Cranach, Lucas ; Cranach, Lucas ; Thulin, Oskar [Hrsg.]
Cranach-Altäre der Reformation — Berlin, 1955

Seite: 149
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/thulin1955/0165
Lizenz: Wahrnehmung der Rechte durch die VG WORT (VGG § 51, 52) Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
CRANACH UND LUTHER

IE Verbundenheit des Künstlers mit dem Reformator zeigt sich einerseits
auf der persönlichen Ebene einer engen Freundschaft, andererseits auf dem
sachlichen Gebiet künstlerischer Zusammenarbeit. — Die feste Freund-
schaft hat ungebrochen bis zu Luthers Tod bestanden. Wann sie begann,
können wir nicht sagen; aber im Jahre 1520, in dem die ersten Bilddoku-
mente und schriftlichen Quellen einsetzen, erscheint sie schon so vollendet,
daß wir auf einen längere Jahre zurückgehenden Bestand schließen dürfen, zumal Luther bald
nach seiner Berufung nach Wittenberg 1508 und endgültig nach seinem theologischen Lehr-
auftrag 1512 zu den führenden Männern der Reform in dieser so j ungen Universität gehörte und
Cranach wie in Wien so auch in Wittenberg enge Fühlung mit den geistig führenden Männern
hatte. In denTischreden Luthers nannte man ihn einmal »virum salibus plenum«78, einen geist-
und humorvollen Mann mit Mutterwitz. Ein Wort Cranachs, das Luther in den Tischreden
zitiert, zeugt vomBildungsstand des Malers, der auch als guter Gesellschafter von Gelehrten und
Fürsten gesucht war: Bei dem Gespräch über den Sinn des Begriffes »hypocrita« zitiert Luther
»Lucas Maler heißt ihn einen heiligen Schalck. Heuchler ist zu dünne und schwach«79. — Für

dessen literarischer Nachlaß mit Briefen, Tagebuch und kunsttheoretischen Schriften sehr groß
ist. Für sein Verhältnis zu Luther trifft dies besonders zu, ist aber nur zu verständlich, da beide
am gleichen Ort wohnten und sich immer schnell besuchen konnten. Um so wichtiger ist da-
her die Tatsache, daß Luther nach dem Reichstag zu Worms, kurz bevor er nach fingiertem
Überfall auf die Wartburg gebracht wurde, Lucas Cranach als einzigem Wittenberger davon
Kenntnis gab in einem am 28. April 1521 morgens noch in Frankfurt geschriebenen Brief:
»Meinen dienst! Lieber Gevatter Lucas, ich segne und befehl Euch Gott. Ich laß mich eintun
und verbergen, weiß selbst noch nicht wo, und wiewohl ich lieber hätte von den Tyrannen,
sonderlich von des wütenden Herzog Georgen zu Sachsen Händen den Tod erlitten, muß ich
doch guter Leut Rat nicht verachten, bis zu seiner Zeit.

149
loading ...