Waagen, Gustav Friedrich
Kunstwerke und Künstler in England und Paris (Band 2): Kunstwerke und Künstler in England — Berlin, 1838

Page: 132
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132 Akademie der Künste in England.

und ergänzend in einander greifen und gegenseitig
auch das scheinbar ganz Werthlose so vollständig aus-
nutzen, dafs gar nichts mehr ganz verloren geht.

Bei einem längeren Aufenthalte hier im Lande
überzeugt man sich indefs, dafs es auch Fälle giebt,
bei welchen diese Maxime der Regierung, nicht selbst
organisirend einzuwirken, sich als nachtheilig erweist.
Dazu gehören namentlich die Anstalten für die Bil-
dung in Wissenschaft und Kunst. So ist z. B. die
hiesige königliche Akademie der Künste wesentlich
nur ein Privatverein von Künstlern, welche vom
Staat nichts als ein Local, die Titel Präsident, Pro-
fessor u. s. w. und die Erlaubnifs haben, alljährlich
eine Kunstausstellung zu veranstalten. Unter solchen
Umständen kann billigerweise — zumal in einem
Lande wie England, wo jedem seine Zeit so kostbar
ist — von den Mitgliedern kein grofser Aufwand von
Zeit und Mühe verlangt werden. Die nothwendige
Folge davon aber ist, dafs die Akademie als höchste
Lehranstalt für Architectur, Sculptur und Malerei die-
sem wichtigen Zwecke nur sehr ungenügend entspre-
chen mufs. Im besten Fall halten die einzigen fünf
Professoren, welche für den Unterricht in Anatomie,
Perspective, Architectur, Sculptur und Malerei zu
sorgen haben, im Laufe eines ganzen Jahres sechs
mal einen Vortrag. Doch ist es vorgekommen, dafe
auch nur drei bis vier gehalten, selbst dafs sie bei
einem Todesfall ein volles Jahr ganz ausgefallen sind;
ja, was die Architectur anlangt, so hat sich der Fall
begeben, dafs vom Jahre 1824 bis 1830, mithin wäh-
rend 7 Jahren gar kein Vortrag gehalten worden ist.
Soll aber eine solche Anstalt von irgend einem er-
heblichen Nutzen sein, so ist ein gründlicher und in
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