Stackelberg, Otto Magnus von
Der Apollotempel zu Bassae in Arcadien und die daselbst ausgegrabenen Bildwerke — Rom, 1826

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ZWEYTE ABTHEILUNG.

DIE BILDWERKE.

Erster Abschnitt.

Die Reliefs des Ionischen Frieses.

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Wie nun alle Einzelheiten der Architektur des Tempels, in. so fern sie als Werke des
Architekts zu hetrachten sind, durch Einfachheit, Grofsheit, Mannigfaltigkeit und Originalität sich
auszeichnen, so enthalten die damit verbundenen Schildereyen des Bildners, der gänzlich in die
Ansichten des Architekts einzugehen, seine Werke ihm anzueignen, ihm unterzuordnen wufste,
dieselben charakteristischen Vorzüge, und stehen daher in vollkommenster Uebereinstimmung mit
dem Ganzen. Diese Gebilde aus einem anderen Reiche der Kunst, gewähren wiederum ein eigenes,
neues Interesse. Der Quelle.gleich, die durch den Hufschlag des Pegasus aus starrem Felsen entsprang,
überraschet hier, durch den Meisel hergezaubert, ein Ergufs wechselnder Bildungen. Sie schmücken
ebenso die starren Massen der Architektur mit den Erscheinungen des regsamen Lebens, der Be-
wegung, ohne welche auch die Natur uns nicht befriedigt. Diese Bestimmung der Friese zeigt schon
die ihnen eigene Griechische Benennung £apöooi (Thierträger, oder Träger des Lebendigen). Zugleich
dienen solche Bildungen besser, als die todten Buchstaben der Inschriften es vermögen, Sinn und
Bedeutung des Gebäudes auszusprechen.

Einen gleichen Zweck erkennen wir auch in den mythischen Darstellungen, die der innere
Ionische Fries der Cella enthält, die wichtigste Ausbeute der Grabungen und der Hauptgegens'tand
dieser Rupfersammlung. Sie sind auf iZ Marmorplatten, die sich in ununterbrochener Reihe zusam-
menfügen lassen , in hohem Relief ausgearbeitet, und so liefern sie die in ihrer Art einzige Tempel-
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