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Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg; Saxl, Fritz [Contr.]
Vorträge der Bibliothek Warburg: Über die Vorstellungen von der Himmelsreise der Seele — Leipzig, Berlin: Teubner, 1930

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Kees, Hermann: Die Himmelsreise im Ägyptischen Totenglauben
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https://doi.org/10.11588/diglit.77479#0015
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DIE HIMMELSREISE
IM ÄGYPTISCHEN TOTENGLAUBEN
Von Hermann Kees in Göttingen.
Der Charakter des ägyptischen Volkes ist allezeit durch seine land-
wirtschaftliche Tätigkeit auf das stärkste beeinflußt; als Bauer fühlt
sich der Mensch erdgebunden und denkt wirklichkeitsnah. Und wie er
fest auf dem heimatlichen Boden steht, der ihm das einzig „menschen-
würdige" Dasein zu bieten scheint1), hat er früh gelernt, sich mit den
naturbedingten Gegebenheiten des Daseins abzufinden. Und gerade im
Niltal zwingt die Natur in ihrem Kreislauf zwischen Nilüberschwem-
mung — winterlicher Bestellungszeit — Ernte und wasserarmer Zeit den
Menschen unerbittlich; aber der Wechsel seiner Tage ist viel gleich-
förmiger als in nördlichen Breiten. Wie die Natur den Charakter des
ägyptischen Menschen geprägt hat, so zeigt auch sein Jenseitsglauben
und -hoffen dieselben Grundzüge: die Naturverbundenheit, die ihn mit
irdischen Voraussetzungen als oberstem Gesetz rechnen läßt, und die
Gewohnheit, diese auf „ewige" Dauer gleichbleibend umzusetzen.2) Dazu
kommt ein Gefühl, mag man es skeptische Resignation oder Einsicht
nennen, als Regel nur Dinge anzunehmen und anzuerkennen, die ihre
klare Probe bestanden haben; daher hält man alles eigentlich Roman-
tische und das Phantastische von sich fern.
Das merkwürdige und auffallende Versagen der ältesten textlichen
Grabausschmückung im Punkte der Jenseitsvorstellungen mag hierzu
gehören, vielleicht auch, und das gilt namentlich für die älteren Königs-
gräber bis zu den gewaltigen aber wortkargen Grabdenkmälern der
Pyramidenerbauer von Gise, die wenig mehr als den Namen des Besitzers
melden, aus einem trotzigen Selbstgefühl des Genügens der Leistung

i) Das Wort „Mensch" (romet) kommt nur den Ägyptern zu.

2) Es ist vielsagend, daß Worringer zu den absonderlichen Ergebnissen seines
Buches ,,Ägyptische Kunst. Probleme ihrer Wertung" nur auf der falschen Grundlage
kommen kann (S. 27) „daß Ägypten in soziologischer Beziehung als ein durch besondere
Bedingungen hochgezüchtetes Kunstprodukt anzusehen ist, dessen ganze kulturelle
Verhältnisse, außer Verbindung mit einem naturgewachsenen Unterbau stehend, nur
durch das System eines künstlichen Überbaues über dem Naturgegebenen bestimmt sind".
Vorträge der Bibliothek Warburg VIII

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