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VORWORT.
stell migsgegcnstandc, in das britische Werk übergingen. Letztem, widmete der Kedacteur des „ Art-Journal",
Mr. S. C. Hall, F.S.A., eine Thütigkeit, ein Geschick, einen Kunstsinn,, welche der höchsten Anerkennung
werth genannt werden, müssen, und es sei ihm hierfür, sowie für'.die grosse Zuvorkommenheit, mit welcher er
jederzeit die Herausgabe des deutschen Zwillingswcrkcs förderte, der beste Dank collegialisch dargebracht.
Die Redaction des letztern .übertrug die Verlagshandlung dem Unterzeichneten, der auch diejenige des
Londoner Katalogs von 18G2 ■ geführt, hatte, ein Beweis des Vertrauens, welcher von ihm nicht zurückgewiesen
werden konnte, so sehr auch der Ueb.crtritt in eine neue Lcbenssnhare ihm die Ausführung erschwerten.
Nichtsdestoweniger liess ersieh, im. Verein mit der Verlagshandlung, ernstlich angelegen sein, die bei dem erst -
erschienenen Katalog gewonnenen Erfahrungen, die Fingerzeige der Kritik,'die Wünsche der Industriellen und
die Ansprüche der Künstler nach Kräften zu berücksichtigen. Eingehendes Studium der Ausstellung an Ort
und Stelle selbst gaben ihm zugleich Gelegenheit, sich ein eigenes Urtlieil zu bilden. So darf denn der „Illu-
strirte Katalog der Pariser Industrie-Ausstellung von 1SG7" getrost mit seinem altern-Bruder in die Schranken
treten; er besiegt ihn, wenn die vielen wohlwollenden Urtheile, welche seit seinem Beginn über ihn laut ge-
worden sind, nur halbwegs Geltung haben.
Vor allem haben Verlagshandlung und Redaction eifrigst danach gestrebt, der deutschen l'roduction
gerecht, zu werden-, ihr Ehre zu verschaffen. Sie glauben — und es ward auch mehrfach anerkannt — dass !
ihnen dies gelungen ist. Wenn der Katalog aus 14 deutschen Städten 36 Serien von Abbildungen bringt,
darunter Berlin mit 12, aus 4 österreichischen 22, darunter Wien mit 19, so ist . das ziemlich genau das richtige
Verhältniss, in welchem- die AusstellungsproduCtion der genannten Orte zu derjenigen von Paris stand, welches
allerdings mit 150 Abbildungsrcihen voranstellt, während London deren nur 72 zählt und die Anführung von 19 j
andern britischen Industrieorten das Uebergewicht der Verbreitung des Kunstgewerbs im vereinigten Königreich
andeutet. Es war aber auch keineswegs die Aufgabe des „Ulustrirten Katalogs", die Entwickelung der- deutschen
Kunstindustrie zu zeigen, sondern vielmehr'dieser-einen Reichthum von Mustern und Vorlagen zuzuführen,
wie sie deren zu ihrer ferneren freudigen Entfaltung um so mehr bedarf, als in vielen Richtungen sie hoch immer
dem Auslande, vorzugsweise Frankreich, tributär ist, das z. B. der Fadenindustrie der gesaimutcn Welt, von
Irland bis nach Kaschmir; die Musterzeichnungen liefert. Diese Abhängigkeit aufzuheben) dazu bedarf es vor
allen Dingen der künstlerischen Bildung der Industriellen und Gewcrbtreibenden. Sie wird erreicht durch
Kunstschulen, in deren Gründung Frankreich ebenfalls vorangegangen ist, wahrend von deutschen Ländern
Würtemberg sich auszeichnet durch sehr vollständige und zweckmässige Organisation des gewerblichen Unter-
richts — und mittels der Unterstützung durch eine tüchtige Fachpresse.
In diese Richtung wünscht denn auch der „lllustrirte Katalog1, vorzugsweise seiueu Werth und seine Wir-
kung gelegt zu sehen. Er. hat; es versucht, in einer Reihe von Essays, die als Feuilleton neben dem Haupt-
text (den Erläuterungen seiner Abbildungen) herliefen,- einige wesentliche'Abtheiluugen der Ausstellung vom
Standpunkt der Kunstindustrie zu prüfen; von dem letztern aus hat er sich namentlich verbreitet über
Charakter und Ziele der Pariser Weltausstellung von 1SG7; ihm galt der Versuch, den Einfluss der Antike
auf Kunst und Gewerbe der Neuzeit historisch, mit Rücksicht auf die Praxis, nachzuweisen. Jedermann wird
ferner zugeben, dass unser Werk ein sprechendes Zeugniss dafür liefert, inwiefern die Ausstellung als Schule
des Geschmacks gelten durfte; auf jeder Seite gibt es Belege für ihren belehrenden Eiiiliuss auf die Arbeiter, .
welche diesmal mehr als je zuvor in dem Industriepalast auf dem Marsfelde ihre Studien gemacht haben.
