Spranger, Peter P.
Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz — Wiesbaden: Steiner [in Komm.], [1961]

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Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz 605
historical facts. It is the Situation behind the plot which counts, the
conditions of life against which the events and characters of the stage
stand out1.“
Um jedoch den historischen und soziologischen Hintergrund mit Sicher-
heit erfassen zu können, ist eine möglichst breite Quellenbasis erforderlich,
d. h. ein ausgedehntes Vergleichungsmaterial gleichzeitiger und sachlich
entsprechender Zeugnisse aus dem griechischen und römischen Bereich.
Nachweisbar gesicherte Ergebnisse lassen sich, streng genommen, nur
dort vorlegen, wo sich die Aussagen der Komödie mit denen anderer
Quellengattungen decken. Die konsequente Durchführung dieses metho-
dischen Prinzips wäre freilich gleichbedeutend mit der Patentlösung des
Juristen: quod non est in actis, non est in mundo. Für die historische
Forschung bedeutet diese Beschränkung eine ungerechtfertigte Verengung
des Gesichtsfeldes, zumal der dünne Quellen bestand aus der römischen
Welt des 2. Jhdts. — von der trümmerhaften Überlieferung der griechi-
schen Komödie und der altlateinischen Dichtung ganz zu schweigen —
keinerlei Gewähr dafür bietet, die geschichtliche Wirklichkeit mit dem
Maß von Deutlichkeit zu erfassen, das uns berechtigen könnte, alle
Beobachtungen, die über zufällig Bekanntes hinausgehen, in den Bereich
der Fabel zu verweisen. So wird man mit guten Gründen auch bei den
Bestandteilen, die sich offensichtlich von komischen Verzerrungen und
der bekannten Typik des Lustspiels fernhalten, den möglichen Bezug zum
wirklichen Leben immer in Erwägung ziehen. Dabei halten wir alle Fragen
offen, die sich mit den Mitteln einer exakten Beweisführung nicht mit
Sicherheit beantworten lassen. Man sollte indes nicht übersehen, daß
die Frage nach der Realität der Bühnensklaven eine umfassendere Be-
handlung verlangt als sie auf Grund einer bloßen Realiensammlung gege-
ben werden kann, denn der Begriff Realität erschöpft sich nicht in der
Aufzählung der Realien, sondern meint auch die menschliche Wirklich-
keit, die sich hinter der Komödie verbirgt.
Um auf möglichst breiter Grundlage die Frage nach der geschicht-
lichen Wirklichkeit beantworten und diese wiederum dem fremden und
dem heimischen Milieu zuordnen zu können, muß das Problem der
Originalität zunächst an einigen Einzelzügen der Theatersphäre geklärt
werden. Auch hier sind griechische und römische Elemente in bunter
Vielfalt vertreten.

1 a.O. S. 39.

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