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Weise, Adam
Albrecht Dürer und sein Zeitalter: ein Versuch — Leipzig, 1819

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https://doi.org/10.11588/diglit.2158#0010
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Will man die Werke Dürers', und alles Treffliche, was durch ihn hervor
ging, gehörig würdigen, so mufs man sich die frühere Kunstgeschichte von
Deutschland vergegenwärtigen, soweit es die Möglichkeit gestattet; denn nur in
dieser Zusammenstellung kann der Mann gehoben werden, der als der Erste
alle seine Vorgänger überstrahlt. Aber es ist schwer, die Malerei in Deutsch-
land von ihrem Anfang zu verfolgen, indem Kriege Kirchen und Klöster
zerstörten, und mit diesen schöne Werke der Kunst vernichteten, oder son-
stige Barbarei und Unverstand ihr auf andere Art einen unersetzlichen Ver-
lust bereiteten. Doch das noch Vorhandene mag dazu dienen, uns eine cha-
rakteristische Ansicht desselben zu gewähren.

Die Malerei in Deutschland entstand auf Veranlassung der Religion, denn
.sie wurde zu gottesdienstlichen Zwecken verwendet. Man schmückte die Kir-
chen und ihre Altäre damit, um durch jene Darstellungen des Göttlichen oder
der Heiligen, die Andacht des Volks mehr zu entflammen. Daher waren auch
die ersten Maler mehrentheils Geistliche, von denen überhaupt Künste und
Wissenschaften ausgingen. Freilich tragen alle Malereien aus jener Zeit noch
das Gepräge der frühern Kindheit, mit allen Mängeln, welche der Zeitgeist
mit sich führte; demohngeachtet enthalten diese Darstellungen etwas anzie-
hendes, sogar Ehrfurcht erweckendes, dass man gern in ihrer Nähe weilt.
Betrachtet man ein solches Gemälde mit kritischem Auge, so tritt alles aus
seinen Verhältnissen; die Figuren sind entweder zu lang oder die Köpfe zu
grofe; der Ausdruck in den Gesichtern ist nur mit wenigen Zügen angedeu-
tet, das Haar, vorzüglich an weiblichen Köpfen, nicht in Partien geordnet,
sondern mit zarten Strichen einzeln angegeben, Hände und Füfse mehren-'

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