Ihnen, den Arbeitern —' zu welchen wir aber nicht hlos die Gehülfen, sondern auch ebenso gut die Meister,
die'sachverständigen Arbeitgeber, als die Lernenden rechnen — wird namentlich der „lllustrirte Katalog" ein
. Nachschlagebuch vom grÖssten Werthe sein, welches ihrer Erinnerung um so mehr zu Hülfe kommen wird,
als es bekanntlich in der Ausstellung selbst verboten war, zu zeichnen; die Erlaubniss dazu konnte nur aus-
nahmsweise und mit Opfern erlangt werden, wie dies den Herausgebern leider .nur zu genau bekannt ge- j
worden ist. Daher wird unser Werk- sich vorzugsweise eignen zur Aufstellung als Rathgeber und Nach-
schlagebuch in allen Ateliers und Werkstätten, in welchen sich Geist und Geschick über den gewöhnlichen,
althergebrachten Schlendrian erheben,'und es sei zu diesem sicherlich nutzbringenden Gebrauche hiermit
dringend empfohlen.
Einen andern Werth glaubt der „lllustrirte .Katalog" sich zuschreiben zu dürfen als Document zur
Geschichte der Kunstentwickelung im Handwerk, wie wol neben ihm kein zweites existirt. Es ist an ver-
schiedenen Stellen seines Textes, auch in seinem Vorgänger von 1SG2, darauf hingedeutet worden, welchen
Einlluss die.Weltausstellungen vorzugsweise auf jene Entwickelung genommen haben. Auf der ersten, zu London
im Jahre 1851, offenbarte sich zur Beschämung der ganzcu civilisirteu AVeit die unglaubliche Geschmack-
losigkeit, die gedankenlose Nachtreterei verrotteter Formen und Zusammenstellungen, die Trägheit'und Geist-
VORWORT.
stell migsgegcnstandc, in das britische Werk übergingen. Letztem, widmete der Kedacteur des „ Art-Journal",
Mr. S. C. Hall, F.S.A., eine Thütigkeit, ein Geschick, einen Kunstsinn,, welche der höchsten Anerkennung
werth genannt werden, müssen, und es sei ihm hierfür, sowie für'.die grosse Zuvorkommenheit, mit welcher er
jederzeit die Herausgabe des deutschen Zwillingswcrkcs förderte, der beste Dank collegialisch dargebracht.
Die Redaction des letztern .übertrug die Verlagshandlung dem Unterzeichneten, der auch diejenige des
Londoner Katalogs von 18G2 ■ geführt, hatte, ein Beweis des Vertrauens, welcher von ihm nicht zurückgewiesen
werden konnte, so sehr auch der Ueb.crtritt in eine neue Lcbenssnhare ihm die Ausführung erschwerten.
Nichtsdestoweniger liess ersieh, im. Verein mit der Verlagshandlung, ernstlich angelegen sein, die bei dem erst -
erschienenen Katalog gewonnenen Erfahrungen, die Fingerzeige der Kritik,'die Wünsche der Industriellen und
die Ansprüche der Künstler nach Kräften zu berücksichtigen. Eingehendes Studium der Ausstellung an Ort
und Stelle selbst gaben ihm zugleich Gelegenheit, sich ein eigenes Urtlieil zu bilden. So darf denn der „Illu-
strirte Katalog der Pariser Industrie-Ausstellung von 1SG7" getrost mit seinem altern-Bruder in die Schranken
treten; er besiegt ihn, wenn die vielen wohlwollenden Urtheile, welche seit seinem Beginn über ihn laut ge-
worden sind, nur halbwegs Geltung haben.
