PICATRIX, EIN ARABISCHES HANDBUCH
HELLENISTISCHER MAGIE
Von Hellmut Ritter.
Der bayerische Hof- und Leibarzt Johann Hartlieb schrieb im
Jahre 1456 für den Markgrafen Johann von Brandenburg, genannt der
Alchimist, das „puch aller verpotten kunst, vnglaubens vnd der
zaubrey", in dem er den Markgrafen vor allerhand teuflischen Kün-
sten warnt und eine Reihe von Büchern nennt, vor denen er sich be-
sonders hüten soll. Da heißt es im 35. Kapitel:
„Es ist noch gar ain mercklich puch jn der künst nigramancia das
hebt sich an: ,ad laudem dei et gloriosissime virginis Marie', haißt
picatrix. das ist das vollkomnest püch, das jch' ye gesach jn der kunst.
das selb püch ist ainem küng von Hysponia gesambelt worden durch
ainen hochen doctorem sunder zweifel, wann er hat die kunst also ge-
rümt mit natürlichen aygenschäft vnd mit sprüchen der hailigen ge-
schrift, das maniger wolgelerter man gantz gelaubt, das es nit sünd
sey, das puch verfürt gar vil lewt zu ewiger verdambnuss. vor dem
püch sol sich dein fürstlich genad am maisten hütten, wann vnder
seinen süssen worten ist der potter gift vermist. das püch Piccatrix
ist grösser dann drey psalter. 0 was hocher list vnd gespenst hat ge-
habt sathanas, bis er das puch einpläsen hat."1)
Trotz solcher Warnungen hat sich das Buch mit dem merkwür-
digen Namen Picatrix, von dessen Ursprung man nicht viel mehr
wußte, als daß es der spanische König Alfons für sich hatte schreiben
lassen, sehr weit verbreitet. Es gab eine große Reihe von Handschrif-
ten davon2), Kaiser Maximilian hatte sogar zwei in seiner Bibliothek.3)
Die großen Magier Pietro d'Abano4) und Agrippa von Nettesheim5)
1) Johann Hartliebs Buch aller verbotenen Kunst, untersucht und hrsg. von Dora
Ulm, Halle 1914, Niemeyer, S. 24.
2) Eine Ausgabe des nie gedruckten lateinischen Textes wird von Dr. Wilhelm
Printz vorbereitet.
3) Theodor Gottlieb, Büchersammlung Kaiser Maximilians I., Leipzig 1900, S. 99.
4) Vgl. Symphorien Champier bei Henschel, Biographisch-literarische Notizen,
berühmte Wundärzte undÄrzte des ΧΠΙ. und XIV.Jahrhunderts betreffend, Janus 1853, S.385.
5) Eine Anzahl Anführungen sind zusammengestellt bei Prosper Marchand, Dic-
tionnaire historique ou mernoires critiques et litteraires. La Haye, 1758—1759, Bd. 2,
S. 142, und Dora Ulm, a. a. 0. S. LV.
HELLENISTISCHER MAGIE
Von Hellmut Ritter.
Der bayerische Hof- und Leibarzt Johann Hartlieb schrieb im
Jahre 1456 für den Markgrafen Johann von Brandenburg, genannt der
Alchimist, das „puch aller verpotten kunst, vnglaubens vnd der
zaubrey", in dem er den Markgrafen vor allerhand teuflischen Kün-
sten warnt und eine Reihe von Büchern nennt, vor denen er sich be-
sonders hüten soll. Da heißt es im 35. Kapitel:
„Es ist noch gar ain mercklich puch jn der künst nigramancia das
hebt sich an: ,ad laudem dei et gloriosissime virginis Marie', haißt
picatrix. das ist das vollkomnest püch, das jch' ye gesach jn der kunst.
das selb püch ist ainem küng von Hysponia gesambelt worden durch
ainen hochen doctorem sunder zweifel, wann er hat die kunst also ge-
rümt mit natürlichen aygenschäft vnd mit sprüchen der hailigen ge-
schrift, das maniger wolgelerter man gantz gelaubt, das es nit sünd
sey, das puch verfürt gar vil lewt zu ewiger verdambnuss. vor dem
püch sol sich dein fürstlich genad am maisten hütten, wann vnder
seinen süssen worten ist der potter gift vermist. das püch Piccatrix
ist grösser dann drey psalter. 0 was hocher list vnd gespenst hat ge-
habt sathanas, bis er das puch einpläsen hat."1)
Trotz solcher Warnungen hat sich das Buch mit dem merkwür-
digen Namen Picatrix, von dessen Ursprung man nicht viel mehr
wußte, als daß es der spanische König Alfons für sich hatte schreiben
lassen, sehr weit verbreitet. Es gab eine große Reihe von Handschrif-
ten davon2), Kaiser Maximilian hatte sogar zwei in seiner Bibliothek.3)
Die großen Magier Pietro d'Abano4) und Agrippa von Nettesheim5)
1) Johann Hartliebs Buch aller verbotenen Kunst, untersucht und hrsg. von Dora
Ulm, Halle 1914, Niemeyer, S. 24.
2) Eine Ausgabe des nie gedruckten lateinischen Textes wird von Dr. Wilhelm
Printz vorbereitet.
3) Theodor Gottlieb, Büchersammlung Kaiser Maximilians I., Leipzig 1900, S. 99.
4) Vgl. Symphorien Champier bei Henschel, Biographisch-literarische Notizen,
berühmte Wundärzte undÄrzte des ΧΠΙ. und XIV.Jahrhunderts betreffend, Janus 1853, S.385.
5) Eine Anzahl Anführungen sind zusammengestellt bei Prosper Marchand, Dic-
tionnaire historique ou mernoires critiques et litteraires. La Haye, 1758—1759, Bd. 2,
S. 142, und Dora Ulm, a. a. 0. S. LV.



