Spranger, Peter P.
Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz — Wiesbaden: Steiner [in Komm.], [1961]

Seite: 604
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/spranger1960/0060
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
III. Die Sklaverei als geschichtliche Wirklichkeit
im Spiegel der Komödie

Es gehört zum Wesen des Lustspiels, daß das komische Element als
verbindendes Glied zwischen der Welt des Realen und des Irrealen in
mannigfacher Weise in Erscheinung treten kann. Einmal werden, wie
sich aus den vorigen Beispielen ergab, auffallende Beobachtungen aus dem
Bereich des täglichen Lebens absichtlich so stark ins Unwahrscheinliche
und Lächerliche verzerrt, daß sie sich in ihrer neuen Gestalt leicht als
dichterische Erfindung herausstellen lassen. Ein anderes Mittel der Komik,
dessen sich mit A'orliebe die Satire bedient, ist die getreue Wiedergabe
lächerlich wirkender Einzelzüge, ein Sonderfall also, wo sich dichterische
und historische Realität decken1. Daneben aber kennt die Komödie noch
einen anderen ausgedehnten Bereich, wo Wirklichkeit und dichterische
Erfindung ineinander übergreifen. Schon in der Terminologie der helleni-
stischen Ästhetik wird die Komödie als βιωτική μίμησις verstanden2, und
dies bedeutet zugleich, daß sie noch mehr als die Tragödie im täglichen
Leben verwurzelt sein muß. Diese Wurzeln aber reichen nicht nur in den
Bereich der bewußten Nachahmung, sondern auch in die Schichten des
Unbewußten, die gleichsam den unentbehrlichen Nährboden bilden für
die kunstvoll gezüchteten Blüten der dichterischen Phantasie. Diese
tieferen Schichten gilt es im folgenden zu erfassen. Ganz klar hat
V. Ehrenberg die Aufgabe des Historikers vorgezeichnet: “One essen-
tial point, frequently overlooked, is that the Situation on the stage,
which is naturally part of the plot, must not be used as evidence for

1 Vgl. Μ. Puelma Piwonka, Lucilius und Kallimachos, Frankfurt a. Μ. 1949,
S. 69f. 333ff. u. ö.
- Vgl. Aristot. Poet. 1451b συστήσαντες γάρ τον μύθον δΑ των είκότων ουτω τα
τυχόντα ονόματα ύποτιθέασιν. . . ; in Anlehnung an hellenistische Vorbilder die
Definition Ciceros (Donat. de comoed. 5,1): comoediam esse imitationem vitae,
speculum consuetudinis, imaginem veritatis; vgl. F. Weheli, a. O. S. 12ff.;
Μ. Puelma Piwonka, a.O. S. 60f.

( 52 )
loading ...