Stackelberg, Otto Magnus von
Der Apollotempel zu Bassae in Arcadien und die daselbst ausgegrabenen Bildwerke — Rom, 1826

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Zweyter Abschnitt.

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Die Sculpturfragmente der Dorischen Friese und der Tempelstatue.

lAachdem die Bruchsliicke des Ionischen Frieses bis auf die kleinsten, alle ihren Platz wieder
erhalten hatten, blieben, aufser wenigen Stücken von dem Colossalbilde ApobVs, noch viele übrig,
die zu Reliefs von gröfserem Maafsstabe gehörten. Diese Reliefs bildeten die Zierde der Metopen in
Dorischen Friesen über den Eingängen am Vor- und Hinterhause des Tempels. Ihre schreckliche
Zerstörung, welche die Versuche einer Zusammenstellung fruchtlos machte, ist um so mehr zu
bedauern, da man in allen Bruchstücken den Meifsel des vorzüglichen Bildners erkennt, der den
schönsten und gröfsten Theil des Ionischen Frieses ausgearbeitet, und da der Künstler, vielleicht
wegen der beträchtlicheren Gröfse und Absonderung eines jeden Reliefs, wegen der geringen Anzahl
und Vereinzelung der Gruppen, noch gröfserc Sorgfalt auf die Ausführung verwandt hatte. An jeder
Fronte fanden zwischen den Triglyphen nur sechs Metopen Platz, und demnach standen hier im
Ganzen zwölf Relieftafcln. Gleiche Anzahl und Vertheihmg von Bildwerken, welche in Gruppen die
zwölf Thaten des Hercules vorstellten, erwähnt Pausanias am Vor - und Hinterhause des Jupitertem-
pels zu Olympia und dem Verhältnifs nach mufsten sie auch ebenso angebracht seyn. Jede Metope
hatte beynahe die Form eines gleichseitigen Vierecks, nämlich in der Höhe 2 F. 7^/ Z., und in der
Breite Vs Z. weniger. Aus den Fragmenten erhellt noch, dafs jede Metope eine Gruppe von zwey Figu-
ren in hohem Belief enthielt. Obgleich sie an einem bedeckten Orte angebracht waren, wo das
Hochrelief nicht ganz seine Wirkung haben konnte, so mufste es dennoch in dem vorkommenden
Falle angewandt werden, weil die Metopen zwischen Triglyphen vertieft liegend, zur Ausfüllung ein
gleichmäfsig starkes Vorragen des Beliefs nöthwendig machten. An dem oberen Rande der Metopen
befindet sich eine Leiste, über welche die Köpfe der Figuren etwas vorstehen, ebenso wie beym Friese
in der Vor- und Hinter-Halle des Theseustempels.

Die interessantesten und ansehnlichsten Stücke zeigt die Kupfertafel T. XXX., die übrigen,
welche nur einzelne Theile von Figuren enthalten, schienen zu unbedeutend, weil überhaupt keine
aneinander passende Fragmente sich vorfanden. Nach untrüglichen Merkmalen sind die abgebildeten
Stücke von drey oder vier verschiedenen Metopen, und sie gehören in die Reihe derer, die über dem
Pronaos standen.

Ihr Gegenstand läfst sich zum Theil noch errathen; er deutet die Vereinigung der Bacchischen
und Apollinischen Religionen an, zwischen denen in frühesten Zeiten ein Sektenstreit obgewaltet,
worauf die Zusammenschmelzung der Priesterlehren zur Läuterung des rohen wilden und sinnlichen
Bacchusdienstes geführt hatte. Die Mysterien desDionysus lehrten ihn selbst als die Sonne kennen; er


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