Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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(M)öJ)img eures eigenen menfetjlidjen ©ebaits geroirft bat. $reilid)
Ijat ftcfj's oft genug gezeigt, baj; and) ein <£jurtb§fott ober
fd)limmer ein £)ummfopf Äünftler fein fann, aber ber größere
^ünftler mar immer and) ber größere 9Jlenfc£). *3)as braucht
jebod) nidjt weiter $u flimmern, «mmal fid) über bas @t£)os
bes fünftterifcf)en £lmns mandjes jagen liefje, roas nid)t f)iert)er
gehört. 2Ilfo: bie SJlenfcfyen menfd)lid)er §u machen unb
mef)r ©lücf ins Seben §u bringen, fomeit beibes überhaupt
mög(id) ift unb möglidjer als bisher ift es entfd)ieben - bas
ift bie Sacfje ber oorrjanbenen ftunftroerfe, Sadje nid)t nur ber
fd)öpferifd)en, jonbern aud) ber nad)fd)affenben töünftter. „die
menfd)lid)e sJcatur erträgt es md)t, ununterbrocben unb eroig auf
ber Softer ber ©efd)äfte ju liegen, bie tHetge ber Sinne fterben
mit ifyrer Q3efriebigung. der Sftenfd), überlaben uon tierijd)em
($enuf3, ber langen Stnftrengung mübe, uom eroigen triebe nad)
dfjätigf'eit gequält, bürftet nad) beff eren, auserlefeneren Vergnügungen,
ober ftürgt jügellos in roilbe 3erftreuungen, bie feinen Einfall
befd)teunigen unb bie 9iufje ber ©efeUfdjaft ^erftören. 23acd)antifd)e
$reuben, nerberblid)es Spiel, taujenb Öxafereien, bie ber sDlüf3ig-
gang ausberft, finb unuermeiblid), roenn ber (Sefet^geber biefen
|)ang bes SSolfes nictjt ju lenfen roetfj. der 9)?ann oon @efd)äften
ift in ©efarjr, ein ^eben, bas er bem Staat fo großmütig l)in-
opferte, mit bem unfeligen Spleen abjubüjien — ber (Belehrte
§um bumpfen gebauten fjerabjuftnfen — ber ?ßöbet §utn
SGBie £)ier ber gro^e Scl)roabe an ben ©efe^geber appelliert, fo ift
es in ber dfjat eine ernfte unb bes s3iad)benf'ens roerte Stngelegero
t)eit, ben eblen ©enuf? unb bie ilnterrjaltung burd) bie Stm}t an
ben 9Jlann — unb -yoar gerabe an ben fleinen 2)cann §u bringen.
2)tit jenen SÖßorten Schillers im s5erou^tfein traten Sozialpolitik,
^rjilantrjropen, s^äbagogen für bie nolfstümlidje &unftpropaganba
ein. die Sogialpolitifer: bie ftunft als Mittel §ur Stusnütmng
ber freien ßeit, pr ©rtjattung unb Steigerung pjecfmäjng aus-
gerügter 2trbeitsf'raft; bie ^bilantrjropen: bie ©eiftesgüter ber
•Jtation füllen allen SSolf'sgenoffen offenstehen, bie 9)cenfd)enroürbe
bebeutet Slnrecfjt auf Äunft; bie ^Mbagogen: bie Shmft als Glittet
jur ©rjiebung, ein ©egengeroicfjt gegen einfeitige SSerftanbesbilbung,
bie ü\m]t als Sd)ärferin ber Sinne, diejenigen aber, bie bie
$unft non sJted)ts roegen am allermeiften anging, blieben im
^intergrunb: bie Mnftler, bie ^unftfreunbe, bie Steftbetif'er. die
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