Thieme, Paul [VerfasserIn]
Der Fremdling im Ṛgveda: eine Studie über die Bedeutung der Worte ari, arya, aryaman und ārya — Leipzig, 1938

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B. är(i)ya, ärya und ar(i)ya. § 87

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(Neisser) zu Worte kommt, sondern die des ,,gastlichen“.
Denn unser Wort lebt fort in der Negativbildung kadarya.
kadarya heißt „ungastlich, nicht freigebig“. In Chänd. Up.
5. 11. 5 wird der kadarya zwischen dem Dieb (stena) und dem
Branntweintrinker (madyapa) genannt, woraus hervorgeht,
daß es sich um mehr als „geizig“ schlechthin handelt. M. Bh.
3. 194. 6 heißt es:
jayet kadaryam dänena
satyenänrtavädinam
ksamayä krürakarmänam
asädhum sadhunä jayet
„Man soll überwinden den nicht freigebigen durch Geben;
den Lügner durch Wahrheit; den Grausamen durch Geduld;
den Bösen durch Gutes.“ Auch hier ist es offenbar, daß der
kadarya — auf eine Stufe gestellt mit dem Lügner usw. —-
unfrommen Geizes sich schuldig macht1). Der Zusammen-
hang zwischen Gastlichkeit und Freigebigkeit ist schon oben
(16h.) deutlich geworden; der aryä als Geschenke gebend im
besonderen ist uns begegnet in RV. 8. 51. 9; 8. 19. 36; 5. 33. 9
(oben 81). Das Gegenteil von kad.arya ist rigv. sädhvarya,
oben 83.

B. dr(i)ya, drya und ar(i)ya
87 Von rigvedisch aryä, dem es die Bedeutungen: „an-
hänglich, treu, ergeben, heb“ und „zugetan, gütig“ zuer-
kennt, trennt das PW. das erst nachrigvedisch belegte ärya,
da dieses als gleichbedeutend mit ärya „Arier, Mann der
berechtigten Nation, Mitglied der Kasten“ anzusehen sei
„nach der gangbaren Entgegensetzung von ärya und südra,
z.B. AV. 4. 20. 4, 19. 62. 1“, die sich auch in der Form o.rya—
südra antreffen läßt. Die Begründung hat eine merkwürdige,
tückisch verborgene Schwäche, auf die einmal deutlich hin-
gewiesen werden muß: es gibt überhaupt nur eine Stelle in
der älteren vedischen Literatur, an der ärya und südra un-

d kadarya kann geradezu „unmenschlich“ heißen: Ram. 2. 43. 17.
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