DER KOSMISCHE GEDANKE IN PHILOSOPHIE
UND STAAT DER CHINESEN
Von Otto Franke in Berlin.
Der primitive Mensch, der die unterste Stufe des kausalen Denkens
hinter sich hat, wird seine Aufmerksamkeit alsbald von dem bloßen
Suchen nach Nahrung und Körperschutz in wachsender Ausdehnung der
ihn umgebenden Natur zuwenden. Von seinem Walde, der ihm das
Essen, von seiner Höhle, die ihm Trockenheit und Wärme liefert, richtet
er seinen Blick weiter in die Natur hinein: zu dem gestirnten Himmel, der
sich über ihm wölbt, zu der Erde darunter, die sich in offenbarer Ab-
hängigkeit vom Himmel in ihrem Aussehen beständig wandelt und doch
immer dieselbe bleibt. So werden ihn die leuchtenden Gestirne, vor allem
Sonne und Mond zu Betrachtungen veranlassen, ihre sichtbaren und un-
sichtbaren Bahnen, der Wechsel von Licht und Finsternis, von Wärme
und Kälte, von Trockenheit und Nässe, von Blühen und Welken erregt
seine Aufmerksamkeit, vor allem aber weckt die unverrückbare Regel-
mäßigkeit in der täglichen Sonnenbahn, im Wachsen und Abnehmen des
Mondes, in der Wiederkehr der vier Jahreszeiten, im Erwachen, Auf-
blühen, Absterben und Erstarren der Pflanzen sein ehrfürchtiges Er-
staunen. Dazu kommen dann die zahllosen Sterne und Sterngruppen,
unter denen einige ganz besonders auffallen, sowohl wegen ihres Glanzes
wie wegen der deutlich wahrnehmbaren Bahnen, die sie ziehen und die
zum Teil erst in einer Reihe von Jahren vollendet werden, aber ebenfalls
von fest bestimmter Regelmäßigkeit sind.
Diese Naturbetrachtung findet sich überall auf der bewohnten Erde,
sie ist ein Gemeingut der Menschheit und brauchte sicherlich nicht erst
von einem Teile dem andern übermittelt zu werden. Dagegen hat sich
die weitere Entwicklung nicht mehr gleichmäßig gestaltet, die Schlüsse,
die man aus den Beobachtungen gezogen, sind bei den verschiedenen
Rassen und Völkern verschieden gewesen, je nach der Begabung, der
sonstigen Kulturbildung und anderen natürlichen Gegebenheiten. Ver-
Vorträge der Bibliothek Warburg V I
UND STAAT DER CHINESEN
Von Otto Franke in Berlin.
Der primitive Mensch, der die unterste Stufe des kausalen Denkens
hinter sich hat, wird seine Aufmerksamkeit alsbald von dem bloßen
Suchen nach Nahrung und Körperschutz in wachsender Ausdehnung der
ihn umgebenden Natur zuwenden. Von seinem Walde, der ihm das
Essen, von seiner Höhle, die ihm Trockenheit und Wärme liefert, richtet
er seinen Blick weiter in die Natur hinein: zu dem gestirnten Himmel, der
sich über ihm wölbt, zu der Erde darunter, die sich in offenbarer Ab-
hängigkeit vom Himmel in ihrem Aussehen beständig wandelt und doch
immer dieselbe bleibt. So werden ihn die leuchtenden Gestirne, vor allem
Sonne und Mond zu Betrachtungen veranlassen, ihre sichtbaren und un-
sichtbaren Bahnen, der Wechsel von Licht und Finsternis, von Wärme
und Kälte, von Trockenheit und Nässe, von Blühen und Welken erregt
seine Aufmerksamkeit, vor allem aber weckt die unverrückbare Regel-
mäßigkeit in der täglichen Sonnenbahn, im Wachsen und Abnehmen des
Mondes, in der Wiederkehr der vier Jahreszeiten, im Erwachen, Auf-
blühen, Absterben und Erstarren der Pflanzen sein ehrfürchtiges Er-
staunen. Dazu kommen dann die zahllosen Sterne und Sterngruppen,
unter denen einige ganz besonders auffallen, sowohl wegen ihres Glanzes
wie wegen der deutlich wahrnehmbaren Bahnen, die sie ziehen und die
zum Teil erst in einer Reihe von Jahren vollendet werden, aber ebenfalls
von fest bestimmter Regelmäßigkeit sind.
Diese Naturbetrachtung findet sich überall auf der bewohnten Erde,
sie ist ein Gemeingut der Menschheit und brauchte sicherlich nicht erst
von einem Teile dem andern übermittelt zu werden. Dagegen hat sich
die weitere Entwicklung nicht mehr gleichmäßig gestaltet, die Schlüsse,
die man aus den Beobachtungen gezogen, sind bei den verschiedenen
Rassen und Völkern verschieden gewesen, je nach der Begabung, der
sonstigen Kulturbildung und anderen natürlichen Gegebenheiten. Ver-
Vorträge der Bibliothek Warburg V I



