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M. Wemhoff, Das Damenstift Herford
maßnahmen bestimmten Schnittanlage nicht beibehalten
werden konnte.
Innerhalb der Zonen wurde jeder Befund einer Bau-
phase zugeordnet. Jede größere Baumaßnahme, die
auch die Umfassungsmauern eines Gebäudes betraf,
bildet eine eigenständige Bauphase. Umbauten inner-
halb eines Gebäudes werden mit dem Namen der Bau-
phase und einem Buchstaben gekennzeichnet (z.B.
Nordtrakt Ila-c).
Die Benennung der Bauphasen erfolgt nach der Lage im
Klausurgeviert, oder, wenn bekannt, nach dem Namen
des Gebäudes (z.B. Abtei, Schlafhaus). Die im Urkata-
ster aufgeführten Häuser werden nach ihrem Besitzer im
Jahre 1827 bezeichnet (z.B. Haus Saarmann). Die Nu-
merierung der Bauphasen als Nordtrakt I, Nordtrakt II
usw. gibt nur die chronologische Abfolge innerhalb ei-
ner Zone an, sie bedeutet nicht, daß z.B. Nordtrakt III
zeitgleich mit Osttrakt III gestanden hat. Nicht immer
konnten die Baumaßnahmen genau bestimmt werden.
Dies gilt insbesondere für die Zuordnung einzelner Pfo-
stengruben, so daß hier versucht wurde, ältere und jün-
gere Pfostengruben in verschiedene Pfostenbauphasen
zu trennen.
Einen Sonderfall der "Bauphasen" bildeten die Fried-
höfe. Hier wäre ein Begriff wie "Nutzungsphasen" si-
cher angemessener gewesen. Nahezu in allen Zonen
fanden sich Gräber des Friedhofs zur Zeit der Gründung
Waltgers. Dieser Friedhof wurde in jeder Zone mit der
Bauphase "Alter Friedhof" bezeichnet. Die jüngeren
Friedhofsareale in Zone V, Zone VII und Zone X tragen
die Bezeichnung "Neuzeitlicher Friedhof”.
Nahezu alle Befunde konnten einer Bauphase zugeord-
net werden. Die Bauphasen werden geordnet innerhalb
der Zonen vorgestellt. An deren Beginn steht jeweils die
Zonenbeschreibung. Dort werden zunächst Art und
Dauer der Grabung in der jeweiligen Zone sowie die
Erhaltung der Befunde erläutert. Daran schließt sich
eine zusammenfassende Erläuterung der Befundzu-
sammenhänge an. Hier werden auch Befunde erwähnt,
die keiner Bauphase zuzuordnen sind. Das Lesen einer
Zonenbeschreibung bietet sich an, wenn eine Einfüh-
rung in das jeweilige Areal benötigt wird. Zur einzelnen
Bauphase bieten sie keine weitergehenden Erkenntnisse.
Der einzelnen Bauphase ist eine tabellarische Übersicht
aller Befunde vorangestellt. Die Tabelle ist chronolo-
gisch von oben nach unten aufgebaut, d.h. die erstge-
nannten Befunde stammen aus der Erbauungszeit, die
letztgenannten aus der Zeit der Aufgabe der Bauphase.
Am Ende einer Bauphase werden die Kleinfunde vorge-
stellt. Auf ihrer Grundlage und unter Einbeziehung der
stratigraphischen Einbindung der Bauphase wird ein
Datierungsversuch unternommen, dem, falls vorhanden,
die historische Überlieferung hinzugefügt ist.
Nach einem ähnlichen Prinzip erfolgt dann die Zusam-
menfassung der Bauphasen zu Perioden. Eine Periode
umfaßt alle zeitgleich stehenden Gebäude auf dem
Platz. Als Periodenbegrenzungen boten sich mehrmals
große Brandzerstörungen an, die jeweils den Neubau
des größten Teils der Gebäude zur Folge hatten. Die Pe-
rioden III-V sind nochmals unterteilt in die Perioden a
und b, da die Trennung der zum Beginn einer Periode
errichteten Gebäude von den während der längeren Nut-
zungszeit vorgenommenen Baumaßnahmen sinnvoll er-
schien.
Am Anfang einer Periode werden die zugehörigen Bau-
phasen, nach Zonen geordnet, aufgelistet. Dann folgt
die Beschreibung der archäologisch nachweisbaren Ge-
samtbebauung. An diese schließt sich die archäologi-
sche Datierung der Periode an. Die Vorstellung der hi-
storischen Überlieferung beschränkt sich im Wesentli-
chen auf die für die Baugeschichte ergiebigen Quellen.
