Spranger, Peter P.
Historische Untersuchungen zu den Sklavenfiguren des Plautus und Terenz — Wiesbaden: Steiner [in Komm.], [1961]

Seite: 642
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IV. Die Sklaverei in der Sicht des Plautus und Terenz
A
In der modernen Forschung wird von mehreren-Seiten die Auffassung
vertreten, Plautus und Terenz unterschieden sich in grundsätzlicher Weise
voneinander in ihrer Stellungnahme zum Sklaven und zur Sklaverei.
P. S. Dunkin, der als erster diese These in einer umfangreichen Studie
zu begründen suchte, sieht in den plautinischen Sklaven eine einzige
große Schurkengalerie von gemeinem Volk, das durch wirtschaftliche
Notlage zur Selbsthilfe, d. h. zum Unrechttun getrieben werde. Der
Sklave des Plautus spiele die Rolle des ,wichtigen armen Mannesc und
verkörpere den instinktiven Widerspruch eines mittellosen Dichters gegen-
über dem drückenden kapitalistischen System seiner Zeit1. Demgegen-
über habe Terenz den Stützen der herrschenden Gesellschaft bereitwillig
ein sacrificium intellectus dargebracht, indem er den reichen Mann
zum Helden seiner Komödien erhoben und Stücke geschrieben habe, die
man am besten kennzeichne als ’philosophical studies of the gentleman
of property trying to maintain his Convention2.’ Auch in der Sicht
anderer moderner Forscher (J. N. Korzinskij, 0. Jurewicz)3 er-
scheint Plautus in ähnlicher Weise als der unabhängige, ehrlich denkende
und redende Vertreter des einfachen Volkes, Terenz dagegen als das will-
fährige Sprachrohr einer korrupten, machtbesessenen Adelsclique.
Diese tiefen weltanschaulichen Gegensätze der beiden Dichter sollen
vor allem ihre verschiedenen Lebensschicksale erklären. Die wichtigste
Quelle für Plautus bildet Gell. noct. Att. 3,3,14. Plautus, so wird hier
berichtet4, habe durch Arbeiten bei der Bühne Geld erworben, seine
1 a.O. S. 102ff. S. 140: ‘Plautus voices the Poor Man’s complaint against ruthless
exploitation.’ Vgl. auch ebda. S. 79: ‘Perhaps with the tricky Slave, who. friendless
and penniless, faces unflinchingly the persecutions of real life, Plautus feit more at
home.’ 2 a.O. S. lOöff.; das Zitat S. 137. 3 Vgl. oben S. 12ff.
4 Saturionem et Addictum et tertiam quandam, cuius nunc mihi nomen non
subpetit, in pistrino eum scripsisse, Varro et plerique alii memoriae tradiderunt.
cum pecunia omni, quam in operis artificum scenicorum pepererat, in mercatibus
perdita inops Romain redisset et ob quaerendum victum ad circumagendas molas,
quae trusatiles vocantur, operam pistori locasset.

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