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S i ebenun dzw anzigstes Kapitel
Kandides Reise nach Konstantinopel

treue Kakambo hatte es schon dahin gebracht, daß der türkische Schistspatron, der
den Sultan Achmet nach Konstantinopel fuhren sollte, Kandide und Martin mit
an Bord nahm. Ehe selbige stch nach dem Schiff begaben, beugten ste stch ties zur Erde
vor dem Schattenspielsmonarchen.
„Sehn Sie," sagte Kandide unterwegs, „da haben wir nun mit sechs abgesehen Königen
gespeist, und unter diesen sechs Königen war noch dazu einer, dem ich einen Zehrpsennig
gegeben habe. Vielleicht gibt's noch weit mehr unglückliche Prinzen. Wie glücklich bin
ich dagegen, ich habe ja nur hundert Hammel eingebüßt und stiege nun meiner Kune-
gund' in die Arme. „Ich versichere Ihnen nochmals, lieber Martin, Panglos hatte
recht: es ist doch die beste Welt!" „Wollte Gott," seuszte Martin.
Kaum hatte Kandide den Fuß ins Schiff gefetzt, so stürzte er auf feinen alten Diener,
seinen Freund Kakambo zu und sel ihm um den Hals. „Nun, was macht meine Kune
gunde?" rief er. „Ist ste noch immer das schöne Mädchen? Liebt ste mich noch immer?
O was macht ste? Du hast ihr unstreitig einen Palast zu Konstantinopel gekauft?"
„Ach! 's hat stch was zu palasten, lieber Herr. Die gute Kunegunde steht da am Rande
des Mare di Marmora und scheuert Teller und Schüsseln; ist Sklavin von einem
Prinzen, bei dem das Küchengerät herzlich dünn gesät ist. 's is der alte Fürst
Ragotsky, dem die ottomanische Pforte täglich drei Taler in seiner Freistatt zustießen
läßt. Alles schlimm genug, aber der hinkende Bote kommt noch erst nach. Der Baroneß
ihr niedliches Lärvchen ist ganz zum Kuckuck; ste ist, mit Respekt zu sagen, 'n wahrer
Popanz geworden."
„Mag's doch, ste sei Popanz oder schön," antwortete Kandide; „so muß ich ste doch
haben; ste hat mein Wort, und ich bin ein deutscher Mann. Aber sag' mir, wie kann ste
zum Aschenbrödel herabgesunken sein? Du hast ihr doch süns bis sechs Millionen gebracht?"
„I ja doch!" sagte Kakambo, „hab' ich nicht dem Sennor Don Fernando d'Ibaraa y
Figueora y Mastarenes, y Lampourdos y Souza, Statthalter von Buenos Aires,
zwei Millionen geben müssen, damit ich die Erlaubnis erhielt, Baroneß Gundchen mit-
nehmen zu dürsen? Und hat uns nicht all das übrige ein Seeräuber redlich weggekapert?
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