I. Einleitung
1.1 Ablauf und Ziel der Ausgrabung,
Gliederung der Arbeit
Die Untersuchungen im Bereich des Rathausplatzes/
Münsterkirchplatzes waren von Seiten des Westfäli-
schen Museums für Archäologie zunächst nur als bau-
begleitende Maßnahmen geplant. Die Stadt Herford be-
absichtigte, im Rahmen einer Städtebauförderungsmaß-
nahme das Areal zur 1200-Jahrfeier umzugestalten.
Bereits bei Beginn der archäologischen Beobachtungen
im April 1988 stellte sich heraus, daß trotz erheblicher
Abtragungen beim Rathausbau archäologische Substanz
erhalten geblieben war, die allerdings nur bei einer flä-
chigen Untersuchung zu auswertbaren Ergebnissen füh-
ren würde. Daher wurde in Verhandlungen mit der Stadt
und den Bauunternehmern trotz bereits abgeschlossener
und terminierter Verträge ein Zeitplan erarbeitet, der die
archäologische Untersuchung der wichtigsten Flächen
vor der Zerstörung ermöglichte. Aus dem Untersu-
chungsbereich wurde das Areal südlich der Münsterkir-
che ausgeklammert. Die Anlage von Leitungsschächten
hatte gezeigt, daß es bei der jahrhundertelangen Nut-
zung als Friedhof über und über mit Gräbern belegt
worden war.
Da ein Suchschnitt nördlich der Wolderuskapelle eine
Fülle von Fundamenten und Bodenhorizonten erkennen
ließ, wurde dieser Bereich ebenso wie das Gebiet im
Nordosten der Münsterkirche aus der für 1988 geplan-
ten Umgestaltungsmaßnahme genommen und konnte so
1989 und 1990 ohne Zeitdruck untersucht werden. Der
Straßenbereich westlich der Miinsterkirche und der
Wolderuskapelle sowie der Rathausplatz mußten jedoch
noch 1988 fertiggestellt werden, so daß dort die Gra-
bungen parallel zu den Bauarbeiten mit einem engen
Terminplan ausgeführt wurden. Diese Regelung zwi-
schen Bodendenkmalpflege, Stadt und Bauunterneh-
mern ermöglichte die archäologische Dokumentation
einer insgesamt ca. 4500 m2 großen Fläche. Die Gra-
bungen wurden 1988-1990 in den Monaten April bis
November mit einem aus Abiturienten und Studenten
gebildeten Grabungsteam von 10-15 Personen unter
Leitung des Autors durchgeführt.
Die Erforschung des Herforder Stiftsbezirkes setzte je-
doch schon früher ein. Als ihr Wegbereiter kann U.
LOBBEDEY angesehen werden. Er führte in den Jahren
1965 und 1966 die vor dem Einbau einer neuen Heizung
im Münster notwendig gewordenen Untersuchungen
durch. 1972 folgte, ebenfalls vor einem Heizungsein-
bau, die Untersuchung der Wolderuskapelle. Im Zu-
sammenhang mit dieser Grabung wurden auch einige
Schnitte westlich vor der Kapelle angelegt. Bereits 1975
war eine Neugestaltung der Flächen um die Münsterkir-
che geplant, so daß Lobbedey die Gelegenheit zur Un-
tersuchung des Areals zwischen Wolderuskapelle und
Münsterkirche nutzte.
Es kann als besonderer Glücksfall gelten, daß diese
Grabungen alle in einer Hand lagen und daß sie mit der
gleichen Grabungs- und Dokumentationsmethode wie
die Grabungen 1988-90 ausgeführt worden sind.
Die Grabungen erfolgten nach der Anlage eines ersten
Planums in natürlichen Schichten. Jeder Befund wurde
in der Zeichnung mit einer fortlaufenden Nummer ver-
sehen; unter dieser ist er im vorliegenden Katalog be-
schrieben. Ergänzend zum Katalog und den Profil- und
Flächenzeichnungen wurde ein Grabungstagebuch ge-
führt. Diese Dokumentationsarbeit hat sich bei der Auf-
arbeitung hervorragend bewährt. Die Einbeziehung der
Grabungen LOBBEDEYs war relativ problemlos möglich,
da die genaue Dokumentation einen hohen Grad der
Nachvollziehbarkeit gewährleistete und das für die Auf-
arbeitung der Grabung 1988-90 gewählte Arbeitsverfah-
ren ohne Änderung weitergeführt werden konnte. Es
zeigte sich, daß bei einer solch präzisen Dokumentation
auch ein fünfundzwanzigjähriger Zeitraum zwischen
Grabung und Auswertung nicht zu Lasten der Interpre-
tationsfähigkeit gehen muß, vor allem, wenn Rückspra-
chen mit dem Ausgräber jederzeit möglich sind. Die
von LOBBEDEY in seinen Vorberichten vorgeschlagenen
Interpretationen und Thesen konnten in mehreren Fällen
auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse ergänzt wer-
den. Zur Deutung der Befunde der ersten Bauphasen
unter der Münsterkirche werden neue Vorschläge zur
Diskussion gestellt.
