Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
73

III. Aequalitas. Das intermediäre Altarbild
im Dialog mit dem gläubigen Betrachter

i. Identifikation und Medium
Stellt man die Frage nach der Herkunft oder dem Ort der Entstehung intermediärer Altarbild-
formen, so ist es einigermaßen auffällig, daß die hier zusammengetragenen Mediensynthesen
seit dem frühen 15. Jahrhundert vor allem aus Mittelitalien - Toskana, Umbrien, Marken -
stammen. Zentrale Orte der Produktion waren Lucca,1 Siena, Perugia und viele kleinere um-
brische Orte. Ausgehend von dem Postulat der Vergegenwärtigung,2 die mit den im Zentrum
der Untersuchung stehenden Bildern vermittels ihrer Medienkombination erreicht werden
sollte, überrascht es nicht, daß in derselben Region seit dem 13. Jahrhundert, vor allem jedoch
im 15. Jahrhundert, Presepe sowie Gruppen der Kreuzabnahme und der Beweinung mit stark
devotionalem Charakter in großer Blüte standen.3

1 In SS. Paolino e Donato und S. Michele in Foro
haben noch heute Folgephänomene des 17. bis 19.
Jahrhunderts überdauert, vgl. Anhang Kat. 43 mit
Verweisen.
2 Die Vergegenwärtigungs- oder Aktualisierungsstra-
tegien sind ein bedeutendes Thema der sakralen
Kunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Sie
reichen von der Empfehlung Giovanni Dominicis,
Kindern kindgerechte Themen und Heilige für ihre
Andacht zu empfehlen, um eine größere Identifizie-
rung zu erlangen, bis hin zu Aktualisierungen des
Ortes und des sakralen Objekts, wenn sich im Jahre
1407 Giovanni di Pagolo Morelli am Jahrestag des
Todes seines Sohnes vor das gleiche Kruzifix kniet,

vor dem auch sein kranker Sohn betete, sowie die
Empfehlung des Giardi.no de oratione, in dem für
die Wirksamkeit des Gebets vorgeschlagen wird,
sich das Aussehen Christi zu imaginieren (»sapere
[...] come era fatta la sua persona«) (Zitat und Bei-
spiele nach Prosperi 1988, S. 586).
Vor allem Bruderschaften trugen entscheidend zur
Verbreitung der depositio crzzcz's-Gruppen bei, vgl.
Pochat 1990, S. 63, der beschreibt, daß die Bruder-
schaften mit dem Vorzeigemotiv der durchbohrten
Hände des Gekreuzigten eine charakteristische bild-
liche Ausprägung für ihre devotionale Glaubenshal-
tung fanden.
 
Annotationen