Ein historischer Abriß der Stiftsentwicklung in dieser
Periode wird nur allgemein vorgenommen. Ziel der
Auswertung der historischen Überlieferung ist es auch,
weitere Datierungshinweise zu gewinnen, die anschlie-
ßend mit der archäologischen Datierung verglichen
werden. In einem abschließenden Abschnitt wird dann
die für Herford nachweisbare Bauentwicklung mit der
anderer Damenstifte verglichen. In der Periode II, der
Waltgerschen Gründung) und in der Periode Illa, dem
Stiftausbau unter Ludwig dem Frommen, wird der Ver-
gleich über die Gruppe der Damenstifte hinaus auf
Männerklöster und die Situation im Westfalen der Mis-
sionszeit ausgeweitet.
Ziel der Arbeit war, auf der Grundlage der Auswertung
der archäologischen Befunde eine Bauabfolge für das
Damenstift zu erarbeiten. Dagegen konnte und kann es
nicht Aufgabe der Archäologie sein, eine umfassende
Stiftsgeschichte zu schreiben; dieses stellt vielmehr bis
heute ein seitens der historischen Forschung dringend
zu erarbeitendes Desiderat dar.
Ausgrabung und Auswertung geschahen in der Absicht,
einige bisher umstrittene Fragen zur Herforder Stiftsge-
schichte einer Klärung näherzubringen.
Die erste Frage galt der Gründung des Stiftes. In der hi-
storischen Forschung blieb lange umstritten, ob dem
Reichsstift unter Ludwig dem Frommen die Gründung
eines sächsischen Adeligen Waltger voranging. So
schrieb noch 1991 M. PARISSE, daß es "unsicher ist, ob
diese missionarische Handlung mit der Beteiligung ei-
nes lokalen Adeligen verbunden war, wie es die Über-
lieferung mit dem Namen des Waltger nahezulegen
schcint."1 Auf diese Diskussion wird im folgenden Ka-
pitel näher eingegangen. Der Streit entzündete sich an
der Glaubwürdigkeit der Vita Waltgeri, die jüngst noch
von C.-M. Raddatz als Fälschung des 13. Jahrhunderts
betrachtet worden ist.2
Bei den Ausgrabungen Lobbedeys war bereits der alte
Friedhof mit beigabenlosen, geosteten Gräbern unter der
Münsterkirche angeschnitten worden, so daß deutliche
Hinweise auf eine der Steinbauphase vorangehende, äl-
tere Holzbauphase vorhanden waren. Über die Ausdeh-
1 Parisse 1991, 468.
2 Raddatz 1991, 53f. - Ein guter Forschungsüberblick findet sich
ebd. lff.
M. Wemhoff, Das Damenstift Herford
maßnahmen bestimmten Schnittanlage nicht beibehalten
werden konnte.
Innerhalb der Zonen wurde jeder Befund einer Bau-
phase zugeordnet. Jede größere Baumaßnahme, die
auch die Umfassungsmauern eines Gebäudes betraf,
bildet eine eigenständige Bauphase. Umbauten inner-
halb eines Gebäudes werden mit dem Namen der Bau-
phase und einem Buchstaben gekennzeichnet (z.B.
Nordtrakt Ila-c).
Die Benennung der Bauphasen erfolgt nach der Lage im
Klausurgeviert, oder, wenn bekannt, nach dem Namen
des Gebäudes (z.B. Abtei, Schlafhaus). Die im Urkata-
ster aufgeführten Häuser werden nach ihrem Besitzer im
Jahre 1827 bezeichnet (z.B. Haus Saarmann). Die Nu-
merierung der Bauphasen als Nordtrakt I, Nordtrakt II
usw. gibt nur die chronologische Abfolge innerhalb ei-
ner Zone an, sie bedeutet nicht, daß z.B. Nordtrakt III
zeitgleich mit Osttrakt III gestanden hat. Nicht immer
konnten die Baumaßnahmen genau bestimmt werden.
Dies gilt insbesondere für die Zuordnung einzelner Pfo-
stengruben, so daß hier versucht wurde, ältere und jün-
gere Pfostengruben in verschiedene Pfostenbauphasen
zu trennen.
Einen Sonderfall der "Bauphasen" bildeten die Fried-
höfe. Hier wäre ein Begriff wie "Nutzungsphasen" si-
cher angemessener gewesen. Nahezu in allen Zonen
fanden sich Gräber des Friedhofs zur Zeit der Gründung
Waltgers. Dieser Friedhof wurde in jeder Zone mit der
Bauphase "Alter Friedhof" bezeichnet. Die jüngeren
Friedhofsareale in Zone V, Zone VII und Zone X tragen
die Bezeichnung "Neuzeitlicher Friedhof”.
