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Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg; Saxl, Fritz [Contr.]
Vorträge der Bibliothek Warburg: Vorträge 1922-1923 / I. Teil — 2.1922/​1923 (1924)

DOI article:
Schramm, Percy Ernst: Das Herrscherbild in der Kunst des frühen Mittelalters
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.76362#0167
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DAS HERRSCHERBILD IN DER KUNST DES
FRÜHEN MITTELALTERS*)
Von Percy Ernst Schramm
Jedes Herrscherbild ist ein geschichtliches Dokument, das als ein
mehr oder minder individuelles Zeugnis über eine Persönlichkeit der
Vergangenheit einen eigenartigen Wert hat und so die aus den
schriftlichen Quellen sich ergebende Vorstellung ergänzt. Darüber
hinaus gehören die einzelnen Bilder oder Denkmäler der Kaiser,

*) Vorbemerkung: Die folgende Arbeit unternimmt es, Kunstwerke aus über
einem halben Jahrtausend, aus den verschiedensten Kulturgebieten — Werke, die in den
unterschiedlichsten Techniken zu den verschiedensten Zwecken ausgeführt sind, unter
dem Gesichtspunkte des Bildinhaltes zusammenzustellen, dessen Abwandlung zu der
Staats-, Rechts-, Kultur- und Kunstgeschichte in Beziehung gesetzt werden muß. Diese
ikonographische Seite des Herrscherbildes, das ja in der Regel Tendenzbild ad maiorem
gloriam des Dargestellten ist, soll hier untersucht werden. Hierbei bleibt die Fest-
stellung inhaltlicher Gleichheiten und Abwandlungen zwischen Werken verschiedener
Entstehungszeiten nur eine sachliche Vorarbeit, die nach ihrer Bedeutung der Arbeit
eines Historikers entspricht, der einen mittelalterlichen Geschichtschreiber zur Edition
vorbereitet und dafür den Zusammenhang mit dessen Vorgängern, die Benutzung von
Quellen oder auch deren Nichtbeachtung feststellt. Erst dann erschließt sich das
Originale und Einzigartige aus der Auswahl, der Zusammenstellung und der Benutzungs-
art der Quellen. Hierin drückt sich neben der Persönlichkeit des Autors der Wandel
der Zeiten aus. So macht die Feststellung einer Entlehnung die Zeiten an einer Stelle
vergleichbar und gibt damit die Möglichkeit, Abwandlung, Beharrung oder Rück-
bildung der Zeiten an dieser Stelle faßbar zu machen — in einer Form, die sich nicht
mit Allgemeinheiten zu begnügen braucht. Fast mehr noch als solch ein mittelalter-
liches Geschichtswerl< ist ein Tendenzbild von den verschiedensten Entwicklungen ab-
hängig. Alles berücksichtigen zu wollen, würde das wirre Bild eines Netzes geben,
in dem keine Hauptlinien mehr zu unterscheiden wären. Dabei bedarf ein Bild aus
einer uns so fernen Welt wie dem frühen Mittelalter — als Regulativ gegen eine
schiefe Interpretation — des zeitgenössischen Wortes, das mit seinen Mitteln denselben
Inhalt umschreibt.
Diesen Anforderungen versuchen die Anmerkungen zu entsprechen. Vielleicht
locken diese Andeutungen zu weiterer Untersuchung an.
Für die Bilder sind nach Möglichkeit auch leicht zugängliche Werke angegeben.
Herr Prof. Dr. A. Warburg möge aus diesem Aufsatz ersehen, daß dem Ver-
fasser die Anregungen, die er von ihm empfangen hat, auch in seiner engeren Dis-
ziplin von Bedeutung geworden sind. Wärmsten Dank für Auskünfte, Ratschläge und
Hinweise schuldet der Verfasser Prof. Dr. L. Curtius, Dr. E. Panofsky und besonders
Dr. F. Saxl.
Vorträge der Bibliothek Warburg II IO
 
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