Thieme, Paul
Bhāṣya zu vārttika 5 zu Pāṇini 1.1.9 und seine einheimischen Erklärer: ein Beitrag zur Geschichte und Würdigung der indischen grammatischen Scholastik — Berlin, 1935

Seite: 195
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Bhasya zu varttika 5 zu Panini 1. 1. 9 und seine einheimischen Erklärer. 195
*ll ein, die dann als ‘nächstbenachbarte’ ‘plutierte’ Yokale richtig
nach 8. 2. 86 substituiert werden.
4. Die Siddhänt'akaumud!1).
In der äußeren Anlage seiner Werke zeigt der Diksita wenig
Erfindungsgabe: Der Sabdakaustubha ist im Grunde nichts als ein
‘Haradatta rediyivus’. Und auch die Siddhäntakaumudi ist nach
einem bekannten Muster gearbeitet, sie folgt in Plan und Dar-
stellung engstens der Prakriyäkaumudi2) Kämacandra’s (15. Jahrh.).
Wie Kämacandra lehrt Bhattoji Diksita alle drei värtt. (yärtt.
5 zu 1. 1. 9 und värtt. 1, 2 zu 6. 1. 101) in der Siddh. Kaum., setzt
also die im Sabdakaustubha festgestellte Lehrmeinung, die die
theoretisch beste Möglichkeit darstellt, nicht in die Praxis um.
Sonst müßte er *r und *1 in den SS. lehren und die beiden värtt.
zu 6. 1. 101 streichen.
Värtt. 5 zu 1. 1. 9 erscheint (Siddh. Kaum. p. 8) in der For-
mulierung: rlvarnayor mithah sävarnyavi väcyam, die der Prakr.
Kaum. (p. 26) entlehnt ist.
Zu diesem Wortlaut — ‘väcyam ist nicht mitzurechnen —, ist
zunächst zu bemerken, daß mithah ‘gegenseitig’ hinzugefügt ist.
Kaiy.’s, im Sabdakaust. gebilligte, Ansicht3), daß mithah sich aus
der Interpretation ergebe, ist also nicht angenommen. Die Hinzufü-
gung schafft natürlich unmittelbarere Klarheit. Da sie jedoch das
värtt. ‘schwerer’ macht, ist in anderer Beziehung abgekürzt worden.
Statt savarnavidhih (ß1^ Moren) heißt es: sävarnyam (7 Moren), und
statt rkäralkärayoh : rlvarnayoh, wobei durch Auslassung des ersten
-kärct 4 Moren, und durch Ersetzung von kärayoh durch varnayoh
eine halbe Mora, gespart sind.
In der Praudhamanoramä4), die er selbst eine ‘vyäkhyä’ der
Siddh. Kaum, nennt (Einleitungsvers), die jedoch in Wahrheit le-

1) Zitiert nach der Ausgabe von Pandit Sivadatta Sästri, Bombay 1926.
2) Ed. K. P. Trivedi, Bombay 1925. — Ich schulde es dem gelehrten und
sorgfältigen Herausgeber zu betonen, daß diese Ausgabe in dem oben (S. 185
Anm. 1) geäußerten Urteil nicht inbegriffen ist. Sie wird allen wissenschaftlichen
Ansprüchen gerecht
3) Kaiy. zu Pat. rkäralkärayoh savarnasamjnä vidheyä: atra cänayor eva
srutatvän mithah savarnasamjnä vijnäyate, na tv etayor anyena saheti bodhyam
„Da in diesem värtt. eben nur r und l gehört werden, wird erkannt, daß der
Name ‘gleichlautig’ gegenseitig gilt; nicht jedoch hat man zu verstehen: [der
Name ‘gleichlautig’] für diese zwei und einen andern [Laut].“
4) Zitiert nach der Ausgabe von Pandit Räma Sästri Mänavalli, Benares
1885.

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