Nahezu alle Befunde konnten einer Bauphase zugeord-
net werden. Die Bauphasen werden geordnet innerhalb
der Zonen vorgestellt. An deren Beginn steht jeweils die
Zonenbeschreibung. Dort werden zunächst Art und
Dauer der Grabung in der jeweiligen Zone sowie die
Erhaltung der Befunde erläutert. Daran schließt sich
eine zusammenfassende Erläuterung der Befundzu-
sammenhänge an. Hier werden auch Befunde erwähnt,
die keiner Bauphase zuzuordnen sind. Das Lesen einer
Zonenbeschreibung bietet sich an, wenn eine Einfüh-
rung in das jeweilige Areal benötigt wird. Zur einzelnen
Bauphase bieten sie keine weitergehenden Erkenntnisse.
Der einzelnen Bauphase ist eine tabellarische Übersicht
aller Befunde vorangestellt. Die Tabelle ist chronolo-
gisch von oben nach unten aufgebaut, d.h. die erstge-
nannten Befunde stammen aus der Erbauungszeit, die
letztgenannten aus der Zeit der Aufgabe der Bauphase.
Am Ende einer Bauphase werden die Kleinfunde vorge-
stellt. Auf ihrer Grundlage und unter Einbeziehung der
stratigraphischen Einbindung der Bauphase wird ein
Datierungsversuch unternommen, dem, falls vorhanden,
die historische Überlieferung hinzugefügt ist.
Nach einem ähnlichen Prinzip erfolgt dann die Zusam-
menfassung der Bauphasen zu Perioden. Eine Periode
umfaßt alle zeitgleich stehenden Gebäude auf dem
Platz. Als Periodenbegrenzungen boten sich mehrmals
große Brandzerstörungen an, die jeweils den Neubau
des größten Teils der Gebäude zur Folge hatten. Die Pe-
rioden III-V sind nochmals unterteilt in die Perioden a
und b, da die Trennung der zum Beginn einer Periode
errichteten Gebäude von den während der längeren Nut-
zungszeit vorgenommenen Baumaßnahmen sinnvoll er-
schien.
Am Anfang einer Periode werden die zugehörigen Bau-
phasen, nach Zonen geordnet, aufgelistet. Dann folgt
die Beschreibung der archäologisch nachweisbaren Ge-
samtbebauung. An diese schließt sich die archäologi-
sche Datierung der Periode an. Die Vorstellung der hi-
storischen Überlieferung beschränkt sich im Wesentli-
chen auf die für die Baugeschichte ergiebigen Quellen.
Ein historischer Abriß der Stiftsentwicklung in dieser
Periode wird nur allgemein vorgenommen. Ziel der
Auswertung der historischen Überlieferung ist es auch,
weitere Datierungshinweise zu gewinnen, die anschlie-
ßend mit der archäologischen Datierung verglichen
werden. In einem abschließenden Abschnitt wird dann
die für Herford nachweisbare Bauentwicklung mit der
anderer Damenstifte verglichen. In der Periode II, der
Waltgerschen Gründung) und in der Periode Illa, dem
Stiftausbau unter Ludwig dem Frommen, wird der Ver-
gleich über die Gruppe der Damenstifte hinaus auf
Männerklöster und die Situation im Westfalen der Mis-
sionszeit ausgeweitet.
Ziel der Arbeit war, auf der Grundlage der Auswertung
der archäologischen Befunde eine Bauabfolge für das
Damenstift zu erarbeiten. Dagegen konnte und kann es
nicht Aufgabe der Archäologie sein, eine umfassende
Stiftsgeschichte zu schreiben; dieses stellt vielmehr bis
heute ein seitens der historischen Forschung dringend
zu erarbeitendes Desiderat dar.
Ausgrabung und Auswertung geschahen in der Absicht,
einige bisher umstrittene Fragen zur Herforder Stiftsge-
schichte einer Klärung näherzubringen.
Die erste Frage galt der Gründung des Stiftes. In der hi-
storischen Forschung blieb lange umstritten, ob dem
Reichsstift unter Ludwig dem Frommen die Gründung
eines sächsischen Adeligen Waltger voranging. So
schrieb noch 1991 M. PARISSE, daß es "unsicher ist, ob
diese missionarische Handlung mit der Beteiligung ei-
nes lokalen Adeligen verbunden war, wie es die Über-
lieferung mit dem Namen des Waltger nahezulegen
schcint."1 Auf diese Diskussion wird im folgenden Ka-
pitel näher eingegangen. Der Streit entzündete sich an
der Glaubwürdigkeit der Vita Waltgeri, die jüngst noch
von C.-M. Raddatz als Fälschung des 13. Jahrhunderts
betrachtet worden ist.2
Bei den Ausgrabungen Lobbedeys war bereits der alte
Friedhof mit beigabenlosen, geosteten Gräbern unter der
Münsterkirche angeschnitten worden, so daß deutliche
Hinweise auf eine der Steinbauphase vorangehende, äl-
tere Holzbauphase vorhanden waren. Über die Ausdeh-
1 Parisse 1991, 468.
2 Raddatz 1991, 53f. - Ein guter Forschungsüberblick findet sich
ebd. lff.


