geringsten Widerstandes" — ein Beitrag zur
Taktik der Toleranz gegenüber der Intoleranz
(Kommissionsverlag Mildling b. München, 1932) —
zwei Bücher, die das internationale Kasperltheater
aufhorchen ließen.

Unter Hitler zum Schweigen verurteilt, wählte
er 1935 den Weg in die innere Emigration, übte
jedoch seinen Anwaltsberuf weiterhin aus, um

heimliche Verbindungen mit der Schweiz nicht
aufgeben zu müssen. Selbst in den Tagen des
schlimmsten Terrors sah man nie anderen als
Schweizerkäse auf seinem Tisch. Im Sommer 1944
stand er kalendermäßig dem 20. Juli nahe und als
1945 das Reich, in dem es nichts Mildes gab, zu-
sammenbrach, fing er sofort wieder in altem Wei-
marer Geist zu mildein an. Als einer der ersten
von der Spruchkammer München-Bruch entlastet,
kam" in der Urteilsbegründung zum Ausdruck, daß
er nicht nur nicht als Nazi, sondern darüber hin-
aus als Obermildler anzusprechen sei, „als schlich-
ter, überzeugter Hosenscheißer, der niemals die
Rechte anderer mit Füßen getreten habe, sondern
stets dafür eingetreten sei — und noch eintrete, —
daß 6ich das Viilk von den jeweils Obenstehenden
weidlich auf dem Kopf herumtrampeln lasse".
Schnell war die Verbindung mit ausländischen
Hanswursten wieder aufgenommen, and so sehen
wir Dr. Soundso bereits 1946 an der Spitze der
Sektion Süddeutschland der „Weltliga zur Förde-
rung des Unwesentlichen", deren völkerumfassen-
des Ziel bekanntlich darin besteht, die Menschheit
von der gefährlichen Hauptsache abzulenken und
durch Teillosungen auf nebensächlichen Gebieten
die Illusion hervorzurufen, als ob sich im Prinzip
etwas geändert habe. Sein^, Erfolge, die namentlich
auch in Regierungskreisen höchste Anerkennung
finden, sind hinlänglich bekannt und fühlbar, so
daß wir uns an dieser Stelle Einzelheiten zu er-
wähnen versagen zu dürfen glauben. Ueberall
steht heute die achtunggebietende Gestalt des
alten Hanswursten in gutem Klang.
Dr. Soundsos" Nachfolger, der erst soundsoviel
Jahre zählende Käfersammler Dr. Null, ist aus den
Reihen der „Wiesenfreunde" hervorgegangen und
gilt allgemein als befähigter, kühneren Gedanken
abholder Kopf. Er repräsentiert den fortschritt-
lichen Flügel der konservativen Gruppe innerhalb
der Bewegung und ist durch und durch Hanswurst.
Dem jungen Nachwuchs angehörend, verkörpert
er in seiner Person den Typ des vielversprechen-
den Politikers, von dernDr. Soundso iuf der dies-
jährigen Tagung zu Groß-Schmarrndorf a. Leim er-
klärte: „Die Jugend von heute, — das sind unsere
Hanswursten von morgen!"

Möge es dem jungen Bundesvorstand beschied§n
sein, die Hoffnungen unzähliger Hanswursten
unter uns wenigstens teilweise zu realisieren, auf
daß es in absehbarer Zeit wieder so werde, wje's
i ehedem war, und auch wir anderen, über die Be-
wegung hinaus, freudig von unserem Vaterlande
sagen können:

„Hief bin ich teilweise Mensch,

Hier darf ich's unter gewissen Voraussetzungen

sein. . ." Walter F. Kloeck

Notbehelf

Ein Satiricus hat, kritisch vollgesogen,
sich selbst glossiert und abgewogen.
Bissig stieg er in den eigenen Sumpf.
■Gift und Galle spuckte aus dem Rumpf,
der vermittels spitzem Intellekt,
bislang zwar geätzt hat, aber nichts bezweckt.

Alle seine fixen Diagnosen
kitzelten den Bauch des Schiefen.
Doch die Qualität der angewandten Dosen,
lockte keinen Hund zum Positiven.

Hämmer aus Holz und ein Megaphon
fehlten in seinem Magazin.
Auch das Korn Pulver im Ton,
krachte nicht sehr maskulin.

Man fängt mit Esprit keine Mäuse,
aber Menschen von heute mit Speck.
Nur schwerstes Kaliber trifft ins Gehäuse,
denn es klafft ein riesiges Leck . . .

Versagte Scherz und leise Ironie?
Ei — so knallt mit dem Effekt! '
Freund Satiricus verrät le dernier cri,
mit dem man diese Zeit erschreckt:

ALLIIERTE VARIATIONEN ÜBER „DAS LIED DER TAUBE"

Man bojce, fechte, praktiziere
die rein pragmatische Satire!

—bold

]94

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Alliierte Variationen über 'das Lied der Taube' "
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Der Simpl: Kunst - Karikatur - Kritik
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-11-5 Folio RES

Objektbeschreibung

Kommentar
Signatur: K. Strauß

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Der Simpl, 3.1948, Nr. 17, S. 194.
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