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Th. Wieg and:

inhalt der Arbeitsgebiete unserer Vorgänger 0. Rayet und A. Thomas,
B. Haussoullier und E. Pontremoli betrug zusammen 2 300 qm; der
Flächeninhalt der heutigen gesamten Grabung beträgt 10650 qm. Es sind
von uns also 8 350 qm neue Ausgrabungsfläche hinzugewonnen. Dieses
ganze Gebiet haben wir mit einer 2 m dicken und bis zu 5 m hohen,
sehr starken Trockenmauer umgeben (vgl. Tafel IV links, wo ein Teil
sichtbar ist, sowie den Hintergrund von Fig. 14), welche aus den zahl-
reichen formlosen Bautrümmern mit sorgfältiger Auswahl zusammengefügt
ist und drei große Vorteile gewährt: erstens die Ersparung eines weiten
und kostspieligen Steintransportes, zweitens die rasche Entlastung der
Grabung; drittens ist sie eine vorzügliche Schutzmauer gegen das Ein-
dringen unbefugter Dorfbewohner, deren Unverstand und Roheit dem
Tempel früher oft genug schweren Schaden zugefügt hat (s. u.).

Den Gang der Arbeit habe ich im Sechsten Bericht, S. 32, program-
matisch angegeben; die weiteren Fortschritte mögen aus folgenden Mit-
teilungen zu entnehmen sein:

Eine der Hauptsorgen war die Herrichtung von großen Lagerplätzen,
wo die vom Trümmerberg des Tempels herabgeholten, architektonisch be-
deutsamen Werkstücke systematisch geordnet aufgestellt werden konnten.
Ihr Transport erfolgte mittels Erdrampen, die dem Abbau entsprechend
immer mehr erniedrigt wurden. Gleichzeitig wurde durch H. Knackfuß
jede Art von Konservierungsarbeit in durchgreifender Weise vorgenommen,
und zwar überall da, wo die aus dem Trümmerhaufen emportauchenden
Wände neue Untermauerungen, Einziehung A'on Eisenträgern u. dgi. er-
forderten, oder wo die Säulen unterfangen und umbändert werden mußten.
Unzählige kleinere abgesplitterte Fragmente wurden mit feinem Marmor-
kitt sofort wieder an ihrer Bruchstelle befestigt. Mittels Hebewerkzeug
wurden die verworfenen Tempelstufen und sehr viel Cellawandblöcke wieder
aufgebaut. Den Zustand vor der deutschen Grabung veranschaulicht Taf. VI
nach einer Photographie, die Karl Humann am 10. Juni 1891 aufnahm;
diesen Anblick hatte auch die französische Untersuchung von 1895/96
nicht verändert. Humanns Aufnahme ist in der Richtung von Westen nach
Osten gemacht. Im Vordergrunde liegt also der Hauptsaal, links unterhalb
der Mühle kommt eine Halbsäule der Türwand dieses Saales zum Vorschein.

Nach Abräumung der Windmühle über dein Mittelsaal des Tempels
hatte sich im Februar 1908 eine große Trümmerschicht eingestürzter Wand-
 
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