Waagen, Gustav Friedrich
Kunstwerke und Künstler in England und Paris (Band 2): Kunstwerke und Künstler in England — Berlin, 1838

Page: 100
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100 Vernehmung vor einer Parliamentscommission.

einer Sitzung beigewohnt und darin Auskunft über
die Mittel gegeben, die bildenden Künste mit Erfolg
bei den Fabriken in Anwendung zu bringen. Das
Vertrautmachen mit den schönsten Mustern aus dem
Alterthum, aus dem Mittelalter und dem Cinquecento
durch Sammlungen von Abgüssen und würdigen Ab-
bildungen, das Einweihen in die Principien, nach
welchen diese gebildet worden sind, um in gleichem
Sinne nach Maafsgabe eines jeden vorkommenden Falls
fortbilden zu können, erschien mir hier als die Haupt-
sache. Ich konnte hier mit ungemeiner Befriedigung
meines patriotischen Gefühls auf das Gewerbeinstitut
in Berlin, auf das treffliche Kupferwerk der besten
Muster verweisen, welches unter der Leitung eines
Mannes, wie der Geheimerath Beuth, für unser Land
so segensreiche Früchte trägt. Für das Produciren
von Kunstwerken werde ich besonders auf die Lehr-
weise in den Werkstätten ausgezeichneter Künstler
aufmerksam machen, wodurch eine Annäherung an
das innige, persönliche Verhältnifs zwischen Lehrern
und Schülern in den Zeiten lebendiger Kunstschulen
bewirkt und neuerdings die schönsten Blüthen der
Kunst in Deutschland hervorgerufen worden sind.
Um eine architectonisch- monumentale Kunst zu be-
gründen, woran es bis jetzt in England am meisten
fehlt, mufs der Staat öffentliche Gebäude, z. B. die
neu zu erbauenden Parliamentshäuser, von den vor-
züglichsten Meistern mit Frescomalereien ausschmük-
ken lassen; eben so mufs der Staat, oder gröfsere
Communen eintreten, wenn Werke von namhaftem
Kunstwerth hervorgebracht werden, welche durch
Umfang und Gegenstand sich nicht für den Privat-
besitz eignen, und solche für öffentliche Gebäude, für
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