Waagen, Gustav Friedrich
Handbuch der Geschichte der Malerei (Band 2): Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen (Abt. 2) — Stuttgart, 1862

Seite: 88
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88 V. Buch. 3. Kapitel.

charakteristisches Beispiel dieser Weise ist das Bildniss des Vice-
admirals Augustus Stellingwerf im Museum zu Amsterdam,
No. 121. Nächst Amsterdam kann man diesen Meister nirgend so
vollständig kennen lernen, als in der Eremitage, welche, ausser
vier trefflichen grossen Bildern mit ganzen Figuren, die aus seinen
verschiedenen Zeiten herrühren, noch mehrere halbe Figuren von
vorzüglicher Art besitzt.

Obgleich es nicht bekannt ist, dass van der Helst eigentliche
Schüler gezogen, so lehrt doch der Augenschein, dass verschiedene
Portraitmaler sich durchaus nach seiner "Weise gebildet haben.
Namentlich ist dieses mit Folgenden der Fall.

Joannes Spielberg. Er führte im Jahr 1653 ein grosses
Bild mit einer Mahlzeit von 22 Schützen aus, welches sich jetzt im
neuen Kathhause zu Amsterdam befindet, No. 19. In dem Ge-
schick der Anordnung und in der Trefflichkeit der Ausführung
kommt er dem van der Helst sehr nahe. Auch sind die Köpfe
recht lebendig aufgefasst, nur leerer in den Formen. Zudem ist der
gelbliche Fleisehton etwas einförmig. — Abraham van den
Tempel, geboren 1618, gestorben 1672, war zwar ein Schüler
des Georg van Sehooten, folgte aber in seinen, mit wenigen Aus-
nahmen im Besitz holländischer Familien befindlichen, Bildnissen
vornehmlich der späteren "Weise des van der Helst. Ein treffliches
Bild, die lebensgrossen Portraite eines vornehmen Mannes und seiner
Gemahlin, besitzt das Museum zu Berlin, No. 858. Auch ein
anderer, sehr wenig bekannter Künstler, Lieve de Jongh, ist
hier zu nennen. Eine Schützengesellschaft in der Malerakademie
zu Bot t er dam ist ein treffliches, sich in manchen Stücken dem
van der Helst annäherndes, Werk. — Endlich kommt hier noch
Pieter Nason in Betracht, welcher längere Zeit am Hofe des
grossen Churfürsten in Berlin beschäftigt war. Seine Bildnisse sind
mit vieler Einsicht angeordnet, edel aufgefasst, trefflich gezeichnet
und sehr fleissig ausgeführt. Nur in der Farbe haben sie nicht
mehr die alte Klarheit. Vortrefflich ist von ihm ein Bildniss des
grossen Kurfürsten in ganzer, lebensgrosser Figur vom Jahr 1667,
im Schlosse zu Charlottenburg bei Berlin. Die Auffassung ist sehr
lebendig und energisch, die Färbung warm und kräftig, die Aus-
führung, in einem sehr guten Impasto, meisterhaft, von ungemeiner
Feinheit ein männliches Portrait im Museum zu Berlin, No. 1007. A.
vom Jahr 1670. Ein anderes, ebendaselbst befindliches Bild, No. 977,
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