Vor den Untersuchungen Lobbedeys hatte Anfang der
dreißiger Jahre L. Telger insbesondere im Westen der
Münsterkirche einige Schürfungen unternommen, die
jedoch auf die Freilegung von Mauerfluchten be-
schränkt blieben und ohne archäologischen Sachver-
stand ausgeführt wurden. Die Arbeit Telgers kann da-
her nur zur kunstgeschichtlichen Wertung des stehenden
Münsters herangezogen werden. Die vorliegende Gra-
bungsdokumentation stützt sich somit auf die von LOB-
BEDEY sowie die vom Verfasser geleiteten Grabungen.
Die Befunde werden in einem gesonderten Katalog und
in den Flächen- bzw. Profilzeichnungen dargestellt. Der
Katalog dient vor allem der Erarbeitung und Kontrolle
einzelner Befundzusammenhänge. Er ermöglicht mit
der Angabe der Zone und der Koordinaten ein Auffin-
den der Befunde in den Flächenzeichnungen und enthält
Verweise auf Abbildungen.
Die Einteilung in Zonen wurde nach inhaltlichen und
praktischen Gesichtspunkten vorgenommen. Baulich
zusammenhängende Teile sind, wenn möglich, in einer
Zone zusammengefaßt worden (z.B. Nordtrakt, Osttrakt,
Westtrakt etc.). Die Zoneneinteilung ersetzt die wäh-
rend der Grabung zuerst gewählte Schnittfolge, die auf-
grund der Größe der Grabung und der durch die Bau-
1.1 Ablauf und Ziel der Ausgrabung,
Gliederung der Arbeit
Die Untersuchungen im Bereich des Rathausplatzes/
Münsterkirchplatzes waren von Seiten des Westfäli-
schen Museums für Archäologie zunächst nur als bau-
begleitende Maßnahmen geplant. Die Stadt Herford be-
absichtigte, im Rahmen einer Städtebauförderungsmaß-
nahme das Areal zur 1200-Jahrfeier umzugestalten.
Bereits bei Beginn der archäologischen Beobachtungen
im April 1988 stellte sich heraus, daß trotz erheblicher
Abtragungen beim Rathausbau archäologische Substanz
erhalten geblieben war, die allerdings nur bei einer flä-
chigen Untersuchung zu auswertbaren Ergebnissen füh-
ren würde. Daher wurde in Verhandlungen mit der Stadt
und den Bauunternehmern trotz bereits abgeschlossener
und terminierter Verträge ein Zeitplan erarbeitet, der die
archäologische Untersuchung der wichtigsten Flächen
vor der Zerstörung ermöglichte. Aus dem Untersu-
chungsbereich wurde das Areal südlich der Münsterkir-
che ausgeklammert. Die Anlage von Leitungsschächten
hatte gezeigt, daß es bei der jahrhundertelangen Nut-
zung als Friedhof über und über mit Gräbern belegt
worden war.
Da ein Suchschnitt nördlich der Wolderuskapelle eine
Fülle von Fundamenten und Bodenhorizonten erkennen
ließ, wurde dieser Bereich ebenso wie das Gebiet im
Nordosten der Münsterkirche aus der für 1988 geplan-
ten Umgestaltungsmaßnahme genommen und konnte so
1989 und 1990 ohne Zeitdruck untersucht werden. Der
Straßenbereich westlich der Miinsterkirche und der
Wolderuskapelle sowie der Rathausplatz mußten jedoch
noch 1988 fertiggestellt werden, so daß dort die Gra-
bungen parallel zu den Bauarbeiten mit einem engen
Terminplan ausgeführt wurden. Diese Regelung zwi-
schen Bodendenkmalpflege, Stadt und Bauunterneh-
mern ermöglichte die archäologische Dokumentation
einer insgesamt ca. 4500 m2 großen Fläche. Die Gra-
bungen wurden 1988-1990 in den Monaten April bis
November mit einem aus Abiturienten und Studenten
gebildeten Grabungsteam von 10-15 Personen unter
Leitung des Autors durchgeführt.
