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Windelband, Wilhelm; Goedeckemeyer, Albert [Oth.]
Geschichte der abendländischen Philosophie im Altertum — München, 1923

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https://doi.org/10.11588/diglit.23234#0010
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VI

Vorwort zur vierten Auflage.

Ein feineres Auge wird in dieser zweiten Auflage die Spuren der erfahrnen
Einwürfe, auch wo mich diese nicht überzeugt haben: ebensowenig ver-
kennen, wie die zahlreichen kleineren Veränderungen in der Darstellung,
in der Auswahl der Literatur und der Zitate. Auch hier durfte die nach-
bessernde Hand manchem dankenswerten Wink in den Besprechungen dieses
Buchs und mancher erfreulichen Aufklärung in den während dieses Lustrums
erschienenen Arbeiten folgen.

Die äußere Einrichtung erhält nur darin eine erwünschte Änderung,
daß am Schluß ein Register der behandelten Philosophen beigegeben wird.

So möge denn das Schriftchen weiter seinen Zweck erfüllen: einer
edlen Sache verständnisvolle Freunde zu werben und das Bewußtsein von
dem unvergänglichen Werte lebendig erhalten, welchen die Gebilde des
griechischen Denkens für alles menschliche Geistesleben besitzen.

Straß bürg, im April 1893.

Wilhelm Windelband.

Vorwort zur vierten Auflage.

Die dritte Auflage dieses Lehrbuches hatte noch zu Lebzeiten Windel-
bands der nunmehr auch verstorbene Adolf Bonhöffer besorgt. Seine Kennt-
nisse auf dem Gebiete der griechischen Philosophie überhaupt und ins-
besondere auf dem der Stoa haben dem Buche nicht geringe Vorteile ge-
gebracht. Sie sind nach Möglichkeit erhalten worden. Aber im großen
und ganzen erwies sich eine gründliche Umarbeitung als unumgänglich.
Vor allem erschien es als erstrebenswert, wieder das philosophische Moment
stärker in den Vordergrund zu stellen als es Bonhöffer getan hatte. Es
war das um so eher geboten, als in den elf Jahren, die seit Erscheinen der
dritten Auflage verflossen sind, trotz allem die wissenschaftliche Arbeit
auch hier nicht stillgestanden hat, und wir darum die Entwicklung der
alten Philosophie im ganzen wie im einzelnen deutlicher zu verfolgen ver-
mögen als das früher möglich war. Ich habe deshalb keinen Anstand
genommen, wo es mir nötig zu sein schien, auch von Windelband ab-
zuweichen und meine eigenen Anschauungen zum Ausdruck zu bringen.
Ich hielt das auch in dem unter seinem Namen gehenden Buche für
berechtigt, weil ich mich in zwei wesentlichen Punkten mit ihm eins
weiß. Der erste ist die( Auffassung der Geschichte der Philosophie. Sie
kann auch nach meiner Ansicht nur eine Geschichte der Probleme sein.
Wert und Bedeutung kann die Geschichte der Philosophie nur insofern
haben, als sie Probleme zur Darstellung bringt, die der Leser als die seinigen
empfindet, und Gründe, deren er sich bei ihrer selbt versuchten Lösung
bedienen kann, In diesem Sinne steht aber die antike Philosophie im
Abendlande allen andern Perioden deshalb voran, weil sie zuerst und un-
beengt durch dogmatische Fesseln oder das Schwergewicht der Tradition
an die Bearbeitung der jeden ernsten Menschen wenigstens einmal im
 
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