Vor allem haben Verlagshandlung und Redaction eifrigst danach gestrebt, der deutschen l'roduction
gerecht, zu werden-, ihr Ehre zu verschaffen. Sie glauben — und es ward auch mehrfach anerkannt — dass !
ihnen dies gelungen ist. Wenn der Katalog aus 14 deutschen Städten 36 Serien von Abbildungen bringt,
darunter Berlin mit 12, aus 4 österreichischen 22, darunter Wien mit 19, so ist . das ziemlich genau das richtige
Verhältniss, in welchem- die AusstellungsproduCtion der genannten Orte zu derjenigen von Paris stand, welches
allerdings mit 150 Abbildungsrcihen voranstellt, während London deren nur 72 zählt und die Anführung von 19 j
andern britischen Industrieorten das Uebergewicht der Verbreitung des Kunstgewerbs im vereinigten Königreich
andeutet. Es war aber auch keineswegs die Aufgabe des „Ulustrirten Katalogs", die Entwickelung der- deutschen
Kunstindustrie zu zeigen, sondern vielmehr'dieser-einen Reichthum von Mustern und Vorlagen zuzuführen,
wie sie deren zu ihrer ferneren freudigen Entfaltung um so mehr bedarf, als in vielen Richtungen sie hoch immer
dem Auslande, vorzugsweise Frankreich, tributär ist, das z. B. der Fadenindustrie der gesaimutcn Welt, von
Irland bis nach Kaschmir; die Musterzeichnungen liefert. Diese Abhängigkeit aufzuheben) dazu bedarf es vor
allen Dingen der künstlerischen Bildung der Industriellen und Gewcrbtreibenden. Sie wird erreicht durch
Kunstschulen, in deren Gründung Frankreich ebenfalls vorangegangen ist, wahrend von deutschen Ländern
Würtemberg sich auszeichnet durch sehr vollständige und zweckmässige Organisation des gewerblichen Unter-
richts — und mittels der Unterstützung durch eine tüchtige Fachpresse.
In diese Richtung wünscht denn auch der „lllustrirte Katalog1, vorzugsweise seiueu Werth und seine Wir-
kung gelegt zu sehen. Er. hat; es versucht, in einer Reihe von Essays, die als Feuilleton neben dem Haupt-
text (den Erläuterungen seiner Abbildungen) herliefen,- einige wesentliche'Abtheiluugen der Ausstellung vom
Standpunkt der Kunstindustrie zu prüfen; von dem letztern aus hat er sich namentlich verbreitet über
Charakter und Ziele der Pariser Weltausstellung von 1SG7; ihm galt der Versuch, den Einfluss der Antike
auf Kunst und Gewerbe der Neuzeit historisch, mit Rücksicht auf die Praxis, nachzuweisen. Jedermann wird
ferner zugeben, dass unser Werk ein sprechendes Zeugniss dafür liefert, inwiefern die Ausstellung als Schule
des Geschmacks gelten durfte; auf jeder Seite gibt es Belege für ihren belehrenden Eiiiliuss auf die Arbeiter, .
welche diesmal mehr als je zuvor in dem Industriepalast auf dem Marsfelde ihre Studien gemacht haben.
Ihnen, den Arbeitern —' zu welchen wir aber nicht hlos die Gehülfen, sondern auch ebenso gut die Meister,
die'sachverständigen Arbeitgeber, als die Lernenden rechnen — wird namentlich der „lllustrirte Katalog" ein
. Nachschlagebuch vom grÖssten Werthe sein, welches ihrer Erinnerung um so mehr zu Hülfe kommen wird,
als es bekanntlich in der Ausstellung selbst verboten war, zu zeichnen; die Erlaubniss dazu konnte nur aus-
nahmsweise und mit Opfern erlangt werden, wie dies den Herausgebern leider .nur zu genau bekannt ge- j
worden ist. Daher wird unser Werk- sich vorzugsweise eignen zur Aufstellung als Rathgeber und Nach-
schlagebuch in allen Ateliers und Werkstätten, in welchen sich Geist und Geschick über den gewöhnlichen,
althergebrachten Schlendrian erheben,'und es sei zu diesem sicherlich nutzbringenden Gebrauche hiermit
dringend empfohlen.
Einen andern Werth glaubt der „lllustrirte .Katalog" sich zuschreiben zu dürfen als Document zur
Geschichte der Kunstentwickelung im Handwerk, wie wol neben ihm kein zweites existirt. Es ist an ver-
schiedenen Stellen seines Textes, auch in seinem Vorgänger von 1SG2, darauf hingedeutet worden, welchen
Einlluss die.Weltausstellungen vorzugsweise auf jene Entwickelung genommen haben. Auf der ersten, zu London
im Jahre 1851, offenbarte sich zur Beschämung der ganzcu civilisirteu AVeit die unglaubliche Geschmack-
losigkeit, die gedankenlose Nachtreterei verrotteter Formen und Zusammenstellungen, die Trägheit'und Geist-



