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Poensgen, Georg; Trübner, Wilhelm [Hrsg.]; Heidelberger Kunstverein [Hrsg.]
Trübner in Heidelberg: Wilhelm Trübner aus Anlass seines 50. Todestages zum Gedächtnis; Heidelberger Kunstverein, 25. November 1967 bis 7. Januar 1968 — Heidelberg, 1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.36917#0013
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Kunstbetätigung, die gerade damals bei den deutschen Meistern die Hauptbeschäftigung bildete.
Dadurch wurde ich schon beizeiten vertraut mit der Produktion der iebenden deutschen Künstler,
und das umfangreiche Stoffgebiet, das die Bilder jener Tage behandelte, wurde mir durch meinen
Lehrer Dr. Georg Weber in der anziehendsten Weise nähergebracht. Man konnte sich für
Geschichte und Literatur keinen besseren Interpreten denken als diesen berühmten Historiker.
Auch meinem Zeichenlehrer Veit und meinem Lateinlehrer Dr. Doergens brachte ich eine auf-
richtige Verehrung entgegen. Alle Eindrücke meiner Jugend überragend, steht jedoch das Bild
meiner Mutter vor mir, als Inbegriff alles Guten und Edeln. Mein Vater war eine strenge und
kritische Natur, doch frei von allen kleinlichen Eigenschaften. Als meine Berufswahl bei ihm
große Bedenken hervorrief, des zweifelhaften Erfolges wegen, ordnete er seine Meinung sofort
unter, nachdem Anselm Feuerbach, der damals jeden Sommer in Heidelberg bei seiner Stief-
mutter weilte, mir recht gab, die Künstlerlaufbahn zu wählen und meinen Eltern empfahl, mich
sofort auf die Karlsruher Akademie zu schicken. Mein Vater sowohl wie Feuerbach behielten
Recht: mit dem praktischen Erfolg im größeren Maße war es nichts während der Lebensdauer
meiner Eltern, erst nach dieser Zeit hat sich das wesentlich geändert.
Solange die Mutter Feuerbachs in Heidelberg ansässig war, solange kam auch ihr Sohn mit
Beginn jeden Sommers dahin, wodurch sich mir alljährlich während meiner Herbstferien die
Gelegenheit bot, die meisten Bilder Feuerbachs der Reihe nach in der Wohnung seiner Mutter
bewundern zu können und manchen Abend mit ihm am Biertisch zusammenzusitzen. Ich erfreute
mich also gleich des besten künstlerischen Umgangs. Niemals konnte ich den Eindruck gewinnen,
als ob Feuerbach eine unverträglich, unglückliche oder weltscheue Natur gewesen sei, wie in
jener Zeit von anderer Seite so oft erzählt wurde. Im Gegenteil schien es mir, als ob er ein recht
glücklich veranlagtes Naturell besessen hätte, weil er allen unnötigen Bekanntschaften mit großer
Virtuosität aus dem Wege zu gehen verstand, um in seinen ihn vollauf beschäftigenden Ge-
danken nicht gestört zu werden. Auch zeigte sein ideal geformter Kopf nichts, was an Kummer,
Neid, Arger oder dergleichen hätte erinnern können, vielmehr sprach eine heitere Ruhe und ein
getroster Gleichmut aus seinen Zügen, wie aus seiner mündlichen Rede.
Zuerst zog ich also nach Karlsruhe, wo ich viele die dortige technische Hochschule besuchende
ehemalige Schulkameraden aus Heidelberg vorfand, die mich gleich in ihren Kreis aufnahmen
und auch veranlaßten, in die Verbindung Humpen, jetzt Suevia, einzuspringen. Meinen eigent-
lichen Umgang bildeten aber mehr die Kollegen der Akademie; besonders in August Wolf, einem
mir von Jugend auf bekannten Pfarrerssohn aus dem meiner Vaterstadt benachbarten Dorf
Dossenheim, hatte ich den entgegenkommendsten aller Kollegen gefunden.
Im Herbst 1872 vertauschte ich wieder den Münchener Aufenthalt mit dem in Heidelberg, wo auch
Lang alsbald eintraf, um mit mir zusammen zu arbeiten. Von mir entstand dort: „Im Atelier"
(Neue Pinakothek, München) und Portrait meines Taufpaten, des Bürgermeisters Wilhelm Hof-
meister aus Heidelberg.
Nachdem ich in München längere Zeit verblieben war, kehrte ich, wie gewöhnlich, im Herbst in
meine Heimat zurück, wo mir der mit meinem Vater befreundete Fabrikant Metz seine damals
mit Altertümern angefüllte Besitzung ..Hausacker" als Arbeitsstätte einräumte, welches Entgegen-
kommen mich veranlaßte, fast den ganzen Winter in meiner Vaterstadt zu verbleiben. Auch mit
dem meinem Vater schon von der gemeinsamen Schulbank des Gymnasiums her befreundeten
Rechtsanwalt Albert Mays, der sich das Sammeln pfälzischer Altertümer zur Lebensaufgabe
gemacht hatte, war ich in lebhaftem Verkehr gestanden. Ich malte vier „Wildstilleben" (lange im
Besitz des Malers Schuch, jetzt Galerie Hamburg und Privatbesitz), „Dame mit japanischem
Fächer", Portraits meiner Eltern, mehrere Selbstportraits (Privatbesitz), „Heidelberger Schloß-
fenster" (Galerie Darmstadt), „Wendeltreppe im Heidelberger Schloß", „Buchenwald mit
schwarzem Vogel", „Waldrand", „Schloßgarten Heidelberg".
 
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