Werner, Wilfried
Die mittelalterlichen nichtliturgischen Handschriften des Zisterzienserklosters Salem — Wiesbaden, 2000

Page: 153
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COD. SAL. VIII 85

Diese Predigtreihe mit dem Initium der ersten Predigt angeführt bei Schneyer, Weg-
weiser, S. 151: nur ds. Hs. genannt; als solche im „Repertorium" nicht berücksichtigt:
nicht im „Bibliotheken- und Handschriftenverzeichnis" von Bd. 11 (S.562) genannt.

443r ...in epistula hodierna secundum ordinarium predicatorum, jedoch ohne Predigt
zu Dominicus, während Bernhard- (41r u.ö.) sowie Franciscus-Predigten (3741) vor-
handen sind und - neben häufig Johannes Chrysostomus, Hilarius, Augustin, Cassio-
dor, Gregor, Isidor, Beda, Anselm, Hugo (de disciplina monachorum), Bernhard und
anderen - der Franziskaner Robert Grosseteste (Lyncolniensis 226r) als Autorität ge-
nannt und zitiert wird. Mehrere Predigten zu Fronleichnam. Aufallend häufig der
Hinweis auf die experiencia sowie auf die antiqui {Aristoteles, Seneca, Vegecius de re
militari): Diese häufig als Autoritäten angeführt. Insgesamt von großem rhetorischen
Gelehrsamkeitsanspruch. Auch insofern wäre an Paris als Entstehungsort zu denken.

COD. SAL. VIII 85
St. Georgs-Legende

Papier • 44 Bll. • 28 x 19,5 cm ■ schwäbisch, 2. Hälfte 15. Jh. (um 1470)

Bll. 1-44; von Bl. 1 nur die untere, von Bl. 30 nur die obere Ecke bewahrt (mit jeweils etwa dem
achten Teile des Textes); die ersten beiden Blätter fehlen ganz; Papier in 2°, Wasserzeichen Hift-
horn ähnlich Briquet 7783 (Württemberg 1470), Piccard IV 36 (Tübingen 1471); alte Zählung
am oberen Rand 3 - 46, teilweise weggeschnitten. Lagen: von den beiden neuen Vorsatzblättern
ist das zweite jetzt mit Bl. 11 verbunden, dadurch VI11 +2 VI35 + (VI-443)44 + 1 neues Vorsatz;
keine Kustoden oder Reklamanten. Schriftraum ca. 21,5 x 14 cm, von Tintenlinien eingefaßt.
27(-30) Zeilen auf Bhndlmien. Klare, steile Littera bastarda von einer Hand. Rubriziert.

Neuer Pergamenteinband; Ecken des Buchblocks stark abgerundet (alt); zahlreiche Blätter mit
Japanpapier ausgebessert, vor allem zu Beginn und am Schluß der Handschrift.

Herkunft: Ohne Besitzvermerk und ältere Signaturen. Dem Dialekt nach aus dem schwäbischen
Raum.

Schreibsprache: Im wesentlichen westschwäbisch, jedoch ai 1. als Schreibung für mhd. ei und 2.
wortgebunden fast regelmäßig für mhd. kurzes a (ain = an, kaim = kam, waiß = was, 6r rain -
ran, 5r ciaig = clag, 5V so hain ich = han: „jüngere lokalmundartliche Diphthonge" ?, vgl. V. Mo-
ser, Frühneuhochdeutsche Grammatik 1,1 [1929], S.21 Anm. 2).

Bartsch, Nr.419 (S.205).

l-44v St.-Georgs-Legende (Prosaauflösung des „Georg" Reinbots von Durne). -
[Es spricht sant Paulus wer da volhertet... Es waz gar ain edler margraff ze Palastin der
hies Jorg ...](: Anfang fehlt, hier nach London BM, Ms. Add. 19462) 1v unten:... gnad
edler her das wer nit recht/... und hand kainen sun/ 2r... und wollen üch bitten daz ir
üwern künglich gewalt mit unß taillent... - 44v ... daz wir och siner marter tailhafftig
w[erden] und all zit stritten und vechten wider alle ontugent ... das wir och alles das

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