Die Erforschung des Herforder Stiftsbezirkes setzte je-
doch schon früher ein. Als ihr Wegbereiter kann U.
LOBBEDEY angesehen werden. Er führte in den Jahren
1965 und 1966 die vor dem Einbau einer neuen Heizung
im Münster notwendig gewordenen Untersuchungen
durch. 1972 folgte, ebenfalls vor einem Heizungsein-
bau, die Untersuchung der Wolderuskapelle. Im Zu-
sammenhang mit dieser Grabung wurden auch einige
Schnitte westlich vor der Kapelle angelegt. Bereits 1975
war eine Neugestaltung der Flächen um die Münsterkir-
che geplant, so daß Lobbedey die Gelegenheit zur Un-
tersuchung des Areals zwischen Wolderuskapelle und
Münsterkirche nutzte.
Es kann als besonderer Glücksfall gelten, daß diese
Grabungen alle in einer Hand lagen und daß sie mit der
gleichen Grabungs- und Dokumentationsmethode wie
die Grabungen 1988-90 ausgeführt worden sind.
Die Grabungen erfolgten nach der Anlage eines ersten
Planums in natürlichen Schichten. Jeder Befund wurde
in der Zeichnung mit einer fortlaufenden Nummer ver-
sehen; unter dieser ist er im vorliegenden Katalog be-
schrieben. Ergänzend zum Katalog und den Profil- und
Flächenzeichnungen wurde ein Grabungstagebuch ge-
führt. Diese Dokumentationsarbeit hat sich bei der Auf-
arbeitung hervorragend bewährt. Die Einbeziehung der
Grabungen LOBBEDEYs war relativ problemlos möglich,
da die genaue Dokumentation einen hohen Grad der
Nachvollziehbarkeit gewährleistete und das für die Auf-
arbeitung der Grabung 1988-90 gewählte Arbeitsverfah-
ren ohne Änderung weitergeführt werden konnte. Es
zeigte sich, daß bei einer solch präzisen Dokumentation
auch ein fünfundzwanzigjähriger Zeitraum zwischen
Grabung und Auswertung nicht zu Lasten der Interpre-
tationsfähigkeit gehen muß, vor allem, wenn Rückspra-
chen mit dem Ausgräber jederzeit möglich sind. Die
von LOBBEDEY in seinen Vorberichten vorgeschlagenen
Interpretationen und Thesen konnten in mehreren Fällen
auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse ergänzt wer-
den. Zur Deutung der Befunde der ersten Bauphasen
unter der Münsterkirche werden neue Vorschläge zur
Diskussion gestellt.
Vor den Untersuchungen Lobbedeys hatte Anfang der
dreißiger Jahre L. Telger insbesondere im Westen der
Münsterkirche einige Schürfungen unternommen, die
jedoch auf die Freilegung von Mauerfluchten be-
schränkt blieben und ohne archäologischen Sachver-
stand ausgeführt wurden. Die Arbeit Telgers kann da-
her nur zur kunstgeschichtlichen Wertung des stehenden
Münsters herangezogen werden. Die vorliegende Gra-
bungsdokumentation stützt sich somit auf die von LOB-
BEDEY sowie die vom Verfasser geleiteten Grabungen.
Die Befunde werden in einem gesonderten Katalog und
in den Flächen- bzw. Profilzeichnungen dargestellt. Der
Katalog dient vor allem der Erarbeitung und Kontrolle
einzelner Befundzusammenhänge. Er ermöglicht mit
der Angabe der Zone und der Koordinaten ein Auffin-
den der Befunde in den Flächenzeichnungen und enthält
Verweise auf Abbildungen.
Die Einteilung in Zonen wurde nach inhaltlichen und
praktischen Gesichtspunkten vorgenommen. Baulich
zusammenhängende Teile sind, wenn möglich, in einer
Zone zusammengefaßt worden (z.B. Nordtrakt, Osttrakt,
Westtrakt etc.). Die Zoneneinteilung ersetzt die wäh-
rend der Grabung zuerst gewählte Schnittfolge, die auf-
grund der Größe der Grabung und der durch die Bau-


