Vincentz, Curt R.
Die Goldschmiede-Chronik: die Erlebnisse der ehrbaren Goldschmiede-Ältesten Martin und Wolfgang, auch Mag. Peters Vincentz — Hannover, 1918

Page: 481
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fast eine Zehnsucht nach meinem Ireunde Michael Vaier,
schrieben auch einander, daß wir, wo der Zommer begönne,
wied-er Zueinander kommen wollten zu Leipzig und gedachte
ich ba in dieser Zeit auch Zteine einzukaufen. Kls der Mai-
mond verging, reiste ich zuerst mit meinem Vruder Martin nach
Liegnitz, da hin nahmen wir gute pferde und war eine gute
Zeit zum Aeisen, denn der späte Srüh'ling war schön und die
Ztraßen und lvege nicht mehr schlecht. Und kam da in Liegnitz
zu meiner Tochter Martha und meinen Tochtermann den Uektor
des Gymnasiums und war eine große Hreude des Wiedersehens.
Ls befand sich, daß Gott ihr Lheglück und Uindlein weiter in
seiner gnädigen huld gehalten, also daß es beiden wohlgehL
und beiden rechte Eintracht, auch Gesundheit des Leibes und
der Leele, gute Uchtung der INitbürger, desgleichen Mehrung
ihres vermögens, Gott gnädiglich beschert hat. Ulso weilete
ich da etliche Tage. Es war aber Vruder Martin mitgereiset
darum, daß er zu Liegnitz einen bösen Lchuldner hatte, einen
Uarchner, den wollte er um der schuldigen Dukaten willen etwas
schnäuzen. Denn der hatte ihnv vor verschiedenen ^lahren eine
gute Rette und Uinge abgekauft. Darauf hatte der Barchner
eine Zeitlang alle Iahre zum Markte in Breslau etwas ge-
zahlt. Darnach aber drei Iahre nicht mehr und ist 17 Gulden
schuldig geblieben. Mie wir aber nach Liegnitz kamen, war
gemelter Barchner verstorben und erwies's sich zudem, daß er
ein böser hausvater gewesen und hatte Martin da vermöge
des Lchuldbriefes daS hab und Gut des Barchners, so verblieben,
sperren lassen und hatte ein Bürger zu Liegnitz, die erste
Lperrung vor ihm. Und dies ging darum so bald, weil die
Erben willig waren, daß des Toten Name nicht dem eines
Vankrottierers gleich geachtet werden sollte und wollten sich
lieber vergleichen. Ls hatte Martin auch die l)erren zu Liegnitz
ersucht, daß sie ihm behilflich sein sollten, auf daß ihm die
17 Gulden aus des Barchners Gute ausgezghlt würden. Be-
fanden die herren dort, daß die Lchuld eine rechte Lchuld wäre
und wurde also mit den Lrben akkordiert, daß sie dem Iuden,
der die Rette im pfand hatte, t)auptgeld und Zins geben
sollte. Darnach sollte Martin die Nette zurücknehmen. Kber

Goldschmiede-Lhronik. 31
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