Steffen, ... [Editor]; Lolling, Habbo G. [Editor]
Karten von Mykenai (nebst einem Anhange Über die Kontoporeia und das mykenisch-korinthische Bergland) (Text): Erläuternder Text mit Übersichtskarte von Argolis — Berlin, 1884

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gedient haben, welcher westlich der Kapelle Hagia-Kyriaki*) zwischen Unter-Phichtia und dem Derve-
naki-Bache liegt. Die Trümmer dieses quadratischen Thurmes zeigen wie die anderen ähnlichen Anlagen,
von denen in der Folge die Rede sein wird, grofse polygonale Blöcke von dem Material und der An-
ordnung wie die polygonalen Theile der Südwestmauer der Akropolis.

Etwa 800 Meter nordwestlich dieses Pyrgos befinden sich die Reste einer kleinen antiken Wege-
befestigung. An einen polygonalen Doppelpyrgos schloss sich südlich ein ummauerter Hof. Der Haupt-
eingang führte von Norden an der Ostseite des Pyrgos vorüber, ein zweiter auf der südlichen Linie zur
Linken des rechteckig-en Vorsprunges. Bei beiden Eingängen war also die rechte unbeschildete Seite
des Angreifers fiankirt. Die Anlage diente vermuthlich zur Beherrschung der Strafse Argos-Phlius,
welche an dieser Stelle vorübergeführt haben muss, um bald darauf in das Bergland einzutreten.

Noch ein dritter polygonaler Befestigungsthurm, dessen Trümmer sich ca. 460 Meter südlich von
hier befinden, scheint in einem ähnlichen Zusammenhange mit einem von Südwesten in die Hauptstrafse
einmündenden Verbindungswege gestanden zu haben.

2. Der Pyrgos zwischen Aeto-Vuno und Aetolithi.

Das Bergsystem des Aetolithi („Adlersteines") scheidet die nach den Thälern von Phlius und
Kleonai (Nemea) führenden Strafsen von einander. Annähernd in der Mitte zwischen diesen beiden
Wegen in der Schlucht zwischen dem Aeto-Vuno („Adlerberge") und dem Aetolithi befindet sich ein
noch vortrefflich erhaltener Pyrgos, aus mächtigen polygonalen Blöcken, gegenwärtig nach dem Bache
Milioti, unweit dessen er liegt, benannt. Drei Steinvorsprünge an den oberen Wandungen des Thurmes
lassen Wasserabflüsse erkennen; vermuthlich trug der viertheilige innere Raum eine Decke von Holz,
welche zugleich als Fufsboden für den oberen offenen Raum diente, über dessen Brüstung hinweg die
Besatzung ihre Fernwaffe gebrauchen konnte. In der Nähe des Pyrgos befindet sich ein antiker
Tränkstein. —

3. Die provisorische Befestigungsanlage auf dem Aetolithi.

Da alle diese kleineren Befestigungsanlagen nur eine schwache Besatzung aufnehmen konnten,
so bedurften sie in Zeiten des Krieges eines nahegelegenen Mittelpunktes, von dem aus ihnen schnelle
Unterstützung gewährt, resp. von dem aus offensive Aufgaben in gröfserem Umfange gelöst werden
konnten. Diese Aufgabe scheint die Befestigungsanlage gehabt zu haben, welche auf der Ostkuppe des
Aetolithi, also zwischen dem Milioti-Pyrgos und der Gruppe bei Phichtia lag. Die Mauer ist auf der
Westseite noch genau nachweisbar, auf der Ostseite ist sie verschwunden. Am Nordende war durch
drei Felskegel ein natürliches Thor gebildet. Der umschlossene Raum (ca. 340 Meter lang und ca.
60 Meter breit) war grofs genug, eine Besatzung von ca. 3—400 Mann aufzunehmen. Da Häuserreste
hier nicht vorgefunden wurden, auch die Mauer aus wesentlich kleineren unbehauenen Steinen besteht
und wesentlich schwächer profilirt ist als die übrigen kyklopischen Bauten, so scheint diese Anlage einen
mehr provisorischen Charakter gehabt zu haben.

Zusammenhang der westlichen Gruppe mit der Hauptposition.

Es sind also auf dem besprochenen Räume zusammen fünf Befestigungsanlagen vorhanden ge-
wesen, durch welche das Strafsennetz im nordwestlichen Theile der argei'schen Ebene beherrscht wurde.
Ob man dieselben nun betrachtet als Offensivbefestigungen, welche das Debouchiren von Streitkräften
aus dem Treton-Gebirge in die Inachos-Ebene von Phlius, Nemea oder Kleonai her decken, oder aber
als Anlagen, welche die Machtsphäre von Mykenai auch auf die entlegeneren Strafsen ausdehnen sollten,
auf denen die Argeier die Position von Mykenai umgehen konnten, — sie sind nur im Zusammenhange
mit dieser letzteren verständlich. Wollten die Argeier sich ihren Weg in das Gebirge durch solche

*) In dieser Kapelle ist die in den Mitth. d. deutschen arch. Instit. VIII S. 141 fg. publicirtc Inschrift gefunden.
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