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Wir waren zu dem Schlusse gelangt, dass bei sonst unver-
änderter Lage des Marktes eine noch so ldeine aber andauernde
Zinsherabsetzung seitens der Kreditanstalten eine stetige, mehr oder
weniger gleichförmige, und somit schliesslich jedes Mass iiber-
steigende Erhöhung des allgemeinen Niveaus der Warenpreise her-
vorrufen würde. In analoger, nur gerade entgegengesetzter Weise
würde natürlich eine nocli so kleine Zinserhöhung, wenn sie nur
hinreichend lange bestehn bleibt, eine stetige, schliesslich unter jede
Grenze herabsteigende Preiserniedrigung aller Waren und Lei-
stungen verursachen.
Das anscheinend äusserst kühne oder sogar paradoxe dieser
Behauptungen verschwindet einigermassen, wenn man bedenkt, dass
die Zinshöhe, welche wir im obigen als die „früherei', die „markt-
übliche“ u. s. f. bezeichnet haben, unter oder iiber welche die voraus-
gesetzten Abweichungen geschahen, nicht etwa ein stets gleicher,
in concreto angebbarer Prozentsatz ist, sondern vielmehr immer nur
diejenige ßate bedeutet, welche an sich bei der betreffenden Lage des
Marktes die Güterpreise unverändert zu erhalten geeignet ist. Dass
es jedesmal einen solchen Zinsfuss geben müsse, war die still-
schweigende Voraussetzung unseres ganzen Raisonnements. Ob- er
aber auch wirklich existiert und wie er beschaffen sein mag, um
diesen Zweck zu erfüllen, damit sowie mit den sich daran an-
kniipfenden Fragen über die Bestimn^ungsgründe des Geldzinses
können wir uns erst im nächsten Abschnitt beschäftigen.
Es erhellt aus dem oben gesagten — insoweit unsere hypo-
thetischen Schlussfolgerungen sonst mit der Wirklichkeit überein-
stimmen —, eine wie grundverschiedene Erscheinung, zumal bei
voll entwickeltem Kreditsystem, die Bewegung und das Gleichge-
wicht der konkreten Geldpreise gegenüber denjenigen der rela-
tiven Preise sind. Letztere sind etwa mit einem mechanischen
System, welches den Anforderungen des stabilen Gleichgewichts
erfüllt, z. B. einem aufgehängten Pendel vergleichbar. Jede Ab-
weichung von der Gleichgewichtslage ruft sofort Kräfte hervor —
desto stärker, je grösser die Abweichung — welche das System
nach der urspriinglichen Lage zurückzuführen streben und dies
auch, wenngleich erst nach einigen Oscillationen hin und her, wirk-
lich erreichen.
Das analoge Bild für die Geldpreise wäre vielmehr ein leicht
beweglicher Gegenstand, z. B. ein Cylinder, welcher auf einer hori-
Wir waren zu dem Schlusse gelangt, dass bei sonst unver-
änderter Lage des Marktes eine noch so ldeine aber andauernde
Zinsherabsetzung seitens der Kreditanstalten eine stetige, mehr oder
weniger gleichförmige, und somit schliesslich jedes Mass iiber-
steigende Erhöhung des allgemeinen Niveaus der Warenpreise her-
vorrufen würde. In analoger, nur gerade entgegengesetzter Weise
würde natürlich eine nocli so kleine Zinserhöhung, wenn sie nur
hinreichend lange bestehn bleibt, eine stetige, schliesslich unter jede
Grenze herabsteigende Preiserniedrigung aller Waren und Lei-
stungen verursachen.
Das anscheinend äusserst kühne oder sogar paradoxe dieser
Behauptungen verschwindet einigermassen, wenn man bedenkt, dass
die Zinshöhe, welche wir im obigen als die „früherei', die „markt-
übliche“ u. s. f. bezeichnet haben, unter oder iiber welche die voraus-
gesetzten Abweichungen geschahen, nicht etwa ein stets gleicher,
in concreto angebbarer Prozentsatz ist, sondern vielmehr immer nur
diejenige ßate bedeutet, welche an sich bei der betreffenden Lage des
Marktes die Güterpreise unverändert zu erhalten geeignet ist. Dass
es jedesmal einen solchen Zinsfuss geben müsse, war die still-
schweigende Voraussetzung unseres ganzen Raisonnements. Ob- er
aber auch wirklich existiert und wie er beschaffen sein mag, um
diesen Zweck zu erfüllen, damit sowie mit den sich daran an-
kniipfenden Fragen über die Bestimn^ungsgründe des Geldzinses
können wir uns erst im nächsten Abschnitt beschäftigen.
Es erhellt aus dem oben gesagten — insoweit unsere hypo-
thetischen Schlussfolgerungen sonst mit der Wirklichkeit überein-
stimmen —, eine wie grundverschiedene Erscheinung, zumal bei
voll entwickeltem Kreditsystem, die Bewegung und das Gleichge-
wicht der konkreten Geldpreise gegenüber denjenigen der rela-
tiven Preise sind. Letztere sind etwa mit einem mechanischen
System, welches den Anforderungen des stabilen Gleichgewichts
erfüllt, z. B. einem aufgehängten Pendel vergleichbar. Jede Ab-
weichung von der Gleichgewichtslage ruft sofort Kräfte hervor —
desto stärker, je grösser die Abweichung — welche das System
nach der urspriinglichen Lage zurückzuführen streben und dies
auch, wenngleich erst nach einigen Oscillationen hin und her, wirk-
lich erreichen.
Das analoge Bild für die Geldpreise wäre vielmehr ein leicht
beweglicher Gegenstand, z. B. ein Cylinder, welcher auf einer hori-



