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Wemhoff, Matthias <Prof. Dr.>
Das Damenstift Herford: die archäologischen Ergebnisse zur Geschichte der Profan- und Sakralbauten seit dem späten 8. Jahrhundert (Band 1): Text — Bonn, 1993

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.29808#0230
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212

E. Gaida

ten Erhaltungszustandes keine Geschlechtsbestimmung
durchgeführt werden. Ein Frauendefizit, wie aus ande-
ren Untersuchungen berichtet, kann für die vorliegende
Stichprobe nicht festgestellt werden.

Gruppe absolute Werte relative Werte

männlich

15

32.6%

männlich (?)

1

2.2%

weiblich

14

30.4%

weiblich (?)

3

6.5%

geschlechtsunbestimmt

8

17.4%

Kinder u. Jugendliche

5

10.9%

Gesamt

46

100.0%

Tab. 1 Geschlechterverhältnis der erwachsenen Individuen und
Anzahl der Kinder und Jugendlichen.

II.2 Altersstruktur

Der Altersaufbau einer Bevölkerung ist ein gutes Spie-
gelbild der kulturellen Entwicklungsstufe, der medizini-
schen Versorgung und der hygienischen Verhältnisse.
Allerdings muß bei der Altersanalyse einer Skelettserie
immer auch in Betracht gezogen werden, daß die er-
mittelten Daten eine Verzerrung der tatsächlichen Ver-
hältnisse, wie sie in der Lebendbevölkerung geherrscht
haben, wegen möglicher Sonderbestattungsformen dar-
stellen können.

Wie aus Tabelle 2 zu ersehen ist, sind die Altersklassen
Infans I und II mit zwei bzw. drei Individuen sehr
schwach besetzt. Für die Altersstufe Juvenis liegt kein
Individuum vor. Hier muß aber die unsichere Bestim-
mung eines Individuums als subadult oder frühadult in
Erwägung gezogen werden, da die Übergänge zwischen
den Altersklassen fließend sind.

Die Gruppe der Subadulten scheint mit 10% unterreprä-
sentiert zu sein, was auch in einem Vergleich mit ande-
ren Serien (s.a. Schollmayer 1983, Henke u. Nedder
1981) zum Ausdruck kommt, in denen der Anteil die-

ser Gruppe Werte zwischen 20% und 30% erreicht. An
diesen Zahlen wird deutlich, daß die Herforder Serie
einen nicht-repräsentativen Ausschnitt aus dem Gräber-
feld darstellt, denn aufgrund der hohen Säuglings- und
Kindersterblichkeit in früheren Bevölkerungen müßte
insbesondere die Altersklasse Infans I sehr viel stärker
besetzt sein.

Die Altersklassen der Adulten und Maturen zeigen er-
wartungsgemäß die höchsten Werte. Der Anteil der
Maturen liegt mit 15 Individuen oder 32% geringfügig
über dem der Adulten mit 14 Individuen oder 30%. Die
Angaben über den Anteil dieser beiden Altersklassen an
der Gesamtzahl der Bestatteten in anderen Serien sind
nicht einheitlich. Es wird sowohl von einem Überwie-
gen der Adulten als auch von einem Überwiegen der
Maturen berichtet (s.a. SCHOLLMAYER 1983, Henke u.
NEDDER 1981).

Der Anteil der Senilen ist mit zwei Individuen oder 4%
sehr niedrig. Die Wahrscheinlichkeit, die senile Alters-
stufe zu erreichen, scheint in der hier untersuchten Her-
forder Bevölkerung sehr gering gewesen zu sein. Aller-
dings müssen bei der Feststellung der Lebenserwartung
einer Bevölkerung auch schichtenspezifische Differen-
zen berücksichtigt werden, denn Angehörige gehobener
Sozialschichten hatten eine höhere Lebenserwartung als
die sozial niedriger stehende bäuerliche Bevölkerung.

Zur Beantwortung der Frage, ob der Anteil der weibli-
chen Individuen in der adulten Altersstufe aufgrund der
hohen Wochenbettsterblichkeit größer ist als der Anteil
der männlichen Individuen, wurde die Altersstruktur der
erwachsenen Bestatteten nach Geschlechtern aufge-
schlüsselt unter Hinzuzählung der nicht sicher be-
stimmten Männer bzw. Frauen zu dem jeweiligen Ge-
schlecht (Tab. 3). Es zeigt sich zwar ein geringfügiges
Überwiegen der adulten Frauen gegenüber den adulten
Männern, aber das ausgeglichene Geschlechterverhält-
nis in der maturen Alterstufe läßt eine eindeutige Inter-
pretation dieser Ergebnisse nicht zu.

Jahre

absolute Werte

relative Werte

Altersstufen

(nach Martin 1928)

0-6

2

4.3%

Infans I

7-13

3

6.5%

Infans II

14-19

0

0.0%

Juvenis

20-39

14

30.4%

Adultus

40-59

15

32.6%

Maturus

60-x

2

4.3%

Senilis

mind. adult

6

13.0%


nicht feststellbar

4

8.7%


Tab. 2 Altersstruktur (n = 46) der untersuchten Individuen.
 
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